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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 409

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 409 (sequence 419)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Ich komme jetzt zu einem zweiten Punkt. Praktische Arbeit in Palästina. Wenn wir praktische Arbeit in Palästina leisten wollen, so ist selbstverständlich in erster Linie nötig, daß wir Bodenankauf machen. Je mehr wir dies tun, und je schneller, desto sicherer kommen wir zum Ziele. Ussischkin hat deshalb recht getan, daß er Boden gekauft, ohne früher viel herum zu fragen. Wir leben jetzt in einer Zeit, wo wir mehr denn je an das gescheite Wort Adolf Stands denken müssen: „Zuerst handeln, dann verhandeln"! Und wenn Herr de Lieme Ussischkin daraus einen Vorwurf macht, so rufen wir ihm sein eigenes Wort zu: „Ipcha mistavra". Es ist dies ein großes Verdienst Ussischkins, daß er diesen Ankauf gemacht. Ussischkin, der „Tyrann", hat damit eine große rettende Tat geleistet, für die wir ihm nicht genug Dank wissen können. Ein Satz unserer Weisen lautet: Ein Mensch ohne Boden ist kein Mensch. Der Bodenankauf im Lande der Väter rettet den jüdischen Menschen. Doch gilt auch die Umkehrung: Boden ohne Menschen ist kein Boden. Darum darf, um es nochmals zu betonen, ein so wertvolles Material wie das rumänische Judentum nicht so geringschätzig behandelt werden. Boden, Menschen und — last not least — Einigkeit. Wir kommen jetzt zum letzten und wichtigsten Punkte. In unserer Mitte herrscht jetzt große Uneinigkeit. Ich denke dabei an den Fall B r a n d e i s. Trotz der Vorwürfe, die man ihm macht, daß er kein guter Jude sei, sollten wir dennoch alle Hebel in Bewegung setzen, um ihn wieder in unserer Mitte zu haben. Ist er noch nicht Volljude, wie wir ihn als Führer haben müßten, so kann er es doch mit der Zeit werden, wie es mancher vor ihm geworden. Bis dahin sollte man ihm gegenüber den von echt jüdischer Toleranz durchtränkten Lehrsatz gelten lassen: „Jaan ki nimza bo dawar tow . . . ." Nein, es kann nicht so weiter gehen. Derartige bedauerliche Zwischenfälle rächen sich bitter an unserer Bewegung. Dieser Kongreß ist ein lebendiges Beispiel dafür. Persönlichkeiten, die sonst eine Zierde dieses Kongresses waren, sind ihm jetzt infolge der geschilderten Zustände fern geblieben. Können wir, dürfen wir diesem Zustande müssig zusehen? Ebenso sehen wir mit tiefem Bedauern Uneinigkeit in Bezug auf Herbert Samuel. Das ist ein besonderes Kapitel. Wir haben Samuel I., dem alles begeistert zujubelte und in ihm, der in der heiligen Stadt Jerusalem am Sabbat Nachmu die Hafthora „Nachmu Ami" vortrug, das Symbol der jüdischen Erlösung sahen. Wir haben auch Samuel II, an dem scharfe Kritik geübt wird. Diesem Zustande muß ein Ende gemacht werden, wenn wir anders praktische Arbeit oder überhaupt Arbeit in Erez Israel leisten wollen. Geehrter Kongreß! Delegierter Grünbaum hat oft den Ausdruck gebraucht, daß wir uns in einem Erew-Sabbatzustande befinden. Das erinnert an ein Wort unserer Weisen, wonach am Erew Sabbat die „Luchot", unsere Kultur, das befreiende Wort erschaffen wurde. Gleichzeitig damit, heißt es dann weiter, sind auch die „Mazikim" (Schädlinge) zur Welt gekommen. Auch wir leben jetzt, geehrter Kongreß, in einem Erew-Sabbatzustande, wo das befreiende Wort, die Erklärung Balfours in die Welt hinausgerufen wurde. Doch gleichzeitig damit stellten sich auch die „Mazikim" (die Schädlinge) aller Art ein: Der .Hader in unseren eigenen Reihen und das Aufhetzen der Araber gegen das jüdische Palästina. Und der Dämmerzustand dauert fort, Erew Sabbat. .... Sollte nimmermehr der Sabbat in unsere Mitte einziehen? Geehrter Kongreß! Der Moment ist ernst und von großer Tragweite für das Schicksal unseres Volkes. Bringen wir dem ernsten Momente unseren ganzen heiligen Ernst entgegen. Tun wir uns zusammen, um die Schädlinge von außen und von innen für alle Zeiten aus unserer Mitte zu bannen, treten wir mit vereinten Kräften an den Wiederaufbau des heiligen Landes heran, und bald wird dem Erew Sabbat der Sabbat folgen, der Sabbat mit seiner „Neschama jetera". Israel wird wieder als freies Volk 409

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