Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 479 (sequence 489)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4779-3480923- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
eine besondere Neigung, den Arabern zu beweisen, das wir aus der Staatskasse nichts bekommen, sondern ihr nur geben. Diese Politik schadet uns sehr, und sie hat gefährliche Präzidentien. Wir brauchen uns nicht unsere Grundrechte durch Gnadengeschenke an andere zu erkaufen. Unsere Arbeit im Lande selbst wird allen anderen Segen bringen, aber wir sind nicht verpflichtet, auf unsere Grundrechte zu verzichten, um andere zu befriedigen. Wir müssen mit aller Stärke auf der Forderung bestehen, daß die Regierung unsere Bedürfnisse betreffs der Erziehung befriedige, betreffs der Gesundheit der Gemeinschaft usw., in demselben Maße, wie sie diese Bedürfnisse des im Lande ansässigen Volkes befriedigt. Der Kongreß muß diesen Forderungen klaren Ausdruck geben. Außer der politischen Arbeit in diesen beiden Hauptpunkten müssen wir auch für Taten sorgen, die geeignet sind, dem zukünftigen Erziehungsbudget Erleichterung zu verschaffen und ihm natürliche gesündere Grundlagen zu geben. In dieser Hinsicht habe ich dem Kongresse den Vorschlag des Komitees für den Bau von Erziehungshäusern und -anstalten zu übermitteln, der neben dem Waad-Hachinuch für die Juden Palästinas besteht. Einer der wichtigen Gründe, die die Angelegenheit des Schulhäuserbudgets verwickelt machen, ist die Teuerung der Wohnungen für Schulhäuser, die von Jahr zu Jahr schlimmer wird. Die meisten Schulhäuser und Kindergärten in Palästina befinden sich in Mietswohnungen, die hohe Summen kosten. Diese Wohnungen passen überhaupt nicht für Erziehungsanstalten, denn sie wurden nicht dafür gebaut, und so sündigen wir gegen das kommende Geschlecht, indem wir es in seiner Jugend in derartigen Häusern festhalten, in denen nicht genug Licht und Luft ist, bei denen sich keine Höfe und Gärten befinden, und die keine Werkstätten usw. haben. Und außer diesen großen Mängeln in hygienischer und sanitärer Hinsicht liegt hier auch ein großer finanzieller Mangel vor. Wir verschwenden viel Geld für die Wohnungsmieten, und da die Wohnungen überhaupt nicht für ihren Zweck geeignet sind, da die Zimmer klein und eng sind, sind wir gezwungen, die Klassen zu vermehren und überflüssige Lehrer hinzuzunehmen, die nicht nötig wären, wenn wir passende und geräumige Zimmer hätten. Die Kommission für Häuserbau wandte sich an das zionistische Aktionskomitee in Prag und schlug ihm vor, für das kommende Jahr ein Budget von 25 000 Pfund Sterling für den Bau von Häusern und Erziehungsanstalten in Palästina auszusetzen. Dies würde uns nicht nur eine große Ersparnis an Ausgaben verschaffen, wie ich es schon erklärt habe, sondern auch den palästinensischen Jischuw anregen zu einer aktiveren Anteilnahme an unserem Budget. Ein Beispiel dafür: Unser Komitee wandte sich in diesem Punkte an die Stadt Tel-Awiw mit dem Vorschlage, sich ihrerseits mit 25 % an den erforderlichen Ausgaben an dem Bau von Häusern und Erziehungsanstalten in Jaffa zu beteiligen, und das Kulturkomitee in Tel-Awiw willigte in diesen Vorschlag ein, und es besteht die Vermutung, daß auch der städtische Waad einwilligen wird. Die Sitzung des Aktionskomitees in Prag wußte diesen Vorschlag des Komitees für den Bau von Häusern einzuschätzen und beschloß, für das kommende Jahr die geforderte Summe zu bewilligen. Der Kongreß hat also diesen Beschluß des Aktionskomitees zu bestätigen. Jetzt freue ich mich, daß der Finanzrat des Kongresses dem Kongresse vorschlagen will, im Prinzip den Prager Beschluß zu bestätigen, nur soll er dieses Budget unter die Bedürfnisse zweiter Stufe einordnen, an die man erst herantritt, nachdem die Bedürfnisse der ersten Stufe ihre volle Befriedigung gefunden haben. Ich bitte den Kongreß, seiner absoluten Meinung gegen diese Neigung Ausdruck zu geben. Wir wissen, was alle diese Bedürfnisse zweiter Klasse kosten werden. Jedenfalls werden wir nicht soviel Geld haben, daß es auch für die derartigen Bedürfnisse ausreichen wird. Wenn der Kongreß in diese Neigung des Finanzkomitees einwilligt, wird er dadurch tatsächlich voll- 479