Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 466

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 466 (sequence 476)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476278--4766-3480910
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Allerheiligste des jüdischen Wesens eintreten können, bevor sie sich vorbereitet haben. Ich finde daher, daß die Anregung, Propagandaschulen zu bilden, in einem gewissen Sinne zwar ihre Berechtigung hat, daß man dort die Männer vorbereitet und sie in die Hallen der jüdischen Geschichte einführen kann, aber eine Propaganda, die alles in spanische Stiefel einzwängen will, die, wie Dr. Levin es meinte, sofort und von vornherein bestimmen soll, wie man den Zionismus aufzufassen hat, kann nicht zum Segen gereichen. Ein Zionismus, den man so offiziell begründen will, geht zugrunde und kann nicht alle anziehen. Aufgabe der Propagandisten ist es, denjenigen, der heute unser Feind ist, zum Freund, den Freund zum Anhänger zu machen und die Anhänger sich in die zionistische Doktrin so vertiefen zu lassen, daß sie es voll und ganz sind. Daß wir von vornherein mit dem Entweder-Oder-Standpunkt beginnen und alle entfernen, die nicht ganz auf unserem Standpunkte stehen, das wirkt gegen das Interesse der Verbreitung und Vertiefung der Kenntnisse und Erkenntnisse in Bezug auf das Judentum und den Zionismus. Geehrter Kongreß! Wenn uns auch in erster Reihe das Erziehungswerk in Palästina interessiert, so ist es andererseits selbstverständlich, daß wir auch schon in der Diaspora eine Beeinflussung Palästinas vorzubereiten haben, und darum muß die kulturelle Seite der zionistischen Bewegung auch in der Diaspora weiter gepflegt werden, wenn ich auch nicht der Ansicht bin, daß man von Palästina aus oder von der zionistischen Leitung aus etwa irgendwelche Verordnungen und Bestimmungen erlassen kann, die für die Juden aller Länder Geltung haben könnten. Ich glaube, daß man unter allen Umständen viel von der Erstarkung der hebräischen Literatur in Palästina zu erwarten hat. Die bloße Tatsache, daß man den Universitätsgedanken pflegt, daß man ein Komitee dafür gebildet und den Grundstein gelegt hat, die bloße Tatsache, daß dieser Universitätsgedanke vorhanden ist, hat Großes gewirkt. Auch der Gedanke der Schaffung einer Zentralbibliothek in Palästina verdient es, seitens der Juden in der ganzen Welt verwirklicht zu werden. Das wirkt immer erzieherisch. Ebenso verhält es sich mit der Idee eines Museums in Palästina. Das ist ein Gedanke, den wir alle fördern sollen. Es sollten alle jüdischen Künstler ihre Meisterwerke in dieses Museum geben. Gerade, weil man uns Juden für minderwertig in der Kunst hält, müßte man dieses Museum zur Entwicklung und Blüte bringen. Dasselbe müßte in der ganzen Welt Unterstützung finden. Für mich ist auch Kunst Religion, aber selbstverständlich ist positive Religion gewiß Religion. Wir haben, als Dr. Daiches davon sprach, daß wir frei und heilig sein sollen, von beiden Seiten richtige Bemerkungen gehört. Die einen sagten, frei ist heilig und die anderen meinten, heilig ist frei. Beides ist wahr und nur wenn wir beides verbinden, wenn wir frei und heilig zugleich den Zionismus auffassen, oder, um einen Ausdruck zu gebrauchen, den ein jüdischer Dichter und Denker gebraucht hat, wenn wir treu und frei sind, treu der Vergangenheit und frei in Bezug auf unsere Zukunft, wenn wir bei aller Freiheit in politischer Beziehung den Kulturgütern des Judentums treu bleiben, wenn wir wirklich jüdische Kultur haben, eine Kultur, die die Grundlage in Palästina bildet und die die Judenheit der ganzen Welt fördern kann, dann befinden wir uns auf dem rechten Wege. Denn immer wahr bleibt die Parole des Propheten: Aus Zion kommt die Thora und das Gottes wort aus. Jerusalem. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Berlin: Das Wort hat Herr Dr. T h o n. Delegierter Dr. Osias Thon (Polen, hebräisch): Die Erziehung ist jetzt unsere zentrale Frage. Sie kennen alle den Kampf, der zwischen einem Teil der amerikanischen und europäischen 466

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.