Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 429 (sequence 439)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4729-3480873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Industrie, es handelt sich um unzählige Seiten des öffentlichen, privaten, geschäftlichen und gesellschaftlichen Lebens, um geistige und physische Arbeit nach allen Richtungen. Ein solches Amt fehlt. Und nun über die finanzielle Seite der Sache! Es herrscht in den Kreisen unserer Leitung eine irrige Anschauung über diese Seite der Palästinaarbeit. Man sagt uns: Der Immigrant interessiert uns erst von dem Momente seiner Ankunft in Jaffa, bis dahin nicht. Die Folge davon ist, daß wir nicht imstande sind, nach Palästina jüdisches Menschenmaterial in der Zahl und Qualität zu bringen, wie es das Land braucht. Im Gegensatze zu dieser Ansicht verlangen wir, daß die gesamte Palästinawanderung als ein Teil des palästinensischen, und zwar des Immigrationsprogrammes anerkannt werde, wir verlangen, daß sämtliche Institutionen der Palästinawanderung, sämtliche Palästinaämter, die zionistische zu gründende Transportgesellschaft, der ganze, jetzt schon große Apparat, der sich damit beschäftigt, aus den zentralen Fonds resp. dem Budget für Immigration erhalten werde. Wir verlangen, daß uns die Mittel gegeben werden, das Menschenmaterial richtig zu wählen und das gewählte nach Palästina zu bringen. Heute gehen nicht diejenigen hin, die wir sorgfältig auswählen, sondern diejenigen, die gerade das Geld für die Reise haben. Dieser Zustand ist unerträglich, er befriedigt weder uns, die wir die Menschen hinsenden, noch das Land. Vizepräsident Berlin (unterbrechend): Ihre Redezeit ist um. Delegierter Dr. Korngrün (fortfahrend): Ich erlaube mir, den Kongreß noch um drei Minuten zu bitten. (Zustimmung.) Es gibt noch hunderte von wichtigen Momenten in der Wanderung. Ich habe kaum drei der allerwichtigsten und prinzipiellen Fragen der Wanderung gestreift. Ich muß mich darauf beschränken. Zum Schluß möchte ich hier nur noch eins bemerken. Es herrscht in den Kreisen derjenigen, die berufen sind, die Juden nach Erez Israel zu führen, gewisses Gefühl einer überspannten Verantwortlichkeit für die jüdischen Massen des Ostens. Es ist genau dasselbe Gefühl, das die Herren der Ica und aller anderen westlichen Gesellschaften haben, die immerfort das ängstliche Bestreben haben, die Brüder aus dem Osten beileibe keiner Gefahr auszusetzen. Hoher Kongreß! Wir sind nicht mehr unmündig. Wir kennen unsere Verantwortung. Wir stammen aus der ukrainischen Hölle, wir haben über uns sämtliche Schrecken der Kriegsjahre ergehen lassen und wir haben keine Angst vor den Schwierigkeiten, die uns in Palästina erwarten. Wir müssen nach oben sagen: Machet uns das Leben nicht leicht, sondern lasset alle Kräfte, Energien und die ganze Explosivkraft, die im jüdischen Volke schlummern, sich frei entwickeln! Eure Sache ist es nur, die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Nicht darin liegt die größte Schwierigkeit der Zionistischen Organisation, daß die Massen kein Vertrauen zu ihren Führern haben. Dies ist nicht wahr. Wir haben Vertrauen zu unseren Führern. Die größte Schwierigkeit liegt darin, daß die Führer kein rechtes Vertrauen zu den jüdischen Massen haben. Das muß aufhören. (Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Berlin: Das Wort hat Herr H a r z f e 1 d. Delegierter A. Harzield (Achduth-Haavodah-Palästina, jüdisch): Die Systemlosigkeit der Leitung hat dazu geführt, daß wir auch hier auf dem Kongreß ohne System arbeiten und daß der Kongreß in einem gewissen Sinne zu einer Art theaterspiel wurde. (Widerspruch und Unruhe.) 429