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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 473

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 473 (sequence 483)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Das sind harte Worte, aber sie müssen einmal gesagt werden. Wir müssen uns im klaren sein, ob wir gewillt sind, diesen Teil unserer Arbeit in Palästina aufzugeben oder fortzusetzen. Es ist zu bedauern, daß der Saal, der während der politischen Auseinandersetzungen voll war, jetzt fast leer ist. Im vorigen Jahr hat die kulturelle Kommission in Palästina ein großes Budget aufgestellt, 250 000 Pfd. St. Man hat das Budget angenommen, die Ausführung aber solchen Menschen übergeben, die es offenbar nicht ausführen wollten. Man hat sofort das Budget bis auf ein Drittel verkürzt. Man hat sich aber dabei nicht die Frage gestellt, was die palästinensischen Kinder tun werden, und doch war es klar, daß die Kinder nicht ohne Schulen bleiben können, sondern in die Missionsschulen gehen würden. Die Rettung kam aber von einer anderen Seite. Dieselben Lehrer, die eine Gehaltserhöhung forderten, weil sie mit ihrem Gehalte nicht auskommen können, gaben zwei Stunden wöchentlich unentgeltlich, und so entging man der Notwendigkeit, einen Teil der Kinder zu entlassen. (Beifall.) — Jetzt klatscht Ihr Beifall, wo wart Ihr aber, als wir uns an Euch um Hilfe wandten und nichts bekamen? In der Mitte des Jahres kam die bekannte Reorganisations-Kommission der Herren Simon und Szold. Es wurde beschlossen, Ende April das Budget um 25 Prozent zu verkleinern, am Ende des Jahres um 50 Prozent, und schließlich das ganze Schulwesen einer anderen Gesellschaft zu übergeben. Die Frage, wie man ein Budget in der Mitte des Jahres verkleinern kann, wer die Gesellschaft sein wird, die die Sache übernehmen soll — diese Frage hat die Herren nicht interessiert. Nur nach einem schweren Kampfe konnten wir bewirken, daß das Budget nicht gestrichen wurde. Es wurde um einige tausend Pfund verkleinert, zum größten Nachteile des Schulwesens selbst. Die Herren Simon und Szold sind zurückgetreten. Aber plötzlich kam ein Telegramm an Herrn Dr. Lurie, das den Beschluß verkündete, dem Erziehungswesen nur 50 000 Pfund zu bewilligen. Charakteristisch ist, daß zu jener Zeit in London niemand anwesend war, außer zwei Leuten, die von dieser Frage nichts verstehen. Ist denn wirklich unsere Kulturangelegenheit solch eine Nebensache? In Prag beschloß man, 100 000 Pfund zu bewilligen. Und hier hören wir plötzlich wieder Debatten. Man spricht von 50, 75, sogar von 90 000 Pfund. Ich sage Ihnen, wenn Sie die ganze Arbeit nicht für notwendig halten, dann streichen Sie das ganze Budget. Wenn Sie aber die kulturelle Arbeit fortzusetzen gewillt sind, so müssen Sie anerkennen, daß die Kulturarbeit eine der wichtigsten Arbeiten im Lande ist. Die Kulturarbeit ist unsere stärkste politische Stütze. Die Araber haben das verstanden und sie fordern von der palästinensischen Regierung zweimal so viel Schulen als wir haben. Wir aber wollen das vernichten, was wir schon haben. Im englischen Parlamente bringt man zum Beweise gegen uns die Tatsache, daß die Juden im Lande vielsprachig sind. Und während dieser Zeit beginnen unsere Aemter in Palästina die hebräische Sprache auszuschalten. Die Zionistische Kommission, die Bank, andere Institutionen benutzen Englisch als Amtssprache. Die einzige Zitadelle des Hebräischen ist die Schule. Wir müssen auch berücksichtigen, daß die palästinensischen Schulen nicht nur für Palästina da sind, sie sind schon eine Lebensquelle für die ganze Galuth geworden. Man sagt uns, daß die ersten amerikanischen Siedler auch keine Schulen hatten, aber das war vor dreihundert Jahren, und außerdem hatten jene das reiche, starke kulturelle England der Elisabeth-Periode hinter sich gelassen. Und was lassen Vir hinter uns? Ein gemartertes, zerfleischtes Judentum. Eine blutüberströmte Ukraine. 473

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