Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 430 (sequence 440)
- Language
- German, English, Hebrew
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Vizepräsident Berlin (unterbrechend): Ich bitte, diese Worte zurückzunehmen. Der Kongreß ist eine sehr ernste Angelegenheit des Jüdischen Volkes und keine Komödie. Delegierter Harzfeld (fortfahrend): Ich werde die Sache erklären. (Widerspruch und Rufe: Zurückziehen!) Vizepräsident Berlin (unterbrechend): Ich bitte, das Wort zurückzuziehen! Delegierter Harzfeld (fortfahrend): Selbstverständlich nehme ich das zurück. Ich wollte nur sagen, daß der Kongreß sich zu praktischer Arbeit versammelt hat, daß seine Hauptarbeit die Frage der Kolonisation ist und daß man sich bewußt sein muß, daß mit der bisherigen Art der Arbeit des Kongresses nicht nur die Unzufriedenheit der hier Anwesenden, sondern auch die Unzufriedenheit der Arbeiter in Palästina erregt werden wird. Wir haben kein Recht, Zeit zu verlieren mit Debatten über die Pläne der verschiedenen Agronomen. Die Hauptfrage, die den Kongreß beschäftigen soll, ist die G e 1 d f r a g e. So lange Ihr nicht die nötigen Mittel aufbringen werdet, so lange werden wir zu keiner praktischen Arbeit kommen und auch die vorhandenen Positionen werden einer großen Gefahr ausgesetzt werden. Ich will noch wegen eines zweiten Momentes sprechen. Man hat vergessen, daß wir keine Zeit haben. Man hat von einem gewissen Defizit unserer Arbeit gesprochen. Die Defizite sind eine Folge des Umstandes, daß wir an unsere Arbeit nicht zeitgerecht herangetreten sind. Wir haben erst im Oktober angefangen. Landwirtschaftliche Arbeiten müssen zu einem gewissen Datum beginnen, wenn das Jahr nicht versäumt werden soll. Wenn das bewilligte Geld nicht zur Zeit ankommt, so ist ein Defizit unvermeidlich. Sollte der Vorschlag, der hier gemacht wurde, angenommen und eine neue Kommisson nach Erez Israel geschickt werden, so wird dadurch kostbare Zeit wieder verschwendet und ein neues Defizit verursacht. Und noch etwas. Wir waren gezwungen, einen schweren Kampf für den Bodenkauf in Emek Jesreel zu führen, der hier mit so freudiger Zustimmung aufgenommen wurde. Aber dort steht die fünffache Fläche zum Verkauf. Es ist heute noch die Möglichkeit da, den übrigen Teil zu kaufen. Der Kongreß muß dafür sorgen, daß wir im nächsten Jahr nicht mehr kämpfen müssen, um einen Kauf durchzuführen. Wir müssen ein für allemal wissen, daß wir vor uns die große Aufgabe haben, Erez Israel zu bauen und zwar nicht mit Worten und Phrasen. Zuerst muß der Boden da sein und dazu brauchen wir Geld. Die einzige Plattform ist Arbeit und nur Arbeit soll uns zusammenhalten. Jeder soll auf seinem Platze das Beste leisten. Wir müssen ein für allemal uns den Vorschlag zueigen machen, daß mindestens 30% des Keren Hajessod für Siedlungsarbeit gesichert werden. So werden wir Erfolge erzielen können, die wir für unsere Existenz brauchen. (Beifall.) Vizepräsident Berlin: Das Wort hat Herr Dr. H a u s n e r. Delegierter Dr. Bernhard Hausner (Misrachi-Ostgalizien, spricht deutsch): Im Namen und im Auftrage der Sammelstelle des J. N. F. in Lemberg habe ich die Ehre, dem hohen Kongresse Begrüßungstelegramme, welche aus einzelnen Orten, von unseren Freunden aus 400 Sammelstellen zugekommen sind, vorzulegen. Ihre Wünsche gipfeln in dem Telegramme der Kultusgemeinde von Sambor, welches lautet (liest): „Das Präsidium der jüdischen Kultusgemeinde begrüßt herzlichst den 12. Kongreß. Die Beratungen desselben mögen zum 430