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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 455

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 455 (sequence 465)
Language
German, English, Hebrew
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Neophyten machen. Wenn Sie aber den Zionismus ideell schwächen werden, so werden vielleicht im ersten Jahre mehr Schekelzahler sein, aber Sie werden dabei schließlich nichts verdienen. Sie wollen den Zaun zerbrechen, damit jeder hineingehen kann. Haben wir denn das Recht dazu? Haben wir denn den Gedanken des Zionismus auf der Straße gefunden? Ist er nicht die Synthese des ganzen Judentums? In die Breite wollte man vor 2000 Jahren das Judentum haben, aber in der Tiefe sind w i r geblieben. Wenn Sie Palästina nehmen, nicht nur unsere Lehre, Geschichte und Tradition, wenn Sie das Land nehmen, so sehen Sie, daß Palästina klein ist, kleiner als der kleinste Staat der Vereinigten Staaten. Vergleichen Sie den Jordan mit dem Rhein oder mit dem Hudson River; der See Kinereth ist kleiner als ein See in der Schweiz, aber alles liegt in der Tiefe. In Breite wird das Land mit anderen nicht konkurrieren. Das ist für uns ein Symbol: Nicht Breite, sondern Tiefe. Das sind die Richtlinien, die in unserer Propaganda als grundlegend betrachtet werden sollen. Die Propaganda ist die einzige Waffe, die uns gehört, wir sind unabhängig in der Benutzung dieser Waffe und doch steht sie bei uns unbenutzt in Hintergrunde. Das muß anders werden. Unsere Propaganda muß in ein System gebracht werden. Deswegen möchte ich vorschlagen, der Kongreß möge eine Kommission hierfür einsetzen, damit die Grundlagen des Zionismus nicht so offen sind für allerlei Deutungen. Es wird schwer sein, aber wir werden den gemeinsamen Faden finden, der uns als Leitfaden dienen soll; ich glaube, daß die Rechten und die Linken einen Modus der Zusammenarbeit finden werden. Nur sollen wir nicht sagen: wir haben das Basler Programm und weiter bin ich zu keiner Sache verpflichtet; sogar im Basler Programm ist die Rede vom Nationalismus. Ich kann mich erinnern, es war, glaube ich, im vierten Jahre des Krieges. Da war ich zufällig in Amerika und wir hatten nur eine geringe Ahnung von dem Los und Leben unserer Brüder in Rußland. Da bekamen wir das Buch Kneseth, das von Bialik herausgegeben war. Darin war ein Aufsatz „Halacha und Agada h", der war für uns wie eine Offenbarung. Ich will hoffen, daß viele von Ihnen diesen Artikel gelesen haben. Ich glaube, darin ist der grundlegende Gedanke für den Zionismus als Lehre enthalten. Bialik hat uns hier einen Gedanken gegeben, der als Leitfaden auch für unser Problem dienen kann. Auch im Zionismus leben wir uns bis auf den heutigen Tag nur agadistisch aus, wir brauchen jetzt die Halacha, die festen Formen der Lehre. Bialik hat uns in diesem Artikel sehr viel gegeben. Ich würde solche Geister wie Bialik und die andern, die uns aus alten Quellen etwas Neues geben, organisieren, damit sie für die Formulierung des zionistischen Gedankens und für die Forderung, die wir an jeden Zionisten zu stellen haben, etwas ausarbeiten. Aber das gilt bisher bei uns als Nebensache. Ich habe einmal gefragt: Gut, Sie werden die beste Exekutive haben, Sie werden die besten Fachmänner haben. Sie werden wissen, wie man das Geld ausgibt; man muß aber doch zum jüdischen Volke gehen, das das Geld geben soll. Niemand gibt 455

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