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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 475

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 475 (sequence 485)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Eine weitere Folge der negativen Beziehung zur Vergangenheit ist die negative Beziehung zur Religion. Bis jetzt wollten die Lehrer in Palästina nur weltliche Schulen haben und die Religion aus den Schulen ausschalten. Ihr Judentum besteht nur in der hebräischen Sprache, die als Umgangs- und Unterrichtssprache dient. Kein Mensch von uns verkennt die Wichtigkeit des gesprochenen Hebräisch und der hebräischen Literatur. Aber mit Sprache allein hat man noch dem Judentum nicht Genüge getan. Ein jüdisches Kind, das Grammatik, Geographie, Arithmetik und allgemeine Geschichte in der hebräischen Sprache erlernt, ist noch lange nicht ein sich der nationalen Werte bewußter Jude. Man kann nicht alle unsere nationalen Werte aus der Schule verbannen, nur weil sie mit unserer Religion eng verknüpft sind. Die meisten nationalen Werte sind nur der Form nach religiös, dem Inhalt nach aber sind sie national, so daß auch ein Nichtreligiöser ihnen gerecht werden kann. Man kann von der jüdischen Erziehung das Religiöse nicht trennen. Das ist ein nationales Prinzip, von dem das ganze Leben der Nation abhängt. Die jüdische Religion ist ein Teil der Seele unseres Volkes und wer nicht religiös ist, ist auch im nationalen Sinne ein verkrüppelter Jude. Durch den bisherigen Unterricht erziehen wir in Palästina eine Jugend, die aus hebräisch sprechenden Amhaarezim besteht. Sogar das Hebräische ist bei ihnen nur sehr oberflächlich, es besteht dort eine besondere Vorliebe für neue und klingende Worte, aber kein tiefes hebräisches Wissen. Zum Teil sind diese Mißstände durch den Mangel an guten Lehrbüchern zu erklären. Die Lehrer sind überlastet mit der Vorbereitung der Stunden, müssen immer Neues scharfen und haben keine Zeit und keine Möglichkeit, sich ins Alte zu vertiefen. Die Schüler haben keine Möglichkeit, das vom Lehrer Gehörte in einem Buch zu wiederholen und es durch Lektüre zu erweitern. Daraus folgen viele Mißverständnisse zwischen Lehrern und Schülern. Das geistige Zentrum, das die Lehrer in Palästina schaffen wollen, wird nicht allein in der Schule entstehen, es wird vielmehr aus der Summe der kulturellen, ökonomischen und technischen Leben entstehen. Alles muß dem jüdischen Stil und der jüdischen Art entsprechen. Die Schule muß sich daher normal aus den überlieferten Traditionen entwickeln, sie darf nicht danach streben, etwas ganz Neues zu sein, das mit dem Alten nichts Gemeinsames hat. Die Erziehungsarbeit muß auch weiterhin der Zionistischen Organisation überlassen werden. Das Budget darf nicht gekürzt werden, weil die Erziehungsarbeit in Palästina eine nationale Arbeit ist. Die Auslieferung der Erziehungstätigkeit an Einzelpersonen ist eine nationale Gefahr. Wir würden dann in Palästina eine Unmenge von Einzelschulen haben, die miteinander nichts Gemeinsames haben. Der größte Vorteil der Schulen Palästinas besteht in der Einheitlichkeit ihres Aufbaus, die unendliche Mühe und Kosten verursacht hat. Bis zu einem gewissen Alter müssen die Schulen der Zionistischen Organisation angehören, aber auch die Eltern müssen einen Teil der Ausgaben durch Schulgelder aufbringen. Es ist eine Schande, daß eine so reiche Kolonie wie Petach-Tikwah ihre Schulen nicht selbst erhalten will. Die Fehler im Erziehungswesen Palästinas sind zu verbessern. Man darf aber nicht das Budget kürzen und die idealistischen Lehrer, die unter unsäglichen Leiden und Opfern ihre Tätigkeit ausüben, in eine noch schwierigere Lage versetzen. Trotz aller Fehler hat die Erziehung in Palästina viele Vorteile. Trotz der Bemühungen, die traditionelle Gestalt zu vermeiden, haben die Schulen doch ein jüdisches Gesicht. Man muß alle Fehler zu verbessern suchen und ich wäre der letzte, der gegen das Budget stimmen würde. Im Gegenteil, die Fehler in den Schulen Palästinas können nur behoben werden, wenn die Schulen und die Lehrer mehr gesichert sind. (Beifall.) 475

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