Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 426 (sequence 436)
- Language
- German, English, Hebrew
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übernimmt und den zahlreichen Leuten, die tausende von Pfund in Bodenkäufe hineinstecken möchten, die Möglichkeit gibt. Dies muß selbstverständlich so organisiert werden, daß die Spekulation, soweit es geht, ausgeschaltet werde. Ich meine, daß auch in dieser Beziehung bei uns gesündigt wird. Man arbeitet oft auf eigene Faust und vergißt, daß ein anderes Institut vorhanden ist, das vielleicht viel mehr Käufe macht, als wir, die Zionistische Organisation. Es ist die Ica da, mit der man immer Hand in Hand gehen sollte. Es geht nicht an, daß die verschiedenen Institutionen sich gegenseitig Konkurrenz machen, um so weniger, als wir, die Zionistische Organisation, in wirtschaftlichen Fragen den anderen vorangehen sollten. Wir sollten die Sache wirtschaftlich-ökonomisch und geschäftsmäßig behandeln und anderen größeren Gruppen die Möglichkeit geben, sich an diesem wichtigen Problem des Bodenkaufes zu beteiligen. Ich komme zur Industrie und Privatinitiative. Ich kann hier darüber nicht ausführlich sprechen, ich will nur ein Prinzip aufstellen. Wenn wir in Palästina die jetzt bestehenden Mängel vermeiden wollen, wenn wir nicht nur ein Informationsbüro gründen und Kreditformen geben, sondern ein Institut schaffen, das nicht bürokratisch geführt wird, das die Funktionen einer Handelskammer versieht und größeren Kreisen mit Rat und Tat beisteht, dann bin ich überzeugt, daß die Kreise, die im Golus ein Interesse für Palästina haben, ganz bestimmt sich vergrößern und daß hunderte und tausende Pfund in dieser Weise in Palästina investiert werden könnten. Delegierter Baruch Rab (Bne Benjamin-Palästina, spricht hebräisch): Brüder und Schwestern! Ich muß besonders die Palästinenser um Verzeihung bitten, für die große Sünde, die ich jetzt begehen muß, indem ich jüdisch sprechen werde. In unserem Lande hätte ich das nicht getan, aber hier, wo schon viele Vorredner dies taten aus dem Wunsche, daß die Brüdern aus dem Galuth sie verstehen möchten, muß ich mich ebenfalls des Jüdischen bedienen. (Jüdisch fortfahrend.) Zu meinem Bedauern bin ich in die Liste derjenigen Redner geraten, die nur 10 Minuten Redezeit haben. Zum kommenden Kongreß, wenn er noch nicht in Jerusalem sein sollte, werden wir bereits bei der Abfahrt aus Jaffa dem Präsidium telegraphieren müssen: Bitte ums Wort. Seit dem ersten Tage haben ich und andere uns zum Wort gemeldet und erst heute auf dem 5. Kongreßtag bin ich dazu gekommen und auch nur für 10 Minuten. Es ist unmöglich, in einer Zeit von 10 Minuten das wiederzugeben, was in Palästina vorgeht. Darum will ich erst garnicht anfangen, davon zu reden, und ich werde nur einige Punkte berühren, die man nicht umgehen kann. Alle Vorredner sprachen von dem Palästina, wie es sich in den letzten 12 Jahren entwickelt hat, als ob vor diesen 12 Jahren in Palästina garnichts geschehen wäre. Man vergißt gänzlich die Geschichte der ersten 30 Jahre, in denen die Grundlage der Palästinaarbeit gelegt wurde, es spricht niemand über den Zustand in den alten Kolonien. Ich schätze die Arbeit der Chaluzim sehr hoch, bin aber der Meinung, daß in Palästina für Juden aller Arten Platz sein müsse, und nicht alles nach einer gewissen Schablone gehen dürfe. Ich wende mich damit gegen den Ausspruch eines Herren aus dem Präsidium, daß wir nicht Kapitalisten stören * würden, nach Palästina zu kommen und dort zu arbeiten. Es genügt nicht, daß man sie nicht stören würde. Man muß sie anregen und mithelfen, denn Palästina braucht große Kapitalien, denn die Art, in der man bis jetzt Palästina gebaut hat, genügt nicht, und Palästina kann auch nicht nach einem einzigen System gebaut werden. Wie gesagt, habe ich die größte Achtung vor der Arbeit der Chaluzim; ich meine nicht, daß man ihre Rechte irgendwie schmälern sollte; man muß aber auch das zweite System des Jischuw in 426