Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 419 (sequence 429)
- Language
- German, English, Hebrew
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haben, so beweist das die Notwendigkeit einer solchen Ueberprüfung. Ich weise z. B. darauf hin, daß beim Typus 2 der Kolonisation nach Ettinger 2500 Francs für Viehfutter, die der Ansiedler selbst dadurch erreicht, daß er sich das Viehfutter selbst beschafft, dann als Ausgabe dennoch abgezogen werden, ohne als Einnahme aus der Viehfutterwirtschaft eingestellt zu werden. Daraus ergibt sich eine Differenz von 1720 auf 4200 Francs. Aehnlich ist es beim Typus 6 bei Ettinger, wo statt 218 Fr. Ertrag in Wirklichkeit 1518 Fr. herauskommt. Der Typus 6 Ettinger ist gut, er weist selbst mit Ettinger'schen Zahlen nach, daß man bei einem kleinen Ansiedler auf 5 Dunam bewässerten oder 20 Dunam unbewässerten Boden in der Lage ist, in einem Drittel der gewöhnlichen Arbeitszeit mehr als eine Familie zu ernähren. Wo sind die Herren, die sich dafür interessiert haben? Die derzeitige Methode führt dazu, daß wir kein Geld haben. Wie werden Sie Geld bekommen, wenn Sie 100 Dunam pro Kolonist geben, wenn ein Siedler 300 mal je 1000—2000 tschechische Kronen oder mehr kostet; wenn 1000 bis 2000 Pfund für einen Siedler ausgegeben werden, wie viel sind das österreichische Kronen oder polnische Mark! Versuchen Sie, von 300 Leuten je 1000 bis 2000 tschechische Kronen zu verlangen, damit eine Familie angesiedelt werden kann! Glauben Sie, daß das möglich ist? Wenn Ruppin von den Schwierigkeiten der Kolonisation spricht, dann wundere ich mich darüber nicht, wenn man eine so teuere Kolonisation machen will. Ruppin legt uns ein Budget von 1% Millionen Pfund vor und verspricht uns, davon 30 000 Leute anzusiedeln. Rechnen Sie das nach, so finden Sie, daß man für einen Ansiedler nur 50 Pfund und bei einem Drittel der Personen, die sich selbst erhalten, nur 75 Pfund erhält. Wenn man die Ziffern nimmt, die T r i e t s c h oder S o s k i n bringen, dann findet man, daß in den 1% Millionen nicht nur die Ansiedlerposten, sondern auch dieErziehungsposten stecken und zwar nicht nur die Erziehung von 100000 Pfund ungestrichenem Budget, wie es die alte Leitung ursprünglich wollte. Man sagt, Soskins Projekt werde Millionen kosten. Die Herren haben es leicht, mit Millionen herumzuwerfen. Soskins Projekt kostet 150 000 Pfund. Das sind die Kosten, die Soskin für 500 Siedler braucht und die man bei extensiver Ansiedlungsarbeit für 150 oder vielleicht nur für 75 Siedler braucht. Glauben Sie wirklich, daß man die Verantwortungslosigkeit besitzen darf und angesichts dessen das Projekt Soskins ablehnen und den Versuch mit 150 oder 75 Siedlern unternehmen darf, wo Soskins Projekt eine Massensiedlung ermöglicht? Ich v/ill mich nicht mit den Projekten Wilkanskys, Ettingers und Joffes befassen, die sich über Japan und China lustig machen. Ich empfehle nicht die Einseitigkeit, ich empfehle nicht nur Soskin und Trietsch, sondern auch Ettinger Type VI Kleinsiedelung auf 5 bzw. 20 Dunam, aber ohne Rechenfehler. Ich bitte sich die Thesen durchzulesen, die Ihnen Trietsch und Soskin vorgelegt haben! Es war meine Anregung, Ihnen dies in Form von Thesen vorzulegen, damit der Kongreß verpflichtet ist, zu diesen Fragen Stellung zu nehmen, damit er die Verantwortung übernimmt und es nicht mit dem Worte „Projekt" abtut Ich empfehle Ihnen insbesondere sich die These Nr. 4 durchzulesen, die darauf hinweist, daß Selbstarbeit das Prinzip sein soll und daß Lohnarbeit auf die Dauer nicht geduldet werden soll. Ich bitte ferner zu beachten, daß das Prinzip sein soll, „kein Arbeiter darf mehr Land bekommen, als er selbst bebauen kann." Wir wollen keine Lohnarbeiter. In London ist beschlossen worden, dem Kongresse zu empfehlen, daß das Soskin'sche und Trietsch'sche Projekt der Gartenstadt versuchsweise verwirklicht werden soll. Ich glaube, es ist mehr als ein Versuch. Der Kongreß hat die Verantwortung dafür, ob er die Projekte ablehnen will oder mindestens einen Versuch machen will. Sie müssen diese Verantwortung tragen. Zum Schlüsse eines: Zur Durchführung gehört eine Leitung, welche geeignet ist, die Arbeit durchzuführen. Man kann für eine fremde Idee sterben, aber 27* 419