Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 453 (sequence 463)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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tschechischen Volkes, das seine Auferstehung der kulturellen Tätigkeit seiner Führer zu verdanken hat. Prof. Masaryk, der Präsident der neuen Republik, war der Vorkämpfer dieser Bewegung; seine Arbeit und die Arbeit der mit ihm verbundenen nationalen Partei hat Früchte getragen und sein Volk befreit. So ist es auch jedem anderen Volke ergangen. Umsomehr müssen w i r mit dem kulturellen Moment rechnen. Die kulturelle Arbeit und das Erziehungswesen hat uns die Möglichkeit gegeben, uns während des ganzen Gallith zu erhalten, und diese Arbeit wird uns viel Hilfe leisten in unserem Kampfe für die Wiederbelebung unseres Volkes. (Beifall.) Präsident Sokolow: Das Wort hat Herr Dr. Schmarja Levin. Delegierter Dr. Schmarja Levin (Amerika): Verehrter Kongreß! Ich will hier eine der wichtigsten Fragen berühren, soweit dies in der kurzen Zeit von einer halben Stunde ungefähr möglich ist, die Frage, die vielleicht die wichtigste in unserer Bewegung ist, das ist die Frage der Propaganda. Wenn ich die zionistische Bewegung betrachte und nicht nur diese, sondern auch die Zionistische Organisation, und wenn ich mir die Frage stelle, wo der Schwerpunkt unserer Kraft liegt, mit der wir die Juden beeinflussen wollen, so komme ich zu dem Schlüsse, daß wir nur eine einzige Waffe haben. Wir müssen die Tatsache konstatieren, daß wir nicht imstande sind, die Juden zwangsweise zu besteuern, und solange man dies nicht tun kann, muß man an sie appellieren, und Appellieren heißt Propaganda treiben. Dieses Gebiet wird aber völlig vernachlässigt. Auf anderen Gebieten der zionistischen Aktivität haben wir doch manchen Fortschritt zu verzeichnen: Wir sind z. B. ökonomisch gebildet worden, d. h. wir haben heute viel mehr Fachmänner auf ökonomischem Gebiete als vor 8 und 10 Jahren. Aber das Gebiet der Propaganda haben wir im Urzustände gelassen, sie sieht heute noch aus, wie sie am Beginne der Zionistischen Organisation ausgesehen hat. Das darf nicht weiter so bleiben. Denn ich sage Ihnen ganz offen: alles hängt von der Propaganda ab, die in den nächsten Jahren geführt werden wird. Sie wird über Erfolg oder Mißerfolg unserer Sache entscheiden. Vergessen Sie nicht, daß Sie auf der Londoner Konferenz eine andere Losung gehört haben; dort sagte man, wir sind hinausgekommen über das Stadium der Propaganda, die jüdische Welt ist bekehrt. Das beruht auf einem kolossalen Mißverständnis. Die jüdische Welt ist nicht bekehrt; ja noch mehr, sie läßt sich wieder bekehren, wenn andere die Propaganda besorgen. Darum müssen wir diesem .wichtigen Punkt unsere Aufmerksamkeit zuwenden. Unsere Propaganda" muß eine mündliche und schriftliche sein, und die Zionistische Exekutive hat die Pflicht, die Propaganda zu kontrollieren. Man kann nicht Propagandisten von der Zentrale überallhin schicken, man kann ihnen nicht sagen, wie sie die öffentliche Meinung beeinflussen sollen, aber 453