Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 456 (sequence 466)
- Language
- German, English, Hebrew
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Geld umsonst. Geld ist etwas Kostbares — mit Recht oder mit Unrecht. Was geben Sie denn dem Manne dafür, geben Sie ihm Ware? Sie erzählen ihm, man kann in Palästina 6 % verdienen, und in der Wallstreet kann er mehr verdienen. Sie müssen ihm etwas geben, was unschätzbar ist. Wenn Sie ihm die Stunde der inneren Befriedigung nicht geben, wird er nie seine Taschen öffnen und keinen Groschen hergeben. Aber das gilt nicht nur von diesem gewissermaßen finanzpolitischen Standpunkte aus. Wir müssen auch etwas haben, womit wir zur Jugend kommen. Sie glauben, die jüdische Welt ist erobert, wenn man von Keren Hajessod und vom Maasser spricht. Ich glaube, vom jüdischen Volk haben wir noch keinen Maasser. Wir haben noch nicht das Zehntel des gesamten jüdischen Volkes auf unserer Seite. Wenn wir die Juden gewinnen wollen, können wir zu ihnen nicht mehr mit der billigen Art der Propaganda kommen, wie in den letzten Jahren. Die Juden sind nicht so naiv oder unwissend, wie sie aussehen. Sie verlangen, daß ihnen die Zionisten etwas geben. Wo die Juden wirklich wirksam bearbeitet werden sollen, da bedarf es großer Anstrengung und Schaffenskraft. Wir haben aber zu wenig Leute. Wir haben nicht nur zu wenig Fachleute auf den wichtigsten Gebieten, sondern wir haben fast überhaupt keine Leute. Vor Ihnen steht ein Mann, der sein ganzes Leben in diesem Berufe zugebracht hat, und ich gestehe Ihnen: Manchmal komme ich mir vor wie ein trockener Brunnen. Ich muß aus meinem tiefsten Innern Tropfen hervorholen, mit denen ich schon vor zwanzig Jahren den Durst gestillt habe. Meine Herren! Wir tun nichts, wir organisieren die geistigen Kräfte des Judentums nicht. Ich hätte Sie gern nach Canada geführt. Der Kongreß weiß nicht, was dort geschehen ist. Ich hätte Ihnen gewünscht, diesen großen Akt des Erwachens mitzuerleben. Dort leben 140 000 Juden. Trotz größter Anstrengung haben sie nur 200 000 Dollar im Jahr geben können. Man ist zu ihnen mit einer Idee im Rohzustande gekommen. Was war unser Aktivposten? Wir sind nicht gekommen mit fertigen Kolonien und tausenden von Chaluzim, sondern mit Pogromen in Jerusalem und Jaffa. Das war unser Kapital. Und es wird einst eine Zeit kommen, wo man sagen wird: auch mit Pogromen konnte man die Juden für unsere Sache gewinnen. Canada hat sich verpflichtet, jährlich eine Million für den Keren Hajessod zu geben, 6 Dollar und einige Cents pro Kopf. Ferner: Man ist nach Amerika gekommen und hat die Juden ergriffen. Sie werden sagen, wir haben die besten Kräfte geschickt. Gut, sie sollen wieder hingehen. Ich habe die Kraft der Männer bewundert, die nach Amerika gekommen sind. Wenn es uns gelingt, die Kräfte der Juden zu organisieren und sie der jüdischen Aufgabe dienstbar zu machen, dann können wir Wunder verrichten. Wenn wir das aber vernachlässigen — über das Gegenteil will ich nicht sprechen, ich habe Angst davor. Deswegen möchte ich Ihnen vorschlagen, daß wenigstens die schriftlichePropaganda die Zionistische Organisation, die Leitung in ihre Hand nehme. Es ist die größte Vergeudung des nationalen Vermögens, wenn wir dulden, daß unsere Besten nach Amerika auswandern 456