Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 425 (sequence 435)
- Language
- German, English, Hebrew
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der Spitze des Kolonisationsdepartements in Palästina steht, so müssen wir sagen, daß E11 i n g e r die Sache so machen wird, wie er und seine engeren Parteigenossen es verstehen, und W i 1 k a n s k y so, wie er es versteht. Es ist klar, daß Dr. Ruppin darauf antworten wird: Ich arbeite mit dem, den ich habe. Wir als Zionistische Organisation können die Kolonisation in dieser Weise nicht weiter treiben. Ich kann selbstverständlich auf die Details dieses Systems nicht eingehen, aber schon eines könnte uns einleuchten. Wenn es so weiter getrieben wird, wenn wir die vollständige Einrichtung der einzelnen Wirtschaften auf uns nehmen, so frage ich Sie: Wie viele Personen werden wir bei den besten Aussichten jährlich kolonisieren können? Wir müssen die Kolonisation eines armen Mannes treiben, hat uns Dr. Ruppin gesagt. Das ist nicht richtig. Wir haben Leute mit kleinen Kapitalien, Fachleute, d. h. Leute, die schon landwirtschaftlich gearbeitet haben, die nach Palästina gehen wollen. Aber wann? Wenn sie wissen, daß sie Boden pachten können, daß sie einen kleinen Agrarkredit bekommen usw. Diese Bedingungen sind einstweilen nicht vorhanden. Es gehen viele Leute nach Palästina, die garnicht dorthin gehören. Wir haben in den letzten Monaten gesehen, welche Elemente gehen wollen und welche nicht. Wir haben in Warschau ein Emigrationskomitee. Dorthin kommen jeden Tag die Kolonisten aus Südrußland und aus der Ukraine; die gehen nach Argentinien, weil sie von der Ica Geld und Boden bekommen, und nicht nach Palästina. Sie gehen nicht nach Palästina, weil sie bei uns keine Unterstützung bekommen in Form von Reisekosten oder in anderer Form. Und diesen Elementen, deren Zahl groß genug ist, würde man die Landwirtschaft nicht erst beibringen müssen und somit fällt die Frage der Vorbereitung des Menschenmaterials für Palästina auf diesem wie auch auf anderen Gebieten von selber zusammen. Ich komme zum zweiten Punkte, das ist die jetzige Administration in Palästina. Sehr viele sind unzufrieden, nicht etwa, weil wir ungeduldig und mit dem jetzigen Tempo der Kolonisation nicht zufrieden sind. Wir verstehen sehr wohl, daß bei den bestehenden Verhältnissen wegen Mangels an Kapital vieles nicht geleistet werden kann. Aber das wenige hätte ordentlich, ökonomisch gemacht werden sollen. Wir haben eine ganze Reihe von Beispielen dafür, daß dies leider bisher nicht der Fall gewesen ist Wir haben von Dr. Weizmann, von Ussischkin und anderen Herren gehört, daß in Palästina radikale Aenderungen kommen müssen. Das heißt, daß nicht alles in Ordnung ist. Von Ruppin haben wir in seinem Referate derartiges nicht gehört. Das heißt, es ist alles in Ordnung, nur Geldmittel für diese oder jene Zwecke sind vonnöten. Ich dagegen glaube, daß wir auch in dieser Beziehung radikale Reformen einführen müssen. Wir müssen eine Institution haben, die nicht dem Waad Hazirim angehört, eine Gruppe von einigen Leuten, die die Sache überwacht, die sie von Zeit zu Zeit revidiert und kontrolliert und an die Exekutive bzw. an das A.C. regelmäßig referiert. Das darf nicht so geschehen, wie es geschehen ist, daß man einmal eine Reorganisationskommission nach Palästina geschickt hat, worauf nach vielen Jahren der Kongreß zusammentritt, auf dem dann durch drei bis vier Tage eine Kontroverse ausgetragen wird, die aber zu nichts führt, weil wir davon nichts verstehen. Ich komme nun zur Frage des Bodenkaufs, der uns am meisten interessiert. Wenn wir weiterhin die bisherige Politik fortsetzen und von Zeit zu Zeit, soweit Geld vorhanden ist, diesen oder jenen Boden kaufen, wird selbstverständlich nicht viel gemacht werden können. Wir haben vor einigen Minuten das schöne Wort von der Nationalisierung des Bodens gehört. Das ist eine schöne Theorie. Wenn wir daran festhalten, ist es sicher, das hunderte und tausende von Juden, die ihr Geld in Bodenkäufen anlegen möchten, es nicht tun werden. Deshalb müssen wir trachten, daß eine gewisse Zentrale in Palästina gebildet werde, die die Vermittlung 425