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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 459

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 459 (sequence 469)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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und da hatten wir den Sprachenkampf. Zuerst war es die Sprache, dann das Land. Wozu brauchen wir das Land, wir brauchen ein Land! Hätten wir damals den Wechsel unterschrieben, daß wir Uganda akzeptieren, dann hätte man uns heute Palästina nicht gegeben. Die dritte Krise, in der wir jetzt stehen, ist ebenso schwer: da wird nicht die Sprache und das Land, da wird unser Volk angegriffen. Man hat ein Volk mit Tradition, mit nationalem Bewußtsein nicht nötig. Dagegen gibt es als Mittel nur die Propaganda. Der Zionismus soll nicht verbreitert, sondern vertieft werden. Wenn er in die Tiefe geht, so kann ich Sie versichern, daß die Edelsten und Besten der Nation zu uns kommen werden. In manchen Ländern haben wir darin schon beträchtliche Fortschritte gemacht, z. B. in Deutschland, und ich konstatiere mit Freude, daß die beste deutsche jüdische Jugend mit uns gegangen ist. Ebenso wird es in Amerika sein und ebenso in der ganzen Welt. Noch auf eine Sache mache ich Sie aufmerksam. Bei der propagandistischen Tätigkeit haben wir Europa und Amerika berücksichtigt. Wir haben aber ein Land außer acht gelassen, und das ist Palästina. Die Palästinenser sollen es mir nicht übel nehmen, wenn ich Palästina, wie es jetzt besteht, in die Goluthländer einschließe. Man muß dort noch viel Propaganda betreiben. Die Palästinenser sollen nicht kommen und uns erzählen, „wir sind schon die jüdische Nation, wir kümmern uns nicht um die ganze Welt.4' Eine solche Anschauung müssen wir bekämpfen. Wir hätten vielleicht in Palästina die beste Schule für die propagandistische Wissenschaft. Dieser Name mag groß klingen; aber Sie wissen ja , daß man bis jetzt Lehrstühle für Geschichte hatte, für alte Geschichte, Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit. Für die fließende Geschichte, für das letzte Kapitel, hatte man keinen Lehrstuhl. Jeder Baal-bojiß gibt darüber sein Urteil ab, obwohl er gar nicht imstande ist, die lebendige Geschichte zu betrachten. In Berlin und Leipzig gründet man jetzt Lehrstühle für die Geschiche der letzten Epoche; das ist vernünftig. Wir haben im Zionismus genug Stoff, um ein paar solcher Lehrstühle zu besetzen. Mich interessiert die lebendige Epoche zunächst deshalb, weil der Zionismus mit dem traditionellen Judentum — die Misrachim werden schon entschuldigen — vielleicht in tieferem Sinne verbunden ist. Ich würde wünschen, daß die Träger der Thora sich zum Stand der ersten Tanaim erheben würden, dann würden sie sehen, wie weit der Zionismus mit der Tradition verbunden ist. Ferner will ich nicht, daß man meint, daß die Vergangenheit einen besonderen Charakter habe und die Neuzeit auch. Das ist historisch unrichtig. Man kann den Zionismus nicht begreifen, wenn man nicht die ganze Geschichte begreift. Darum Propaganda! Die Bezeichnung „Agitation" würde ich glattweg verwerfen, das ist kein schöner Name. Wenn Sie einen Menschen „Agitator'4 nennen, so erweisen Sie ihm keine besondere Ehre, aber der Propagandist soll heilig sein und dazu muß man die Besten nehmen. In Palästina hätte ich gern eine solche Schule gesehen, wo die verschiedenen Disziplinen des Zionismus behandelt werden. Dann werden Sie sehen, 459

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