Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 437)
- Language
- German, English, Hebrew
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Betracht ziehen. Einer der vorigen Redner fragte, was die Zionistische Organisation für die Genossenschaften getan hätte. Ich kann sagen, daß in den ganzen 12 letzten Jahren die Zionistische Organisation nur für Genossenschaften und kooperative Arbeit gesorgt hat. Sie hat sich gar nicht um die alten Kolonien gekümmert, außer in ganz seltenen Ausnahmefällen wie bei besonderen Kriegsverhältnissen und Evaluationen. Und bis heutigen Tages kümmert sie sich sehr wenig um die Lage der Kolonien, deren Siedler viele Kämpfe, Krankheiten, Heuschrecken- und sonstige Plagen in der Landwirtschaft durchmachen mußten. Auch sonstige Umstände, wie der Mangel an Märkten für die Produktion erschweren die Lage der Kolonisten. Bis heutigen Tages faulen die Produkte in den Lagern, der Wein steht in den Kellern, und nach den letzten Ereignissen in Palästina sind zwei Kolonien gänzlich vernichtet worden, und auch die übrigen sind halb zugrunde gerichtet und befinden sich in einer sehr kritischen Lage. Das notwendigste wäre jetzt, für die Kolonien eine Agrarbank zu eröffnen. Bei seiner Anwesenheit in Palästina bald nach der Okkupation durch die Engländer, versprach Dr. Weizmann den Kolonien, die von den Türken erpreßten Requisitionen zu regulieren und die Eröffnung einer Agrarbank in die Wege zu leiten. Bis zum heutigen Tage ist in dieser Richtung nichts geschehen. Wo wir etwas Neues bauen, darf das bereits gebaute nicht fallen gelassen werden. Man denkt aber nur an neue Arbeiten und das Alte läßt man zugrunde gehen. Eigentlich bin ich Delegierter der Kolonistensöhne, unter denen ein großer Teil unbemittelt ist, und die dieselben Ansprüche haben wie die alten Arbeiter. Bei dem neuen Aufbau Palästinas müssen sie ebenso berücksichtigt werden wie die Arbeiter. Darüber braucht man nicht viel zu reden, und ich werde sie nur kurz streifen, zumal meine Zeit schon zweimal um ist und ich mit Schnellzug weiterfahren muß. Die Kolonistensöhne sind mit der Arbeit in allen Einzelheiten vertraut, können die Sprache der Nachbarn und müssen bei dem Aufbau Palästinas verwendet werden, denn bis jetzt hat man diese Elemente gänzlich unbenutzt gelassen. Bei uns in Palästina ist man der Meinung, daß der größte Teil der Exekutive nach Palästina hinübergehen muß. Man kann aus Karlsbad oder London die Arbeit in Palästina nicht leiten. Wir sehen, daß sogar die Arbeiten, die die Zionistische Organisation machen will, sehr mangelhaft durchgeführt werden. Nichts geschieht rechtzeitig. Alles hängt vom Zufall oder von der Willkür ab, und niemals geschieht etwas, wie es geschehen soll. Delegierter Dr. Philipp Korngrün (Polen, deutsch): Hoher Kongreß! Ich habe den Eindruck, daß die sehr geehrten Vorredner, welche zur Palästinadebatte gesprochen haben, ganz vergessen haben, daß es neben den Referaten von Dr. R u p p i n und allen anderen noch ein Referat von Dr. E d e r gegeben hat. Es hat bis zum jetzigen Moment kein einziger Redner zu den allerwichtigsten Fragen Stellung genommen, die so klar, ehrlich und deutlich in diesem Vortrage geschildert worden sind: ich meine zur Alijah nach Erez Israel. Herr Dr. Eder hat uns ein Bild entworfen über die gesetzlichen Bestimmungen, welche die Einwanderung nach Palästina zur Zeit regieren. Es ist meine Pflicht und die Pflicht aller derjenigen, die sich in den letzten zwei Jahren praktisch mit der Palästina-Einwanderung beschäftigt haben, den hohen Kongreß darauf aufmerksam zu machen, daß unter diesen, heute geltenden, gesetzlichen Vorschriften eine Einwanderung nach Palästina fast wie eine Farce aussieht. Man hat hier sehr schöne und glänzende Pläne für den Aufbau des heiligen Landes entworfen: aber bei diesen Vorschriften ist nur eine sehr kleine Hoffnung vorhanden, daß die gar so bescheidene, von Dr. Ruppin angegebene Ziffer der Juden im Laufe der nächsten zwei Jahre nach Palä- 427