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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 441

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 441 (sequence 451)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Mitglied des A.C. Davis Trietsch (fortfahrend): Geehrter Kongreß! Von verschiedenen Rednern sind hier Dr. S o s k i n einige Unliebenswürdigkeiten stärkeren Kalibers gesagt worden. Man sprach z. B„ von Feuilleton und Dilettantismus. Wahrscheinlich erinnern sich die Herren nicht der Zeiten, oder sie waren noch nicht in unserer Bewegung, als Soskin viele Jahre in Palästina mit Erfolg tätig war. Er hat seitdem als Kolonialfachmann sich in Ländern, wo man von Kolonialwesen mehr versteht, als bei uns, einen Ruf erworben, und es ist demnach ziemlich unangebracht, gerade ihm mit solchen Sachen zu kommen. Sachlich bat er mich, darauf hinzuweisen, daß die Kolonisation, die von Joffe und seinen Freunden hier vertreten wird, allzusehr dem Interesse einer kleinen Gruppe von im Lande schon befindlichen Arbeitern entspricht, aber keine Rücksicht auf die Massen von Juden nimmt, die wir in das Land bringen wollen. Einige wenige könnte man ja mit solchen Kostenziffern unterbringen. Aber dort, wo es sich um viele zehntausende von Einwanderern handelt, sind diese Kostenziffern eine Undenkbarkeit. Es ist übrigens sonderbar genug, daß die Gruppe von Elieser Joffe sich noch vor ganz kurzer Zeit auf 70 Dunam pro Mann — bzw. pro später zu erwartende Familie — beschränken wollte, was schon reichlich viel Land ist, daß sie aber neuerdings wieder 100 Dunam verlangt, „weil es sich um bereits ausgebildete Arbeiter handelt", — während man in der ganzen Welt gerade geübtere Arbeiter auf weniger Land ansiedeln kann. — So viel im Namen Soskins. Und nun werde ich einiges sagen müssen, das Sie zu möglichst gründlichem Nachdenken veranlassen sollte. Ich war sehr wenig damit zufrieden, daß Dr. R u p p i n Soskins und meine Vorschläge sozusagen unter seinen Schutz genommen und sie hier empfohlen hat. Denn was der Exekutive in London als neu, groß und hoffnungsvoll erschienen war und als Beginn einer neuen Zeit, das klang aus Dr. Ruppins Munde wie ein Versuch, den man widerwillig macht. Er scheint selbst nicht daran zu glauben, und so kann er auch Ihnen mit seiner Mutlosigkeit, die unsere kolonisatorische Arbeit in all den Jahren beeinflußt hat, keinen Glauben einflößen. Ruppins Mentalität geht eben in anderer Richtung. Er ist sicherlich ein Mann von großer Befähigung, aber die Mentalität für die Leitung eines neuen großzügigen Kolonisationswerkes besitzt er nicht. Es ist mir wirklich zuwider, so gegen Ruppin sprechen zu müssen. Aber es handelt sich um Aufbau oder Untergang. Ich bitte den Kongreß, mir zu glauben, daß keinerlei persönliche Differenzen zwischen uns vorliegen. Weder im Falle Ruppin, noch auch im Falle Ettinger. Ich kann Ihnen auch einen kleinen Beweis dafür geben. Ich werde im Rahmen dieser neuen intensiven Kolonisation wahrscheinlich auch Vorschläge von Ettinger zu den meinigen machen, — allerdings ohne seine Rechenfehler. Denn auch nach seinen Unterlagen ist es möglich, mit 2 5 0 0 0 Fr. den Unterhalt für fünf Familien zu sichern. Er selbst rechnet freilich nur den reichlichen Unterhalt einer Familie heraus, — und ebenfalls nach seinen Unterlagen soll es möglich sein, mit 5000 Fr., also einer wirklich sehr geringen Summe den vollen Unterhalt von zwei Familien zu bestreiten. Er rechnet aber auch hier — mit Hilfe grandioser Irrtümer — nur ein Drittel bis ein Viertel des Unterhalts einer Familie heraus. Wie sehr Sie gerade bei Dr. R u p p i n einer Suggestion unterliegen — wie leicht Sie aus dem wissenschaftlichen Tonfall auf überlegene Fachkentnisse zu schließen geneigt sind, wo in Wirklichkeit eine wunderliche Weltfremdheit ihr Wesen treibt — ebenso in seinem Referat, wie in seinem Buch vor zwei Jahren und bei seiner kolonisatorischen Arbeit — das will ich Ihnen an einigen Beispielen zeigen. Es mußte doch sogar auf diesem Kongreß eine Rechnungskommission beantragt werden, um endlich definitiv 441

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