Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 458 (sequence 468)
- Language
- German, English, Hebrew
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kaufmännischen Maßstab anlegen und fragen, ob es sich verzinst oder nicht. Die Zeit vergeht und wir verlieren sehr viel Zeit. Das aber ist schlimmer als Geldverlust. Ich kann momentan keine konkreten Vorschläge machen, wie man die hebräische Literatur ausbaut, obgleich ich finde, daß das Pflicht der Zionistischen Organisation wäre. Aber zu den ersten zwei Punkten möchte ich konkrete Vorschläge machen und Forderungen an den Kongreß stellen. Der Kongreß mag dann entscheiden. Vielleicht ist es nicht notwendig, daß man in der zionistischen Exekutive ein eigenes Ressort für Propaganda schafft. Ich glaube auch kaum, daß man sich dazu entschließen wird, aber von dem Aktionskomitee verlange ich, daß es die Propaganda strenger in seine Hand nimmt als bisher. Ferner mache ich den Vorschlag, man möge eine Kommission wählen und soll die besten Repräsentanten des jüdischen Geistes einladen, sich an ihren Arbeiten zu beteiligen, und einen Plan auszuarbeiten, wie wir die erste wissenschaftliche zionistische Schule einrichten. Schon vor vielen Jahren habe ich in Amerika vorgeschlagen, dort eine solche Schule zu schaffen. Ohne einen Fonds an Wissen und wissenschaftlicher Bildung kann man den Zionismus nicht predigen. Denn viele gebildete Menschen stellen auf Schritt und Tritt Fragen, und man muß ausgerüstet sein mit Kenntnissen auf dem Gebiete des nationalen Kampfes und des Nationalismus. In einer solchen Schule könnten sich viele Kräfte vereinigen. Aber um eines möchte ich bitten: Religiöse Fragen sollten in der Schule ausgeschlosen bleiben, denn ihre Behandlung kann nur zur Zersplitterung führen. Wir haben genug allgemeine Gebiete, wo wir alle zusammenarbeiten können. Aber mit der Propaganda-Schule ist die Aufgabe nicht erschöpft. Wir müssen ferner ein Komitee einsetzen, welches die Aufgabe hat, die Propagandisten, die nach Hunderten zählen, mit Material und Referaten zu versehen. Das kann leicht gemacht werden, wenn wir gute Leute haben, die das ausarbeiten. Nachher kann es jeder Redner nach seinem Geschmack umändern, aber die Grundlinien werden gegeben sein. Ich sage: es ist jetzt höchste Zeit, weil ich die Empfindung habe, daß wir jetzt die letzte Krise im Zionismus durchmachen. Die Krise! Entschuldigen Sie den herben Ausdruck. Wir haben bereits zwei Krisen überstanden und sind als Sieger hervorgegangen und jetzt stehen wir in der dritten. Wir werden angegriffen — und ich will keine Namen nennen, da ich es nur mit Ideen zu tun habe — von der mechanischen Weltanschauung. Das ist nicht neu; das ist derselbe Kampf wie der alte Kampf des Goldes, er hat noch nicht aufgehört. Die mechanische Weltanschauung kommt und sagt: lasset ab von jeder Philosophie; wir werden Palästina mit materiellen Kräften errichten. Zwischen der mechanischen und der schöpferischen oder biologischen Kraft besteht folgender Unterschied: Der Mechanismus hat mit keinem historischen Programm zu tun; für den biologischen Gedanken brauchen wir unsere Sprache, für den mechanischen brauchen wir nur „eine" Sprache, 458