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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 470

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 470 (sequence 480)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476278--4770-3480914
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ein Andenken widmen. Wir müssen dann später die große Nationalbibliothek, aus der sich in künftigen Tagen eine besondere Universitätsbibliothek loslösen soll, in die Nähe der Universität verlegen. Eine weitsichtige Bodenpolitik sollte schon jetzt daran denken, daß man 30 Dunam Landes in der Nähe der Universität für diesen Zweck reserviert. Wenn Sie mir ein großes Gebäude in Jerusalem für die Bibliothek hinstellen, wenn Sie es mit den nötigen Regalen und Mobilien ausstatten und mir einen geeigneten Verwaltungsapparat zur Verfügung stellen, so ist mir um die Bibliothek selbst keine Sorge. Geben Sie uns das Bauwerk und das nötige Budget für die Verwaltung. Verweigern Sie ruhig die Bewilligung der Mittel für den Kauf von Büchern. An ihnen soll es doch nicht fehlen. Wenn jeder Jude in der Welt nur ein einziges Buch spendet, so haben wir die größte Bibliothek der Welt. Die Bibliothek werde ich Ihnen geben, wenn wir erst das Haus in Jerusalem haben. Ueberall haben wir verstreute Bücherschätze. Es liegen z. B. in Bialystok Bücher, die noch Dr. Joseph Chazanowitsch gesammelt hat. Ebenso haben wir in Berlin, Zürich, Riga, Kowno und in verschiedenen anderen Städten Bücher lagern. Es ist dringend notwendig, daß wir schon jetzt an den Bau des Gebäudes gehen, sonst werden diese Bücher nicht abreisen. Man hat in Jerusalem Heißhunger nach Büchern. Man bittet, ich soll schicken und schicken. Aber wenn es geschieht, ertönt der Notschrei: „stop the emmigration of books", weil sie den Segen nicht unterbringen können. Es sind uns ganze Bibliotheken gestiftet worden, wie letzthin die unseres großen Freundes Josef Popper-Lynkeus, die wir aber nicht unterbringen können. In dem Bibliotheksgebäude, das errichtet werden wird, und das hoffentlich schon äußerlich einen bedeutenden jüdischen Namen verewigen wird, werden wir den ersten Anfang von Vorlesungsräumen für die Universität haben, zunächst für die philosophisch-jüdisch-orientalistische Fakultät, die nicht darauf angelegt sein wird, zerstörende und ätzende Bibelkritik zu üben, sondern aufbauende jüdische Bibel- und Talmudwissenschaft zu schaffen und die voraussetzungslose jüdische Gelehrsamkeit zu errichten. Palästina wäre auch das geeignetste Land für die archäologische Forschung. Wir brauchen die archäologische Wissenschaft. Wir haben gute Archäologen und Philologen. Wir und unsere Freunde, die an europäischen Universitäten wirken, warten nur darauf, daß wir die Möglichkeit haben, in Jerusalem in einem solchen neuen Gebäude Vorlesungen und Uebungen zu halten, um ernste Wissenschaft so zu treiben, daß die Kultur und die Ehre des Judentums und unseres Volkes Ruhm dadurch erhöht werden. (Lebhafter Beifall.) In diesem Gebäude wird das Herzl-Museum seinen Platz finden. Hier werden wir die Universitätszeitschrift herausgeben können, in diesem Gebäude werden wir das zionistische Archiv unterbringen können, bis wir imstande sind, ihm einen eigenen Raum zuzuweisen. Wir werden die Gelegenheit haben ein allgemeines jüdisch-historisches Archiv zu begründen. Die Bibliothek ist parteilos, sie muß parteilos sein, und es ist Sache aller Juden, ja, aller gebildeten Menschen, an der Schaffung dieser Bibliothek mitzuarbeiten. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Weizmann und Brandeis. Sie arbeiten alle mit, und ich darf Ihnen sagen, daß meine Bibliotheksfreunde drüben, von denen ich nicht weiß, ja gar nicht wissen will, wie ich politisch zu ihnen stehe, Mack, Brandeis, Rosenbloom, Ember und viele andere sind. Was die Wissenschaft, die Bibliothek und den geistigen Neuaufbau des Judentums betrifft, kennen wir keinen Unterschied. Wir werden diese Bibliothek aufbauen mit den Kräften aller Juden, ob sie Zionisten oder Nichtzionisten sind. Und wenn sich die Antizionisten erst einmal gewöhnt haben, Bücher für diese Bibliothek zu geben, so schlingt sich zwischen ihren Herzen und Jerusalem ein neues Band, und das wächst sich allmählich zu einem Tau aus. Dafür, daß auch Nichtjuden sich für die Bibliothek interessiert haben, will ich Ihnen zwei Beispiele geben. Von der 470

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