Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 465 (sequence 475)
- Language
- German, English, Hebrew
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Bezug auf die Sprache der Versammlungen, aber wir sind noch lange nicht am Ziele, selbst in Erez Israel und noch weniger im Galuth. Gewiß hat die allgemeine Betonung der jüdischen Kultur ihren Wert. Es ist ja ein großes Verdienst des Zionismus, daß das Judentum für viele nicht mehr eine einbalsamierte Mumie ist, daß es nicht mehr für große Kreise die sog. Unglücksmumie ist, mit der keiner in Berührung kommen wollte, sondern daß das Judentum Leben erhalten hat. Aber das allgemeine Emporblühen ist nicht genug, es ist nicht spezifisch-zionistisch. Das Spezifisch-Zionistische ist das Betonen des Hebräischen. Der Hebraismus ist das Charakteristische in der Kulturforderung der Zionisten, daß die hebräische Sprache im Gotteshause und im Familienhause, im Palast wie in der Hütte, bei den Frommen wie bei den Aufgeklärten eine lebendige Sprache werde, eine Sprache, die das Wesen des jüdischen Volkes in seiner Ruhe und Kraft zum Ausdruck bringt. Das ist das größte Ziel und es muß auch fernerhin seitens der Zionistischen Organisation jede Bestrebung, die auf die Ausbreitung der Kenntnis der hebräischen Sprache, auf die Lebendigmachung des jüdischen Wortes hinzielt, gefördert werden. Das ist auch die beste Art der Propaganda. Dr. L e v i n hat in der Kulturdebatte hauptsächlich die Frage der Propaganda behandelt. Gewiß, wir sind noch lange nicht stark genug, um auf die Propaganda verzichten zu können. Propaganda muß nach wie vor unsere Parole sein, aber nicht, wie er es haben will, eine diktierte Propaganda, eine genau bestimmte, begrenzte und beengte Propaganda, eine von oben herab festgestellte Propaganda. Gerade die Tatsache, daß der Zionismus sich entwickelt, daß er alle Schichten des jüdischen Volkes ergreift, der Umstand, daß der Zionismus aufhört, eine Parteisache zu sein, und eine Volkssache wird, macht es notwendig, daß die Propaganda in verschiedener Weise geführt werden muß. So wie wir hier eine Rechte und eine Linke haben, wie wir hier Gruppen finden, die mehr das Orthodox-Religiöse betonen und andere, die den zionistischen Gedanken mit sozialistischen Theorien verknüpfen, so ist auch die Theorie des Zionismus eine verschiedene. Ich bin freilich dafür, daß sich auch die allgemeinen Zionisten organisieren und stehe durchaus nicht auf dem Standpunkte, daß wir nur einen Zionismus mit Bindestrich haben sollen. Aber es wird doch jeder zugeben, daß es auch einen Zionismus mit Bindestrichen gibt, es gibt viele Nuancierungen und Abstufungen und es ist daher nicht denkbar, daß es eine einheitliche Form der Propaganda geben kann. Es geht nicht an, daß wir uns auf den Standpunkt Entweder-Oder stellen und daß wir jeden, der nicht nur das Baseler Programm — dieses ist ja das Entree-Billet in den Zionismus — sondern unser ganzes Programm, alle unsere nationalen Forderungen erfaßt und zu den seinen macht, draußen stehen lassen. Sie kennen alle den großen Gegensatz zwischen Schamai und Hillel in Bezug auf diejenigen, die in das Judentum eintreten wollten. Beide Standpunkte sind berechtigt. Schamai wollte denjenigen, der nicht das ganze Judentum, das ganze Gebäude des Judentums zu würdigen weiß, nicht aufnehmen. Er wollte ein ganzes, ein volles Judentum, wie wir es immer betonen, ein Judentum, welches religiös, national und kulturell in jeder Beziehung zur Geltung gelangt. Andererseits hat es Hillel, der große Erzieher und Propagandist, verstanden, daß man das Judentum auch auf einzelne Grundsätze bringen kann und daß man denjenigen, der eintreten will, nur fragen muß, ob er das Grundprinzip anerkennt. Wenn er einmal drinnen ist, wird er das weitere schon erfassen. Gewiß, wir können nicht alle diejenigen, die, ohne daß sie von dem zionistischen Gedanken durchdrungen sind, ohne daß ihre Seele zionistisch ist, sofort eine Führerrolle haben wollen, im Gesamtgebäude des Judentums nud Zionismus als Meister anerkennen. Aber andererseits müssen wir, wenn wir propagandistisch wirken wollen, diesen Kreisen klar machen, daß sie nicht sofort in das 30 465