Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 445 (sequence 455)
- Language
- German, English, Hebrew
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Entscheidung über diese Dinge der Exekutive zu überlassen. Vizepräsident Motzkin: Diesen Antrag könnten Sie bezüglich sämtlicher Anträge wiederholen, die an die Palästinakommission kommen werden. Bis dahin haben wir nicht das Recht, darüber abzustimmen. Geehrter Kongreß! Sie haben vorhin wiederholt gehört, daß ich den Namen Caisermann nannte. Herr Caisermann aus Canada ersucht Sie, da er nicht hier bleiben kann, einige Minuten sprechen zu dürfen. Wenn Sie einverstanden sind, bitte ich, die Hand zu erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Nach einer Pause:) Angenommen. Herr Caisermann hat das Wort. Delegierter H. M. Caisermann (Canada, jüdisch): Der hohe Kongreß muß an das jüdische Wanderungsproblem vom erweiterten Gesichtspunkte herantreten, nicht nur weil dieses Problem nach einer Lösung verlangt, sondern auch weil Palästina den jüdischen Einwanderer braucht, nicht in der fernen Zukunft, sondern sofort, wenn wir einen ruhigen und sicheren Jischuw haben wollen. (Unruhe.) Vizepräsident Motzkin: Ich bitte um Ruhe. Delegierter Caisermann (fortfahrend): Die eine Minute, die ich verloren habe, muß man mir zurückgeben. Es war einmal eine Zeit, da die jüdische Auswanderung aus Europa nach Amerika vom Standpunkte unseres nationalen Wirtschaftslebens wünschenswert war. Diese Wanderungsbewegung verhalf großen Massen Juden zur Proletarisierung und verschaffte ihnen bessere ökonomische und politische Lebensbedingungen. Wohl hat das jüdische Volk für dieses Recht mit einigen Generationen verlorengegangener jüdischer Kinder bezahlen müssen, dafür aber glaubten sie annehmen zu können, daß ihre Kinder in den Ländern des neuen Kontinentes erwünschte Bürger sind. Die kurzsichtigen revolutionären anti-jüdischen Juden haben auch daraus ihre Anschauungen und ihre Argumente gegen den Zionismus abgeleitet. Sie sagten: „Die jüdische Zerstreuung über die ganze Welt proletarisiert die jüdischen Massen und baut die ökonomische Struktur des jüdischen Volkes zu seinem und der ganzen Menschheit Glück um. Daher liegt die ganze Hoffnung des jüdischen Volkes nicht in Palästina, sondern in der Zerstreuung, in der Welt, in der Proletarisierung4'. Sie haben übersehen, daß die sogenannte „Proletarisierung" eigentlich eine „Schneiderisierung" war, die Okkupation einer einzigen Industrie- Branche, die im gesunden Organismus der amerikanischen Völker zu einem Antisemitismus führen muß. Sie haben auch die Klasse der fähigen Händler übersehen, die ganze Handelszweige in ihre Hände bekommen haben, was unbedingt das Entstehen einer antisemitischen Bewegung herbeiführen muß. Sie haben auch nicht vorausgesehen, daß diese „Schneiderisierung" einen solchen Phrasen-Revolutionärismus sogar innerhalb der konservativen Struktur der nordamerikanischen Arbeiterbewegung erzeugt, daß wir selbst den Antisemitismus der regierenden Kreise Amerikas verspüren werden. Sie alle, wie übrigens alle anderen nationalistischen Kreise, die zionistische Weltorganisation eingeschlossen, rührten keinen Finger, um die jüdische Millionenwanderung nach Amerika so zu leiten oder zu erziehen, daß ein ansehnlicher Teil der Auswanderer mit der Erzeugung von Lebensmitteln sich beschäftigen soll. Niemandem ist das eingefallen! Und als die Amerikaner sich umgesehen haben, stammelten sie zähneknirschend und mit verhaltener Verachtung: „Parasiten! Lästige Fremde"! 445