Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 424 (sequence 434)
- Language
- German, English, Hebrew
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Standpunkt gibt einzig die Arbeiterwirtschaft eine Garantie für die jüdische Einwanderung und für die Selbständigkeit der jüdischen Kolonisation. Der Hamburger Kongreß hatte schon beschlossen, daß die kooperative Kolonisation ein integraler Teil des Zionismus ist. Und eben dieser Beschluß hat es möglich gemacht, daß die palästinensische Arbeiterschaft ihren Willen durchgesetzt hat. Jetzt muß dieser Beschluß erneut, mit vollem Ernst und Konsequenz durchgeführt werden. Vom Kongreß muß die breite jüdische Oeffentlichkeit die folgenden zwei Hauptprinzipien hören, die zu heiligen Geboten unserer Kolonisationspolitik werden müssen: Nationalisierung des Bodens und Selbstarbeit. Der Boden muß dem Volke gehören, und die Früchte dem, der den Boden bearbeitet hat. Außer der landwirtschaftlichen Arbeit werden eine wichtige Rolle die öffentlichen Arbeiten einnehmen, die viele Einwanderer beschäftigen werden. Auch auf diesem Gebiete haben wir eine interessante Erfahrung. Die vereinigte jüdische Arbeiterschaft in Palästina zeigt mit Stolz auf die Resultate ihrer diesbezüglichen Tätigkeit im Laufe der letzten Zeit. Und der Kongreß darf es nicht zulassen, daß der „Waad Hazirim" versucht, die Autonomie der Arbeiterschaft auf diesem Gebiete zu verringern. Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina ist diejenige Kraft, die von der Geschichte berufen ist, den Zionismus zu verwirklichen, und deshalb ist das Vertrauen auf die Arbeiterschaft die erste Bedingung für eine zionistische Kolonisationsarbeit. Delegierter Leon Lewite (Polen, deutsch): Es ist auf den Kongressen eine sehr schlechte Gewohnheit und Tradition von uns, über sehr ernste, komplizierte, prinzipielle Fragen und Systeme zu verhandeln, wobei der größte Teil von uns von den Dingen sehr wenig oder garnichts versteht. Auch in diesem Falle ist das geschehen. Die Delegierten sollen die Schiedsrichter über Kolonisationsprobleme sein. Wir haben von Ruppin, Soskin und anderen lange, einander widersprechende Referate gehört, zu deren Beurteilung wir nicht berufen sind, weil nur die Fachleute sich ein Bild davon machen können, wenn sie in Palästina sind und alle Sachen prüfen und analysieren. Ich glaube deswegen, daß es ein großer Fehler wäre, wenn wir es so machen würden, wie es der Herr Vorredner vorgeschlagen hat. Wir sollen unsere Resolutionen über Dinge fassen, die ein wichtiges Prinzip schon hier stabilisieren für die Zukunft, und wir sollen mit fertigen Doktrinen und Resolutionen an die schwersten Kolonisationsprobleme herantreten und hier entscheiden, wie die Kolonisation künftig vor sich gehen soll. Wir haben jahrelang experimentiert und jetzt kommt man zu uns und sagt: die Zeit ist noch nicht um, das Experimentieren ist noch nicht vorüber, wir müssen noch neue Experimente machen. Man kommt und sagt, wir sollen es in dieser oder jener Weise endgiltig machen. Ich wiederhole: wir sind nicht dazu berufen, und ich warne alle jene, die auf diesem Kongresse die prinzipiellen Kardinalpunkte ein für allemal entscheiden wollen. Wir können es nicht machen und sollen es nicht machen, wenn der freie Lauf der Dinge weitergehen soll. Dagegen sollen wir das machen, was wir bis jetzt nicht gemacht haben. Wir haben gehört, daß die Exekutive zwei Wochen vor dem Kongresse zwei Herren eingeladen hat, um ein Projekt auszuarbeiten. Selbstverständlich kann nicht die Rede davon sein, daß man zwei Tage in London sitzt und in diesen zwei Tagen die Sache entscheidet. Es muß dazu eine Kommission anerkannter Fachleute eingeladen werden und in Palästina das Richtige endgiltig feststellen. Selbstverständlich werden in den nächsten Jahren wieder nur Versuche gemacht werden können, aber von Leuten, dje etwas davon verstehen. Aber dagegen muß man protestieren, daß man von vornherein Sachen durch Leute ausführt, die es so machen, wie sie es gerade verstehen. Wir können uns nicht auf ein System festlegen, und wenn wir sehen, wer an 424