Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 471 (sequence 481)
- Language
- German, English, Hebrew
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Witwe und den Kindern eines beamteten deutschen Geheimen Medizinalrates habe ich die medizinische Bibliothek ihres Mannes bekommen. In Portugal hat der Präsident nicht bloß seine eigenen Werke gespendet, sondern eine große Menge anderer Bücher gegeben und veranlaßt, daß eine große Zahl portugiesischer Nichtjuden Bücher gespendet haben, die nur darauf warten, in absehbarer Zeit nach Jerusalem gebracht zu werden. (Beifall.) Ich gebe zu, daß sich die Bibliothek in Not befindet. Für den Transport, für die Alijah unserer Bücher fehlen die Mittel. Man hat uns noch nicht einmal das ersetzt, was wir für den Transport der Bücher im Frühjahr ausgelegt haben. Wenn man uns ausreichend die Kosten der Verwaltung gibt, so werden wir eine Bibliothek haben. Schon heute hat die Bibliothek eine Stiftung von Simon Strauß in Kassel, wir haben andere Stiftungen, so von Wistenecki in Alienstein, von Koplovitz, Königshütte, von Solomon Rosenbloom in Pittsburgh, von Sigmond Sonneborn usw. Alle Möglichen haben für die Bibliothek gegeben. Uns fehlen aber die Propagandamittel. Nicht einmal eine Broschüre kann ich drucken lassen. Die kleine Broschüre, die ich einer Anzahl von Kongreßmitgliedern gegeben habe, mußte ich auf eigene Kosten drucken lassen. Wir müssen eine großzügige Propaganda treiben. Es fehlen sogar die Quittungsformulare, damit wir uns für die Bücher und Geschenke bedanken können. Wir müssen alle Juden aufrufen; jeder Verleger, jeder Drucker, jeder Jude, der etwas schreibt, sollte verpflichtet sein, für die Bibliothek Ehrenpflicht-Exemplare zu geben. Denn wir gründen nicht eine einzige Bibliothek, sondern ein systematisches Bibliothekswesen im Lande, eine Nationalbibliothek, eine Stadtbibliothek, Bibliotheken für die Kolonien — die Chaluzim haben aus Not schon eigene Wanderbibliotheken gegründet. Es wurden mir während des Kongresses 12 000 rabbinische Werke für den geringen Preis von 3000 Dollar angeboten; ich habe sie nicht. Ich kann diese Bibliotheken nicht kaufen, auch wenn sie den zehnfachen Wert haben. Es wurden mir 10 000 Bände für 100 000 Mark angeboten, jeder Band in Halbleder gebunden, so daß jeder Band auf 10 Mark zu stehen käme. Ich kann sie nicht erwerben. Da der Keren Hajessod nicht dazu geben will, ist jeder Jude verpflichtet, diese Mittel mit aufzubringen, damit wir nicht, wie sich Dr. Ruppin ausdrücken würde, die Bibliothek eines armen Mannes haben, sondern damit wir zeigen, daß wir nicht bloß materiell im Lande Israel etwas aufbauen. Wir brauchen Sammelstellen, wie das Palästina-Hochschulkomitee in Berlin. Es sind solche Stellen im Entstehen. In Holland hilft uns Prof. Ornstein. In Riga Prof. Lazerson und Dr. Wassermann. Wir bedürfen ja nicht bloß dieser einen Bibliothek, wir müssen auch für die landwirtschaftliche Versuchsstation eine Spezialbibliothek haben, die ebenfalls von dieser Stelle ressortiert. Das Technikum schreibt uns: „Unser nächstes Bedürfnis wäre eine Bibliothek aller bedeutenden Kulturwerke." Sie werden fragen: wo nimmt man das Geld her? Ich habe es schon zum Teil hergenommen. Ich habe hier einen Brief in Händen, ich möge den Grund legen für eine Bibliothek des Technikunms und der Schreiber legt die ersten 100 000 Mark dem Briefe bei. (Beifall.) Wir haben in Jaffa eine Bibliothek. Ich kenne sie seit langem; sie gehört den Bnai Brith, und ich rechne darauf, daß diese es als eine Ehrenpflicht betrachten werden, gerade diese Bibliothek besonders zu unterstützen. Sie hat 12 000 Bände, aber doppelt so viel Entlehnungen im Jahre, als sie Bücher besitzt. Aber die lumpigen 200 Pfund, die sie Schulden hat kann sie nicht aufbringen, ein Haus für 5000 Pfund können sie nicht bauen, und doch geben sie soviel für Miete aus, als notwendig wäre, um das Bau- Kapital zu amortisieren. Jeder Jude muß Bücher hinschicken, und wir müssen diese Bibliotheken organisieren. Was wir verlangen, ist folgendes: Unsere Universität soll ein Kern- und Mittelpunkt sein, um von da aus die Kenntnis des Orients in unser Volk hineinzutragen, um das Judentum auf den uralten Grundlagen neu aufzubauen. Nichts Jüdisches wegwerfen, 471