Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 477 (sequence 487)
- Language
- German, English, Hebrew
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Vizepräsident Motzkin (unterbrechend): Sie wissen doch, daß diese Resolution zur Debatte über den Keren Hajessod gehört. Ich kann jetzt auf keinen Fall dulden, daß Sie auf ein anderes Gebiet abschweifen. Delegierter Rabbi Gold (fortfahrend): Was die Kultur betrifft, so haben wir zwei Arten von Schulen in Erez Israel als notwendig nennen gehört. Manche sagen, wir wollen eine orthodoxe Schule haben. Diesem Verlangen kann man nicht entgegentreten. Die Zionistische Organisation ist der einzig verantwortliche Faktor für die Kultur in Erez Israel und sie hat die Pflicht, alle Elemente zu vereinigen. Wenn gesagt wird, es sei zu wenig Geld vorhanden, so muß ich betonen, daß man andererseits zu wenig für die Schulen ausgegeben hat. Daß man für die Kultur Geld aufbringen kann, zeigt das Beispiel von Boston, wo ich für die dortige Talmud-Thora am Jörn Kipur 100 000 Dollar gesammelt habe. Es gibt nur einen Weg, Geld zu schaffen: der Kulturfond muß vom Keren Hajessod getrennt werden, damit jene, die dem Kulturprogramm des Zionismus ihre Zustimmung nicht geben können, sich gleichwohl am Keren Hajessod beteiligen können. Dagegen müßte ein spezieller Bildungsrat, ein Educational Council geschaffen werden als allweltliche Organisation mit besonderen Einkünften, die die ganze Erziehungsarbeit leitet. Ich glaube, daß dies noch wichtiger ist als der Economic Council, der ja eine Kapitulation auf unserem speziellen Gebiete, dem politisch-ökonomischen, bedeutet. Die Notwendigkeit, einen Bildungsfond zu schaffen, würde jeder Fraktion und Gruppe neuen Inhalt und neues Leben geben. Diese Weltorganisation müßte sich verpflichten, während einer Krise allen Schulen zu helfen, da man nichts, was in Palästina aufgebaut wurde, verkümmern lassen darf. Nichts, was in Palästina auf dem Gebiete des Schulwesens gebaut wurde, darf zerstört werden. In dem zu errichtenden Bildungsrat müßten alle Strömungen im Zionismus vertreten sein. (Beifall.) Delegierter Dr. M. GKickson (Palästina, hebräisch): Es ist sehr schwer, gegen die Opposition in Erziehungssachen anzukämpfen, gerade weil man im Grunde nicht das Wesen der Erziehungsarbeit bekämpft. Ich habe das Gefühl, daß die Arbeit, die wir augenblicklich von diesem Katheder aus leisten, umsonst ist, weil der Schwerpunkt der Frage, über die wir jetzt urteilen, nicht in diesem Saal sich befindet und auch nicht in der Erziehungskommission, sondern in der Finanzkommission. Augenscheinlich widerspricht niemand im Grunde der Erziehungsarbeit, aber es gibt ein großes und schwerwiegendes Gegenargument, das als Hindernis auf unserem Wege steht: Der Kassenzustand. Und hier muß der Kongreß seine Stellungnahme festlegen. Wir müssen zu der Binsenwahrheit zurückkehren: im Haushalt einer Gemeinschaft richten sich nicht die Ausgaben nach den Einnahmen, sondern umgekehrt, die Einnahmen müssen sich nach den notwendigen Ausgaben richten. Alle Argumente, daß das Budget für das Erziehungswesen nicht den Kräften der Zionistischen Organisation entspricht und Schaden und Einschränkung für unsere Arbeit in den übrigen Gebieten verursacht, sind garnicht prinzipiell entscheidend. Die Frage, was vernachlässigt wird, die Erziehungsarbeit wegen der Kolonisationsarbeit oder umgekehrt, ist gegenstandslos. Wrir haben keinen einzigen Rubel in der Kasse, über den wir beschließen könnten, ob wir ihn für Brot oder Unterricht ausgeben sollen. In Wirklichkeit ist auch dieser einzige Rubel nicht in unserer Kasse, sondern alles hängt von unserer Arbeit ab. Unser Wunderbankier ist der Strom, der aus unserer Arbeit im Lande hervorgeht und sich über den großen Umkreis im Galuth ergießt. In dem Maße, in dem sich unsere Arbeit und unsere Ausgaben 477