Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 476 (sequence 486)
- Language
- German, English, Hebrew
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Vizepräsident Motzkin (der während vorstehender Ausführungen den Vorsitz übernommen hat): Ich erteile das Wort dem Herrn Dr. G o 1 d. Delegierter Rabb. Henry Raphael Gold (Amerika, hebräisch): Geehrter Kongreß! Ich will die kostbaren Minuten benutzen, um über Fragen zu sprechen, die seit jeher als Stein des Anstoßes gedient haben. (Jüdisch fortfahrend): Ich muß mich kurz fassen. Ich vertrete den Standpunkt des durchschnittlichen amerikanischen jüdischen Kleinbürgers, auf den wir soviel Hoffnungen für den Aufbau Palästinas setzen. Ich hatte das Vergnügen, der Konferenz der russischen Delegierten beizuwohnen, „dem Sprudel des Zionismus". Präsident Sokolow, Ussischkin, Jabotinsky betonten in ihren Reden die Notwendigkeit der Gewinnung des jüdischen Bal- Bos. Dieser soll der „Chaluz" des Kapitals werden, wie wir „Chaluzim" der Arbeit haben. Ich will die geehrten Delegierten auf die Tatsache aufmerksam machen, daß das amerikanische Judentum ein riesiges nationales Vermögen in der Form von 6000 Synagogen-Gebäuden geschaffen hat. Sie müssen bedenken, daß diese keine Eintagsvereine sind; das sind keine Vereine, zu denen man immer wieder unseren besten Propagandisten, Dr. Schmarja Lewin, schicken muß, damit er ihnen neuen Sauerstoff zuführen soll. Das sind gesunde Organisationen, die so regelmäßig arbeiten, daß sie automatisch arbeiten. Man fragt sehr oft in den Straßen von Karlsbad: Was werden die reichen Balbatim von Amerika tun? Diese Juden haben wirklich viel Geld, aber sehr wenig Zeit und noch weniger Geduld. Das Leben in Amerika fordert sehr viel und besonders das jüdische Leben mit seinen vielen Bedürfnissen. In einer kritischen Zeit müssen alle Parteien zusammenarbeiten und das jüdische Leben besonders im Zionismus steht fast immer in einer Krise. Und trotzdem haben wir keine Einigkeit. Diese Schul-Bale-Batim können sich nicht daran gewöhnen, den Kongreß als politisches Turnier zu sehen und die Führer als Duellanten. Die Parteien bekämpfen sich mit Erbitterung, und der Wunsch, eine dauernde Grundlage für das Volk zu schaffen, wird verdrängt von dem Wunsch, für die oder jene Partei etwas zu gewinnen. Obwohl selbst ein Anhänger des Misrachi, gebe ich zu, daß die jüdischen Massen kein Vertrauen zur staatenbildenden Fähigkeit des Misrachi besitzen. Aber andererseits wollen sie auch nicht die geistige Erziehung der Jugend den sogenannten allgemeinen Zionisten anvertrauen. Es muß auch auf diesem Boden ein Weg zur Zusammenarbeit gefunden werden. Der Kongreß sollte in der zu fassenden Resolution aussprechen, daß die zionistische Administration in Palästina keinen Akt von öffentlichem Charakter dulden soll, der gegen den Geist und die religiöse Tradition unseres Volkes verstößt, und daß diejenigen Personen oder Gruppen, die sich solche Verstöße zu schulden kommen lassen, keine Unterstützung aus nationalen Geldern erhalten. Die jüdischen Massen wollen, wie gesagt, eine Zusammenarbeit, einen vereinigten Zionismus. Sie haben in Amerika den Kampf gegen die Brandeis- Prinzipien unterstützt, aber nicht gegen die Brandeis-Methoden. Jetzt droht wieder ein Streit um die Landsmannschaften. Der Kongreß muß eine Einladung an alle Elemente des Judentums ergehen lassen, sich in einem universalen Unternehmen zum Aufbau Palästinas zu vereinigen. Ich würde vorschlagen, daß der Kongreß, von dem Wunsche geleitet, alle Elemente des Judentums für den Aufbau Palästinas zu vereinigen, und der Unzufriedenheit mancher Kreise der amerikanischen und westeuropäischen Zionisten mit dem bisherigen Statut des Keren Hajessod Rechnung tragend, eine Aenderung dieses für den Aufbau Palästinas wichtigsten Institutes unternimmt und zwar auf eine Weise, die den ausschlaggebenden Elementen des Judentums eine Zusammenarbeit für Palästina ermöglicht. Wir reichen Ihnen die brüderliche Hand zu vereinigter Arbeit für unser Volk. 476