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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 442

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 442 (sequence 452)
Language
German, English, Hebrew
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die Rechenmethoden aufzuzeigen, mit denen Ruppin die wahrhaft großen Möglichkeiten unserer Kolonisation in absolute Unmöglichkeiten verkehrt hat. Diesem Umstände — mehr als allem Anderen — muß die Schuld dafür zugeschrieben werden, daß die entscheidungsvollste Zeit mit einer Niederlage für uns geendet hat. Aber um ganz objektiv zu sein, um die große jüdische Oeffentlichkeit aufzuklären, die stumm und interesselos an dem Kampfe vorüberging, den ich für die Verwirklichung des Zionismus gegen seine offiziellen Vertreter zu führen hatte, diene folgendes: In seinem Referat hat Ruppin dargetan, daß die Ländereien, die wir von der Regierung umsonst bekommen können, schließlich nicht billiger sein werden, als andere Ländereien, die wir kaufen könnten, weil die Sanierungsarbeiten usw. ebensoviel kosten werden, als der Kaufpreis betragen würde. Dabei hat er aber nur vergessen, daß wir in dem einen Fall einem arabischen Effendi viel Geld zahlen und im anderen Falle mit einer ebensolchen Summe viele Juden ins Land bringen und ihnen Beschäftigung geben würden! Das ist aber ein ungeheurer Unterschied. In jahrelanger Arbeit kann man so den Leuten eine Existenz schaffen, so daß das Geld, das wir zahlen, für Einwanderung und Arbeit geht, statt in die Taschen der Effendis zu fließen. Wer nicht erkennt, welcher große Unterschied darin liegt, und was für eine kleinliche, ganz und gar nicht aufbaumäßige Auffassung darin liegt, so zu urteilen, dem ist freilich nicht zu helfen. Aber es besteht die bedauerliche Tatsache, daß der Kongreß diese Sache mit Jubel aufgenommen hat — da hier doch der offizielle Vertreter des Aufbauwerkes sprach. Es gibt noch eine Reihe anderer Beispiele, und ich werde Ihnen eine kleine Serie von Blüten aus seinem Buche vorlegen, deren jede einzelne genügen müßte, Ihnen zu zeigen, daß hier ein völlig weltfremder Geist unser Aufbauwerk beherrscht. Vor ein paar Wochen hat Ruppin den Plan von Elieser Joffe vertreten. Als wir ihm sagten, das sei derselbe Kolonisationsplan von früher, mit denselben Kostenziffern, war er empört, und w i r haben ihm erst zeigen müssen, daß auch bei dieser sogenannten neuen und billigen Form tatsächlich ca. 1000 Pfund pro Ansiedlerfamilie herauskommt. Er war erstaunt, warum wußte er das nicht? Vor ein paar Tagen hatte er hier zu berichten über die neuen Entschlüsse von London bezüglich der gartenstädtischen Kolonisation, die in Palästina als eine Form städtischer Kolonisation weitaus den größten Teil unseres Werkes angeht. Er hatte diese Kleinigkeit aber total vergessen und mußte buchstäblich noch einmal aufstehen, um „diesen vergessenen Punkt", wie er sich ausdrückte, nachtragenderweise zu erwähnen. Dieser „vergessene Punkt" umfaßt 96% der jüdischen Welt. Er hat jedoch nur die landwirtschaftliche Kolonisation im Kopfe, die etwa 4% umfaßt. Wir brauchen aber für die Leitung des Aufbauwerkes einen umfassenden Geist mit starker Kombinationsgabe, dem es nicht passieren kann, die Hauptsache zu vergessen, jtmd der sich nicht, wie in diesem Falle, in besondere und sonderbare Spezialitäten einspinnt. Vizepräsident Motzkin (unterbrechend): Herr Trietsch, Sie haben Ihre 10 Minuten gesprochen. Mitglied des A. C. Trietsch (fortfahrend): Geehrter Kongreß! Ich glaube, daß die nächsten 10 Minuten Ihnen mehr Aufklärung über die Grundlagen unserer Kolonisation geben können, als Sie in den vielen Stunden der politischen und der bisherigen palästinensischen Debatten erhalten haben. 442

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