Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 457)
- Language
- German, English, Hebrew
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ist dieses nicht unmöglich. Juden können Landarbeiter, Kohlenarbeiter, Metallarbeiter und dgl. werden. Dies ist nur eine Frage der planmäßigen national-jüdischen Tätigkeit. Das hat glänzend bewiesen das „Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands". Mit minimalen Mitteln, aber mit Vorsicht, mit politischem Scharfblick ist es gelungen die Hilfe der Gewerkschaften zu gewinnen, um tausende ziellos umherirrende Juden den produktiven Berufen zuzuführen. Die Lage ist so katastrophal geworden, daß der Sekretär der Zionistischen Organisation, Herr Land man, Europa bereisen mußte, um de Methoden festzustellen, wonach die Auswanderer ausgewählt werden sollen. Er fand für notwendig vorzuschlagen: 1. Einen Modus zur Auswahl der passenden Auswanderer nach Palästina, 2. eine Sammelstelle für die Emigranten, 3. Konzentrationslager für Unerwünschte, 4. die Anwendung einer weiteren Auslegung der Einwanderungsbestimmungen nach Palästina. Das Resultat war die Konferenz der Palästina-Aemter in Mährisch- Ostrau vom 14. bis zum 17. Oktober 1920. Es sind dort wichtige Beschlüsse gefaßt worden, aber wiederum hat man das Wichtigste vergessen, nämlich die Ermöglichung des Ueberganges von jüdischen Luftmenschen zum produktiven Arbeiter. Man müßte die Palästina-Aemter verwandeln in Vorbereitungsämter der Chaluzim für Palästina. Ich schlage daher vor: 1. Der Kongreß möge die zionistische Presse anweisen, eine breite und systematische Aufklärungskampagne zu führen über das Wesen des jüdischen Wirtschaftslebens und über die bevorstehende Aufgabe, das jüdische Leben auf produktiver Grundlage umzubauen. 2. Jedes Palästina-Amt soll ein Arbeitsamt nach dem Muster des jüdischen Arbeitsamtes in Deutschland gründen, dessen Aufgabe, die Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten auf dem Lande und in Fabriken für arbeitslose Juden, insbesondere Palästinawanderer, sein muß. 3. Die Zionistische Organisation muß einen Teil der Kosten der Arbeitsämter tragen und ihre Tätigkeit als eine Vorbereitungsarbeit auf Palästina betrachten. 4. Ein besonderer Wanderungs-Kommissar der Zionistischen Exekutive hat für die Einwanderung von mindestens 30 000 Chaluzim nach Palästina zu sorgen, die etwas Erfahrung in Landarbeit oder sonstiger produktiver Arbeit haben. 5. Das Budget hierfür muß gesondert gesammelt werden durch einen den Valuta-Verhältnissen Rechnung tragenden Zuschlag zu allen zionistischen Abgaben. 6. Auf die Zionistische Organisation fällt die Verantwortung nicht nur für die richtige, einzig mögliche Regulierung der Einwanderung, sondern auch für, die Versorgung der Einwanderer auf palästinensischem Boden. Daraus folgt die Notwendigkeit einer freien Einwanderung nach Palästina und der Kongreß muß die Exekutive instruieren, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln für die Durchsetzung dieser Forderung zu sorgen. Vizepräsident Motzkin: Ist Herr Dr. R u p p i n anwesend? Dr. Ruppin: Ich verzichte aufs Wort! 447