Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 468 (sequence 478)
- Language
- German, English, Hebrew
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arabische Sprache und Kultur eindringen müssen. Denn es wäre verkehrt, den Arabern so gegenüberzustehen, wie die Völker Europas uns gegenüberstehen, die uns bestenfalls etwa Minoritätsrechte geben, statt daß wir begreifen, daß das Recht auf diesem Boden mit ihnen gewachsen ist und daß ihnen dieses Recht des Einheimischen in unserem Lande zukommt. Wir haben auch ein Fremdenrecht, wie andere Völker. Aber während das Fremdenrecht der anderen Völker besagt: Du bist Ausländer, du kannst ausgewiesen werden, und du mußt binnen 24 Stunden das Weite suchen, sagt das jüdische Fremdenrecht: Ein einziges Recht sollt ihr haben, ihr und der Fremde, der unter euch weilt. So ist es uns hundertmal als konstitutionelle Verfassung unseres Volkes anbefohlen worden, daß das Volk, das unter uns lebte, die gleichen Rechte hatte wie wir. Ebenso sind die Rechte der semitischen Araber unter uns mit ihnen geboren. Wir werden sie nicht emanzipieren. Wir wissen, was es heißt, eine erbärmliche Emanzipation zu bekommen und dafür die nationale Seele herzugeben. Wir wollen den Arabern nicht ihre nationale Seele rauben, wir wollen ihnen Verständnis für die hebräische Volksseele beibringen, wie wir ein Verständnis für die arabische Seele haben wollen, die der unsern so nahe verwandt ist. Wenn wir eine Brücke zum Orient schlagen wollen,,können wir sie nicht mit Bajonetten schlagen, sondern die Brücke muß geistiger Natur sein. Sie muß von Herzen zu Herzen gehen. Wir müssen eindringen in die arabische Sprache und Volksseele. Wir haben sehr viele unter uns in Palästina, die arabisch sprechen können. Wir haben sehr sprachtüchtige und gewandte Stammesbrüder, die imstande sind, sich mit den Arabern zu verständigen. Sie verkehren mit ihnen in Handel und Wandel. Wir haben z. B. hervorragende Spezialisten für den Landkauf. Es gehört eine intensive Kenntnis der gewöhnlichen arabischen, der sogenannten Vulgärsprache dazu. Aber damit haben wir noch keine Verbindung mit dem arabischen Geiste. Wollen wir diese, so müssen wir in der Tiefe der Volksseele das kulturelle Arabertum erfassen. Dazu gehört eine gründliche Kenntnis des Arabismus. Wer, wie meine Kollegen, einigermaßen in die arabische Sprache und den Geist der islamischen Kultur eingedrungen ist, weiß, wie abgrundtief der Unterschied zwischen dem wortarmen Arabischen als Vulgärsprache und dem reichen Arabismus der gebildeten Klasse ist, mit der wir die geistige Berührung schaffen müssen. Wir müssen den Arabern nahekommen, geistig und innerlich. Sie müssen begreifen, daß im Judentume und Arabertume so viel Gemeinsames gegenüber allen anderen Völkern lebt, daß wir auf diesem geistigen Wege die Brücke zwischen Arabertum und Judentum über einen künstlich geschaffenen Abgrund hinweg schlagen können, der nicht nötig ist, wenn wir die Natur und Kultur der Sitten- und stammverwandten Araber wirklich studieren. Darum brauchen wir an der Universität in erster Linie neben hebraistischen Studien und naturwissenschaftlichen Fächern genaueste Kenntnis und intensivstes Studium Palästinas, dann des Orients, sodann des Judentums, nicht minder aber des Arabertums und der Sprachen anderer orientalischer Stämme und Kulturen. Das sind die Grundlagen, die wir haben müssen. Wenn wir diese Kenntnis des Orients erreichen wollen, so gebrauchen wir die Universität nicht bloß als Zentralpunkt für den jüdischen Geist in der Galuth. Wenn wir einmal eine Universität haben, werden aus Berlin und aus der Schweiz, aus Lüttich und aus Rußland die Studenten auf ein bis zwei Semester nach Palästina gehen können, und sie werden von dort nicht nur die lebendige hebräische Sprache mitbringen, sondern einen Fonds echten Judentums, durchgeistigt vom Orientalismus. Von da aus wird dann die Hebraisierung der Galuth erfolgen können. Und erst recht brauchen wir die Universität als Zentralstelle der orientalischen Bildung, um eine Brücke zu schlagen über jenen Abgrund, der nicht nötig ist. Denn wir können mit den Arabern gut Freund sein, weil wir stammesverwandt 468