Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 435 (sequence 445)
- Language
- German, English, Hebrew
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Delegierter Israel Mereminski (Zeire Zion, jüdisch): Ich möchte die Möglichkeit ausnützen, dem Kongreß einige positive Vorschläge bezüglich der Alijah zu machen. Wir bedauern es, daß die Leitung es nicht für nötig befunden hat, ein Immigrationssystem für die Zukunft auszuarbeiten. Ich spreche nicht von den äußeren Bedingungen, sondern von der inneren Immigration. Der Referent hat sich nicht in die Frage der Organisation der Einwanderung eingelassen. Wir müssen mit der Forderung der freien und unbeschränkten Immigration kommen. Gleichzeitig haben wir die Aufgabe, uns für die Zukunft zu organisieren. Es ist bis jetzt nichts getan worden, um zu wissen, mit welchen Schichten die Immigration durchgeführt werden soll. Wir müssen die Arbeiter und ihre Familien, welche im nächsten Jahre nach Erez Israel fahren, organisieren, auch die verschiedenen Gruppierungen und Schichten im jüdischen Volke müssen kooperativ organisiert werden. Wir müssen beachten, daß die Immigration noch lange Jahre dauern wird, daß wenn auch die Immigration frei sein wird, der Andrang nach Palästina nicht groß sein kann, weil der Mehrheit die nötigen Mittel dazu fehlen. Wir müssen also den Immigranten die Reisekosten beschaffen. Es ist doch eine Tatsache, daß es heute für eine Menschenklasse keine Einwanderungsbeschränkungen gibt. Jeder vermögende Jude kann nach Palästina fahren. Die einzige Begrenzung existiert für jene arbeitenden Massen, für welche die Frage der Immigration eine Lebensfrage ist. Es muß dafür gesorgt werden, daß Arbeiter-Uebersiedlungs-Kooperativen geschaffen werden, es müssen vom Keren Hajessod die Mittel gegeben werden, Grundkapital, welches mithilft, daß die Arbeiter, welche früher oder später immigrieren wollen, mit eigenem Gelde hinüberfahren. Dann wird nicht mehr die Frage der Unterstützung bestehen. Man muß die Selbsthilfe der jüdischen Immigrantenmassen anrufen, man muß die Arbeiterkooperativen unterstützen und das muß vom Kongresse aus geschehen. Wir müssen eine Massenimmigration haben. Es muß der Boden für diese Immigration zugerichtet werden. Jetzt wird es noch nicht gehen, aber später, wenn sie mit eigenen Mitteln gehen können. Bei uns auf dem Kongresse hört man nicht ein einziges Wort über unsere Forderungen in Bezug auf die Immigration auf politischem Gebiete. Man fordert verschiedene Konzessionen und stützt sich dabei auf historische Rechte und will nicht mit den lebendigen Bedürfnissen operieren. Es ist das Lebensbedürfnis von Millionen jüdischer Massen, welche mit ihrer eigenen Arbeit in das Land streben, und wenn man das realisieren will, muß man offen sagen, daß wir die Immigration regulieren müssen. Der Faktor, welcher die Massen bewegt, muß real ausgenützt werden als politischer Faktor. Ich will die begrenzte Zeit noch für ein Moment ausnützen. Die technische Organisierung der Einwanderung war schlecht, — wir haben das schon in der Kommission gehört — und es wurde gesagt, daß die Immigration von dem Bevollmächtigten der Leitung organisiert werden soll. Wir wissen, was das bedeutet. Es wird ein Beamter kommen und uns erzählen, daß die Leitung die Einwanderung eingeschränkt hat. Diese Regulierung ist letzten Endes eine Verhinderung der Emigration. Noch ein Moment. Wir wollen garnicht leugnen, daß die Vermögenden, die jetzt nach Palästina gehen, auch Chaluzim sind, Chaluzim des Kapitals, aber diese Menschen haben freie Bahn vor sich, den Arbeitern aber, die unter den schrecklichsten Bedingungen hinuntergehen, denen muß die größte Hilfe geleistet werden. Wir reden von dem idealen Moment. Wir fordern, daß die Verteidiger des Aufbaus in Erez Israel, die nicht persönlichen Interessen dienen, sondern denen der Gesamtheit, gehörig unterstützt werden. Es ist eine nationale Bewegung und der Keren 28* 435