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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 454

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 454 (sequence 464)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Direktiven sollten aus der Zentrale herausgegeben werden und das ganze Gebiet sollte nicht so herrenlos sein. Auf keinem anderen Gebiet würde man sich diese Systemlosigkeit erlauben. Wenn Sie einen Buchführer haben wollen, so werden Sie einen Fachmann suchen, und wenn Sie dadurch 10 Pfund sparen können, so werden Sie einen besseren Fachmann anstellen. Nur in Bezug auf die Propaganda haben wir keine Regel. Ebenso wie jeder Schochet sein kann, kann jeder Propagandist sein! (Heiterkeit.) Er wird von niemandem kontrolliert, er kann seine eigene Meinung haben. So kann es nicht weiter gehen. Ich will e i n Beispiel nehmen und Sie warnen. Die Frage der Oeffnung der Zionistischen Organisation für die verschiedenen Schichten der Judenheit ist nicht nur am Kongresse aufgeworfen worden, sie wird in jedem Lande und in jeder Stadt aufgeworfen, und da die Menschen nicht einen einheitlichen Begriff haben von der erhabenen Idee, so bilden sie sich die Begriffe selbst und so glaubt man, man werde es besser machen. Wenn wir das Tor öffnen, so kommt jeder hinein und wir gewinnen alle Juden — so scheint es wenigstens. Aber ich möchte Sie auf eine historische Reminiszenz aufmerksam machen. In der jüdischen Geschichte liegt ein Moment weit hinter uns, der beinahe mit der Zerstörung unserer Selbständigkeit zusammenfällt. Damals gingen Apostel zu den Völkern und diese ersten Apostel waren keine Abtrünnigen, sondern Juden. Aber sie haben gesagt: das Judentum ist zu streng, wir wollen das Tor öffnen; und so haben sie das Judentum verwässert. Die Welt ist nicht zum Judentum gekommen, aber es ist etwas entstanden, was mit dem Judentum nichts zu tun hat und bei jeder Gelegenheit gegen das Judentum auftritt. Ihnen wird scheinen, daß sich das auf religiösem Gebiete abgespielt hat, während wir es mit dem politischen Gebiete zu tun haben. Aber wo ist die Grenze zwischen politischer und religiöser Bewegung? Wenn ich bei uns von einer religiösen Bewegung spreche, so tue ich das nicht, um den Misrachi ein Kompliment zu machen, sondern ich glaube, wenn der zionistische Gedanke keine religiösen Grundlagen hat, so werden wir nie Erfolg haben. (Lebhafter Beifall rechts.) Ich wundere mich, daß nur eine Seite applaudiert; ich glaube, dieses tiefe Gefühl wurzelt ebenso auf der anderen Seite, wenn man es auch mit einem anderen Namen bekleidet. Da kommen nun diese Apostel und geben uns einen guten Rat: Machen Sie doch die Tür auf! Es kann sein, daß, wenn wir den Zionismus verwässern, viele zu uns kommen werden. Glauben Sie nicht, daß wir VerWässerung nicht zu fürchten haben! Vergessen Sie nicht, daß Paul, bevor er Paul war, S c h a u 1 hieß, und doch ist er ein anderer geworden. Mit dem Verwässerungssystem kann man nichts ausrichten. Man hat mich beschuldigt, ich hätte gesagt, man könnte die Juden gewinnen, wenn man Konzessionen macht. Das ist nicht richtig. Denn den Zionismus verwässern, heißt, für eine billigere Ware einen höheren Preis fordern. Der Zionismus kann nie in der Breite liegen. Wenn Sie eine abgerundete Weltanschauung haben werden und jeder Zionist durch diese Weltanschauung zu bestimmten Handlungen gezwungen ist, dann werden Sie 454

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