Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 411 (sequence 421)
- Language
- German, English, Hebrew
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diese keine Arbeit im Lande finden und auswandern müssen, dann schaden sie unserer Sache im Auslande. Wir verlieren nicht nur wertvolle Kräfte, sondern dies wirkt auch im Auslande abschreckend und ungünstig. Das bedeutet für uns einen Verlust an Prestige. Die alten Kolonien, welche in Erez Israel schon vor dreißig Jahren existierten, haben den Jischub auf der Basis zu kolonisieren angefangen, die jetzt in den verschiedenen Kolonien existiert. Sie waren das erste Muster für die Kolonisation in Erez Israel. Alle Kolonien ohne Ausnahme leiden darunter, daß sie nicht die moralische und materielle Unterstützung seitens der Organisation haben. Der Kongreß muß sich den Verlust vor Augen halten, den unsere Sache erleidet, wenn man den Kolonien nicht die nötige Aufmerksamkeit widmet. Wir müssen insbesondere auch jene Kolonisten berücksichtigen, welche die ersten waren und welche zu ihrer Zeit auch Chaluzim waren, denen man aber damals noch keine Hilfe angedeihen lassen konnte, wie es heute der Fall ist. Bedenken wir doch, wie viele Opfer diese Menschen gebracht haben. Als das gelbe Fieber ausbrach, haben sie untereinander den Eid geleistet, daß der letzte, der übrig bleibt, nicht Chedera verlasse, sondern ausharre. Und heute prunken wir mit Chedera. In Petach Tikwah waren Leute, die die Wege gemacht, die Luft gereinigt haben, um uns allen das Land vorzubereiten. Wir sind diesen Kolonisten gegenüber noch nicht zu dem Maßstab gekommen, den wir brauchen. Wir müssen durchaus darauf sehen, daß keine anderen Leute in den Kolonien sind als Juden. (Beifall.) Man muß auch verlangen, daß der Kongreß die Kommissionen auffordere, den Kolonien mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Man hat von Häuserbau und verschiedenen anderen Dingen gesprochen. Wichtig ist, daß wir die Arbeit für die Chaluzim nicht von der für die Kolonisten trennen. Der Geist, den wir ins Land hineinbringen, schadet nicht nur den Kolonisten, sondern dem allgemein jüdischen Leben. Wenn wir in Erez Israel ein gesundes, starkes jüdisches Element haben wollen, das in das Land jenen Geist hineinbringt, den wir brauchen, müssen wir alle zusammen in Erez Israel arbeiten. Das wird auch dazu beitragen, daß Erez Israel jenes Land ist, wo wir das Ideal verwirklichen, dem wir seit zweitausend Jahren nachstreben. Das kann nur erreicht werden, wenn wir denjenigen helfen, die schon im Lande sind. Außer den Chaluzim müssen auch große Kapitalien ins Land kommen und durch die Zusammenarbeit der zwei Elemente werden wir das Land im Geiste der nationalen und religiösen Wiedergeburt aufbauen. (Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Kaplansky: Das Wort hat Herr Dr. G o 111 i e b. Delegierter Dr. H. Gottlieb (Polen, jüdisch): Geehrter Kongreß! Wenn man über die Palästina-Arbeit spricht, vergißt man eins: Für Palästina muß man auch in den Golusländern arbeiten, für jene Juden, die in Kürze Palästinenser sein werden. Die Juden, die in vier bis fünf Jahren einwandern sollen, wohnen jetzt unter uns. Unter ihnen muß Palästinaarbeit gemacht werden. Diese ist aber noch nicht angefangen worden. In Osteuropa, z, B. bei uns in Polen, ist in breiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung eine ungeheure Stimmung dafür, nach Erez Israel auszuwandern. Auf der linken Seite des Kongresses nennt man das Aliah. Bei uns sagt man: „Ich will fahren machen ein Leben in Erez Israel'4. Diese Juden haben ihre Anschauungen und Interessen im zukünftigen wirtschaftlichen Leben in Erez Israel. Deswegen wollen sie Informationen haben und wollen, daß man ihr Interesse wahrt. Wrir stehen noch heute vor dem großen Problem, wie der jüdische Jischub sich entwickeln wird, ob vom Dorf zur Stadt, oder umgekehrt. Es ist klar, daß wir keine Zeit zu verlieren haben, daß wir daher auf der Linie des 411