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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 423

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 423 (sequence 433)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Vizepräsident Berlin: Ich bitte den Herrn Redner, seinen Antrag in schriftlicher Form dem Palästina-Comitee zu übergeben. Das Wort hat Herr Rubaschow. Mitglied des A.C. Salman Rubaschow: In den letzten Tagen, seitdem der Kongreß begonnen hat sich mit praktischen Kolonisationsfragen zu beschäftigen, macht sich eine Tendenz bemerkbar, in den Debatten und in den Kommissionen, den Delegierten mit den finanziellen Nöten die Lust zu nehmen, an eine Kolonisationsarbeit auf neuer Gundlage zu denken. Dies ist eine gefährliche Tendenz, von der sich der Kongreß befreien muß. Nur vom Kongreß und von den Arbeitsmethoden, die er bestimmen wird, hängt im großen Maße die Opferwilligkeit der jüdischen Massen ab. Wenn der Kongreß will, daß das Volk auf seinen Ruf die gehörige Antwort geben soll, muß er auch dafür sorgen, daß die Arbeitsmethoden, die er bestimmen wird, in Wirklichkeit den Bedürfnissen des Volkes entsprechen und die Möglichkeit einer breiten jüdischen Einwanderung schaffen. Auf zwei Wegen wurde bisher die jüdische Kolonisation in Palästina geführt. Das erste System ist etwa 40 Jahre alt und seine Hauptpunkte sind: Privateigentum am Boden und gedungene Arbeitskraft. Das zweite System ist 10 Jahre alt und seine Merkmale sind: Der Boden gehört der Allgemeinheit, der größte Teil dem Nationalfonds, und die Bevölkerung arbeitet selbst. In seiner weiteren Arbeit wird sich der Zionismus für einen der beiden Wege entscheiden müssen, und der heutige Kongreß ist zum ersten Mal in der Geschichte des Zionismus imstande, über diese Frage nicht auf Grund abstrakter Theorien, sondern auf Grund lebendiger Erfahrungen zu urteilen. Beide Wege haben große Anstrengungen und Opfer gefordert, und was lehren uns die Resultate? Oekonomisch ist die privatwirtschaftliche jüdische Kolonisation in Palästina genau so wurzellos und von der umgebenden nichtjüdischen Bevölkerung abhängig, wie jedes jüdische Städtchen in Litauen oder Polen. Zionistisch muß eine jüdische Kolonie, die auf Lohnarbeit aufgebaut ist, ein kleiner unproduktiver jüdischer Minderheitsbezirk werden, der von einer nichtjüdischen arbeitenden Majorität umgeben ist; und dies muß uns immer von dem Ziel, das sich der Zionismus gestellt hat, systematisch entfernen. Und menschlich? Menschlich muß solch eine Gemeinschaft an allen Wunden leiden, aus denen jetzt die Menschheit auf der ganzen Welt blutet. Der Zionismus muß einmal offen und kategorisch erklären, daß er diesen Weg nicht mehr betreten wird! Unter den schwersten Bedingungen hat sich während der letzten 10 Jahre die Arbeiterschaft einen neuen Kolonisationsweg gebahnt: ohne Privatwirtschaft und ohne Lohnarbeit, auf dem Boden des Nationalfonds und auf kooperativen Wirtschaftsgrundlagen. Von unten ist dieser Versuch gekommen, die Arbeiterschaft allein mußte hartnäckig jeden Schritt erkämpfen; sie ist noch nicht am Ziele. Viele Kwuzoth leiden noch Not und haben Defizite; aber es muß so sein, solange die Zionistische Leitung in Palästina, die die Kolonisation finanzieren soll, sich zu ihnen wie zu Stiefkindern verhält und sie mit Kleinigkeiten abspeist. Die Kwuzoth werden erst dann Erfolg haben, wenn nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Geldgeber und die Kolonisatoren mit Liebe und Opferfreudigkeit, mit offener Hand und ganzem Herzen und mit einem Glauben an den Erfolg ihre Pflicht tun werden. Aber sogar jetzt schon muß jeder objektive Beobachter zugeben, daß die Arbeiterwirtschaft in Palästina der wichtigste zionistische Aktivposten ist. Nicht nur rein menschlich wird dort der Versuch angestellt, eine neue Lebensform einer gerechten Gesellschaft, ohne Unterdrückung und Ausbeutung zu schaffen, sondern auch vom zionistischen 423

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