Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 450 (sequence 460)
- Language
- German, English, Hebrew
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der Sprache geben. Durch Vermittlung der kleinen Kinder drang die hebräische Sprache in die Familie ein. Die Mütter lauschten den Kindern und lernten von ihnen. In den Kindergärten lernen jetzt ungefähr 17 % aller unserer Kinder. Die Ausgaben betragen 20 % des gesamten Erziehungsbudgets. Unsere Volksschulen sind nach dem Muster der westeuropäischen modernen Volksschulen aufgebaut. Der wichtigste Unterschied besteht darin, daß wir der hebräischen Sprache und deren Literatur, der jüdischen Geschichte und der Palästinakunde den Raum im Programm zuweisen, den die nationale Sprache, Geschichte und Heimat in den Unterrichtsprogrammen anderer Völker einnehmen. Die allgemeinen Fächer werden in Verbindung mit den jüdischen, sowie mit den Landesverhältnissen gelehrt. In Bezug auf Religion sind unter unseren Schulen zwei Typen zu unterscheiden: allgemeine und religiöse Schulen. In den letzteren wird den religiösen Fächern mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Vom vierten Schuljahre an wird viel Talmud gelehrt. In jeder Klasse werden diesem Gegenstande wöchentlich bis 10 Stunden gewidmet. In den allgemeinen Schulen steht die Bibel im Zentrum des Unterrichts. In den Volksschulen kommt noch Mischna und Aggada hinzu, in den Mittelschulen auch Talmud. Auch die allgemeinen Schulen haben eine positive Stellung zur Religion, aber die Lehrer beschäftigen sich nicht mit den praktischen religiösen Geboten. Das wird den Eltern überlassen, während in den religiösen Schulen die praktischen religiösen Gebote einen großen Platz einnehmen. Viel Sorge hat uns der Mangel an erfahrenen Lehrern, die die Landesbedingungen kennen, bereitet. Besonders machte sich dieser Mangel in den religiösen Schulen bemerkbar. Deshalb waren wir genötigt, Lehrerseminare zu gründen. In diesem Jahre haben wir auch ein religiöses Lehrerseminar eröffnet. In unserer aufbauenden Kulturarbeit können wir uns jedoch nicht mit den Schulen begnügen. Die nationale und politische Notwendigkeit der hebräischen Sprache zwingt uns immer mehr, unsere Arbeit unter den Erwachsenen im Lande auszudehnen. Indessen hat diese Sache nicht die nötige Beachtung seitens der Zionistischen Organisation gefunden. Einiges wurde auf Initiative der Lehrer begonnen. Die Lehrer gaben unentgeltlich Stunden in den Kursen für Erwachsene. Das genügt aber nicht. Wir müssen Mittel finden, um diese Arbeit auszubauen. Besonders wichtig ist für uns die Arbeit angesichts der wachsenden Alijah. Die Einwanderer sind vielsprachig, und wenn sie auch keine Gefahr für die hebräische Sprache sein können, so schwächen sie doch damit unsere nationale Stellung. Jede lebendige Sache fordert Verbesserung. Unsere Arbeit leidet an vielen Mängeln. Wir haben keine passenden Schulhäuser. Uns fehlen Lehrbücher, Lehrmittel, Schulbibliotheken. Auch die 450