Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 457 (sequence 467)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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oder sich irgendwo in Berlin einleben müssen — ich versichere Ihnen, sie fühlen sich dort auf fremdem Boden —, wenn wir diese Kräfte nicht sammeln, ihnen keine Beschäftigung geben und ihre Kräfte nicht ausnützen. Wir müssen es tun, es ist noch Zeit. Wir müssen ein Komitee bilden unter der Aegide der zionistischen Leitung, daß sich mit der Frage beschäftigen soll, wie man das jüdische Volk geistig befruchten kann. Befruchten kann man es nur mit neuen Ideen. Im Leben sind die Ideen latent vorhanden, wir haben sie nur noch nicht formuliert. Nehmen Sie die jüdische Presse in der ganzen Welt, vor allem die jiddische Presse Amerikas, wie sie für unsere Sache gearbeitet hat. Wie ist das gekommen? Haben Weizmann, Levin und die anderen die jüdische Presse bestochen? Ich kann Sie versichern, kein Pfennig wurde gezahlt. In der Presse spiegelt sich der Geist, der jetzt in den jüdischen Massen herrscht. Dieser Geist wird aber nicht angespannt, nicht konzentriert, weil uns die geistigen Mittel fehlen. Die unangespannte Kraft wird vergeudet. Sie werden Ebbe und Flut haben in der zionistischen Bewegung, solange Sie nicht die Propaganda auf gesunder Grundlage organisieren. Auch die mündliche Propaganda. Wir müssen ein Komitee haben, das die Sache überwacht und diesem müssen auch die Mittel zur Verfügung gestellt werden. Was die mündliche Propaganda betrifft — man kann jetzt nicht billig Propaganda machen, — so muß sie in verschiedene Disziplinen eingeteilt werden. Schaffen Sie eine Schule der Propaganda! Das Wort Propaganda ist vielleicht billig, suchen Sie einen anderen Namen! Stellen Sie Lehrer an, damit man die Sache wissenschaftlich betreibt. Man muß doch von der wissenschaftlichen Begründung des Nationalismus eine Ahnung haben. Wissen Sie, daß wir auf diesem Gebiete sehr wenig geleistet haben? Wir haben nur ein paar alte bedeutende Wissenschaftler, die auf diesem Gebiete gearbeitet haben. Noch immer müssen wir gegen dieselben falschen Ideen hinsichtlich des Nationalismus kämpfen wie vor dreißig Jahren. Besonders der Krieg hat Verwirrung in die Köpfe gebracht. Man muß auch die ökonomische und kulturelle Seite Palästinas kennen; vor allem aber darf sich die Zionistische Organisation, wenn von Propaganda die Rede ist, nicht auf zu enge Gebiete beschränken. Tragen Sie doch Sorge für die Entwicklung der hebräischen Literatur vom zionistischen Standpunkte! Für mich ist dies ein Ziel, für viele mag es nur ein Mittel sein, aber jedenfalls gibt es kein besseres Mittel in der Welt. Ueberall in der Welt macht man die Erfahrung: wo Sie noch einige jüdisch Gebildete, Maskilim, haben, wird die Arbeit erleichtert, wo Sie keine haben, ist die Durchführung der propagandistischen Arbeit sehr schwer. Die hebräische Sprache gehört in den Bereich der zionistischen Propaganda. Wie es gemacht werden soll, ist eine andere Frage. Ich glaube, Jerusalem muß auch literarisch das Zentrum der ganzen jüdischen Welt werden, wie es Leipzig für die deutsche ist. Wir sollten in Palästina Druckereien haben, wir sollten unsere Gelehrten hinschicken und ihre Bücher dort drucken. Fragen Sie nicht nach den Kosten! Man kann nicht an jedes Ding den kleinlichen 457