Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 431 (sequence 441)
- Language
- German, English, Hebrew
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Wohle des jüdischen Volkes gedeihen". Ich übergebe diese Telegramme dem Präsidium mit der höflichen Bitte, sie in das Archiv des Kongresses einreihen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit sei es mir erlaubt, einige Bemerkungen über die Tätigkeit der Sammelstelle des J. N. F. in Lemberg anzuknüpfen. Die Sammelstelle in Lemberg ist eine der besten, wenn nicht die beste. Sie hat an Sammeltätigkeit mehr geleistet, als selbst die Sammelstelle Amerika. Sie hat, relativ genommen, tausendmal soviel geleistet wie Kanada, und in Ländern, welche dieselbe Valuta haben wie Polen, haben wir viermal soviel geleistet. Daraus erhellt, daß selbst kleine Länder viel zum Aufbau des jüdischen Landes machen können. Alle Herren, welche bis jetzt in dieser Debatte das Wort ergriffen haben, haben versucht, nur einseitig ihren Standpunkt zu beleuchten. Sie haben nur über den einen Teil des Werkes gesprochen, und zwar über Palästina selbst, während sich mir das ganze Werk als ein großer Feldzug darstellt mit zwei großen Etappen, von denen die eine Etappe das Hinterland ist, die andere, Palästina, die Front. Was soll selbst die heldenmütigste Front ausrichten, wenn das Hinterland versagt? Deutschland vom Herbst 1918 ist ein Beispiel dafür, daß selbst eine heldenhafte Front zusammenbrechen muß, wenn der Nachschub nicht genügend organisiert ist. Leider muß gesagt werden, daß der Nachschub im Galuth vollständig versagt hat. Die Institute, welche berufen waren, das Werk zu fördern, haben ihre Schuldigkeit nicht getan. Ich will mich in erster Reihe mit dem Keren Kajemeth beschäftigen, welcher seit 20 Jahren besteht, populär ist und gute Arbeit leistet. Aber bis jetzt ist er noch nicht organisiert, er ist noch nicht organisatorisch ausgebaut, bis heute ist das Verhältnis der einzelnen Ortskommissionen zu den Landessammelstellen und dieser zu der zionistischen Partei als solcher und zu den zionistischen Organisationen nicht geregelt. Auf Einzelheiten hier einzugehen, erlaubt die Zeit nicht. Es muß auch gesagt werden, daß das Verhältnis des Hauptbüros, dessen Arbeit Anerkennung verdient, zu dem Direktorium ebenfalls nicht geregelt ist. Das Direktorium steht nur in einem sehr losen Zusammenhang zu dem Hauptbüro. Es hat nicht die Leitung des Keren Kajemeth in der Hand. Wie wäre es auch anders möglich, wenn einer der Direktoren in Südafrika, der andere in London, der dritte in Berlin, der vierte in Wien, der fünfte in Paris und der sechste in statu demissionis ist? Ein solcher Zustand kann nicht länger geduldet werden. Büroarbeit allein genügt nicht. Dem Keren Kajemeth fehlt jede Initiative und es ist erklärlich, daß das Hauptbüro diese Initiative nicht ergreifen kann, weil es die Verantwortung ablehnen muß. In der Kommission für den Keren Kajemeth ist die Sache zur Genüge besprochen worden und es werden Ihnen ausführliche Anträge darüber unterbreitet werden, wie die Organisation ausgebaut werden soll. Ich möchte den hohen Kongreß bitten, diese Sache nicht zu bagatellisieren. Der Keren Kajemeth soll ein Instrument der jüdischen Bodenpolitik in Palästina sein. Wenn wir ein schwaches Instrument haben werden, so wird die Bodenpolitik selbstverständlich auf den Grad der Schwäche eingestellt werden. Das Organisationsstatut unseres Direktoriums ist so verwickelt, daß selbst der beste Kenner desselben, Dr. Zweig, zugeben muß, daß es ein sybillinisches Buch ist. Das Amt des Direktors ist geknüpft an den Besitz von Gründershares der Kolonialbank, so daß nicht Erfahrung und erprobte Kenntnis der Sache da zu Wort kommt, sondern ganz fremde Instanzen. Ich meine, daß vor 10 oder 12 Jahren es vielleicht nicht anders gemacht werden konnte: jetzt aber, wo eine große Abänderung des Statuts geboten ist, darf sie nicht verabsäumt werden. Das kann selbstverständlich nicht sofort geschehen, muß aber geschehen. Es wurde von der Uebersiedlung des Nationalfonds nach Erez Israel gesprochen und von autoritativer Seite wurde zugerufen, daß die Ueberführung des N. F. den Stimmungen ent- 431