Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 432 (sequence 442)
- Language
- German, English, Hebrew
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sprechen mag, sie könne aber aus praktischen Erwägungen nicht geschehen. Von . Stimmungen und praktischen Erwägungen gleichzeitig vor Zionisten zu sprechen, ist sehr unpraktisch. Aus unseren Stimmungen heraus sind wir zum Zionismus gekommen, und wenn wir nur praktischen Erwägungen unterliegen würden, wären wir daheim geblieben und nicht zum Kongreß gekommen. Der Sitz des N. F. muß schleunigst nach Erez Israel verlegt werden. (Lebhafter Beifall.) Der Kongreß muß sich geschlossen wie ein Mann dafür aussprechen und Sache der Exekutive muß es sein, den Willen des Kongresses zu respektieren. Alle Sammelstellen des N. F. haben sich einstimmig dafür ausgesprochen, auch das Hauptbüro sieht keine Schwierigkeiten. Wenn es nicht politische Momente gibt, die dagegen sprechen, sondern nur Momente praktischer Natur, so können sie für den Kongreß absolut keine Geltung haben. Der MF. gehört in jenes Land, für welches er zu arbeiten hat und für welches er arbeiten wird, d. h. nach Erez Israel. Ferner ist hier das Thema derlandsmannschaftlichenKolon i s a t i o n berührt worden. Zu meinem großen Erstaunen hat Prof. W a r b u r g schwere Bedenken dagegen geäußert. Unsere Sammelstellen, d. h. die Landessammelstelle in Galizien hat an dieser Sache besonderes Interesse, weil sie das Recht der Priorität in dieser Frage für sich in Anspruch nimmt. Die Schwierigkeiten, welche dieses System in sich birgt, sind durchaus nicht so groß, wie sie Prof. Warburg dargestellt hat. \ Das Prinzip der landsmannschaftlichen Kolonisation ist nicht nur auf propagandistische Erwägungen allein zurückzuführen. Der J. N.F. hat bis jetzt von seiner kolonisatorischen Tätigkeit nur Ausgaben und keine Einnahmen gehabt. Nun soll gerade das System der landsmannschaftlichen Kolonisation dem jüdischen Nationalfond einerseits einen Teil seiner Arbeit abnehmen — ich meine die Vorbereitung des Bodens, wieder anderseits durch Zahlung der Raten für die Erbpacht ihm immer frische Mittel zuführen. Ich möchte noch eine Sache berühren, welche den N. F. angeht, das ist der Kauf in Emek. Bis jetzt sprachen in dieser Sache mittelbar oder unmittelbar interessierte Fachleute; die Laien hatten keine Gelegenheit gehabt zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Ich habe die Schriften von de Lieme und R uppin über diese Frage gelesen und ich stehe auf dem Standpunkte de Liemes in Bezug auf die Verletzung der formalen Seite des Kaufes. Er hat Recht, wenn er sagt, man kann und darf nicht ein so gefährliches Prinzip einreißen lassen, daß man auf eigene Verantwortung große Transaktionen unternimmt. Aber nur so weit hat er Recht. Wo es sich um Bodenkauf handelt, können wir die Leitung des N.F. in Palästina nur dazu beglückwünschen, daß es ihr gelungen ist, einen so großen Teil des Bodens in jüdische Hände zu bekommen, und wenn ich an dieser Stelle einen Wunsch ausdrücken darf, so möchte ich ihn in die Worte zusammenfassen, es möge ihr gegönnt sein, jedoch bei Wahrung der formalen Seite, noch weitere Komplexe zu erwerben. Und nun eine Angelegenheit, die ich für überaus wichtig halte, die aber hier noch nicht berührt wurde, ich meine die Ansiedlung unserer Waisen auf dem Boden des N.F. Die Waisenfürsorge ist eine brennende Frage für alle Ostjuden, für die sich auch Amerika interessiert. Wenn das Geld, welches Amerika, besonders der Joint, so reichlich für diese Aktion ausgibt, in Palästina ausgegeben würde, so würden wir ein Dreifaches erreichen: 1. würde viel Kapital nach Palästina kommen, 2. würden wir die Gewähr haben, daß gerade in Palästina unsere Waisen so erzogen würden, wie wir es haben wollen, und 3. würden alle Schwierigkeiten, welche uns sonst die Waisenfürsorge im Galuth verursacht, vermieden werden. Schließlich noch eine Bemerkung und damit wende ich mich an Sie, meine Freunde von der Linken. Ich erhalte Briefe von meinen befreundeten Chaluzim und meiner Familie aus Palästina, in denen mir über die helden- 432