Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 469 (sequence 479)
- Language
- German, English, Hebrew
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sind, religiös ihnen nahe stehen und eine verwandte Kultur haben, so daß der Islam von dem Judentume nicht so entfernt ist, wie z. B. die protestantische von der katholischen Kirche. Wenn wir uns das vergegenwärtigen und die Wichtigkeit erfassen, die besonders für uns der Wissenschaft vom Orient innewohnt, werden wir in erster Linie die Universität auch nach dieser Richtung gründen und ausbauen. Als Vorbedingung für die Universität bedürfen wir einer Sache, über die ich auf jedem Kongreß zu sprechen gewohnt bin. Ich weiß, Sie werden lachen und sagen: er fängt schon wieder von der Bibliothek zu reden an. Diese jüdische Nationalbibliothek muß uns für lange Zeit zugleich die Universitätsbibliothek sein. Ohne sie gibt es keine Universitätsforschung. Sie ist ihre Grundlage. Sie ist auch zugleich ein Stück jener Brücke zwischen uns und dem Orient. Wir bedürfen dieser Bibliothek. Sie werden mir sagen, die Bibliothek existiert ja. Chazanowitsch hat sie geschaffen. Was Chazanowitsch geschaffen hat, ist unsterblich. Er hat uns etwas Lebendigjüdisches, etwas Allgemein-kulturelles gegeben. Er hat den Gedanken einer Heimat für die jüdische Seele in der Volksheimat durch die Sammlung seiner literarischen Schätze geschaffen. Aber das ist noch nicht alles. Er hat doch nur mit den Mitteln gearbeitet, die ein einzelner Mensch ohne Unterstützung aufwenden kann. Er hat Alles allein machen müssen. Was wir in Jerusalem in der Bibliothek vorgefunden, ist von ihm. Wenn man betrachtet, was dieser eine Mensch getan hat, so ist es eine ungeheure Leistung. Wenn man aber fragt: was ist für das Volk, für die jüdische Kultur, für die Wissenschaft geschehen, so ist es ein ganz kleiner Anfang. Abgesehen von den vielleicht 35 000 Bänden, die aus Chazanowitschs Sammlungen herrühren, abgesehen von den etwa 35 000 weiteren Bänden, die seit anderthalb Jahren besonders durch meine Bemühungen dazugekommen sind, existiert doch sonst nichts in der Bibliothek. Wir könnten bereits jetzt eine große Bibliothek, könnten in Zukunft einmal die größte Büchersarnmlung haben. Aber selbst das Notwendigste fehlt. Wir haben nicht einmal das nötige Gebäude. Gegenwärtig ist die Nationalbibliothek in einem Hause untergebracht, das der Bnai-Brith-Loge in Jerusalem gehört. Aber es ist bereits so voll, daß man sich hüten mußte, etwa 10 000 medizinische Bücher, die ich hingeschickt habe und die auf meine Veranlassung von anderen Stellen kamen, auszupacken. Trotzdem ist das Gebäude mit Büchern vollgepfropft und vollgestopft, und die Bibliotheksbeamten hönnen sich nicht rühren. Das Haus war für Bibliothekszwecke niemals recht geeignet. Aber es ist da. Man könnte sich seiner weiter mit Nutzen bedienen, wenn es nicht absolut voll wäre. Wenn man es sogar verdoppeln würde, so würde sich der Bücherstand der Bibiothek in zwei Jahren auch verdoppeln, und es reicht wieder nicht aus. Wir müssen zuvörderst die Bibliothek dadurch unter Dach und Fach bringen, daß wir ein Gebäude schaffen, das der Bibliothek würdig ist. Die schwere und verantwortungsvolle Arbeit unseres Freundes, Dr. Hugo Bergmann, dem die schwierige Aufgabe zugefallen ist, an Ort und Stelle die Bibliotheksarbeit zu leiten, bleibt so lange unfruchtbar, als wir kein geeignetes Gebäude haben. Die Institution, die dieses Gebäude baut, wird sich ein unsterbliches Verdienst um das jüdische Volk erwerben. Das wäre eine Großtat. Und ich hoffe, daß ich vom Kongreß nicht weggehen werde, ohne die bestimmte Hoffnung, daß Aussicht vorhanden ist, in diesem Winter schon mit dem Bau dieses Gebäudes zu beginnen. Ich glaube, ich darf damit etwas aussprechen, was nicht ganz unbegründet ist. Wir gebrauchen für das Gebäude einen Grund von zehn Dunam, und ich hoffe, daß der N. F. uns diesen Boden zur Verfügung stellen wird. Dieses Gebäude soll für dreißig bis fünfzig Jahre die Nationalbibliothek aufnehmen und späterhin in die zuerst aus den Dubletten entwickelte Jerusalemer Stadtbibliothek umgewandelt werden. Es wird auch dem Herzl-Museum einen würdigen Raum gewähren und seinem Nachfolger 469