Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 418)
- Language
- German, English, Hebrew
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Warburg vor Jahren mit Stolz hinwies, den Hillel Zlatopolsky nach seinem Besuch in Palästina in der „H a z e f i r a" als einen unserer großen Söhne rühmte. Was hat dieser Mann erst an praktischer Arbeit während der Kriegsjahre getan! Sein scharfer Blick sah voraus, daß Palästina unter England kommen wird. Mit ungeheurer Energie richtete er seine Tätigkeit nach dieser Seite. Die Gelder, die in den ersten Kriegsjahren aus Amerika kamen, langten beim englischen Konsul an seine Adresse an. Die Dienste, die er in Palästina leistete, wurden von England in dem Maße gewürdigt, daß nach seinem tragischen Tod durch Sturz aus einem Aeroplan sein Bruder, ein Hauptmann in der englischen Armee, eine Adresse von der englischen Regierung erhielt, in der zum Ausdruck gebracht wurde, daß sie nie die von Aaronsohn geleisteten Dienste vergessen werde. Dieser in Wissenschaft und praktischer Arbeit gleich unsterblichen Mann war ein rumänischer Jude aus Bakau. Doch sind leider scheinbar die Verdienste dieses großen rumänischen Juden in Vergessenheit geraten. Die jetzt ins Land kommenden rumänischen Juden werden, wie aus Briefen hervorgeht, recht stiefmütterlich behandelt. Von allen Seiten erhalten wir Klagen mit der Bitte, sie dem Kongreß vorzulegen. Ich zitiere einen. Herr Ingenieur Braunstein aus Haifa schreibt mir (liest): „In Palästina macht man zwischen Juden verschiedener Staaten Unterschiede und benachteiligt besonders die rumänischen. Früher war es nicht so. Die rumänischen Juden sind die besten Kolonisten, siehe „S i c h r o n Jakob" usw. Aber seit 3—4 Jahren wurde dem rumänischen Juden alles entzogen. Keine Stelle, keine Arbeit, keine Unterstützung. Hunderte von Beispielen kann ich aufzählen. Die rumänischen Juden werden von der englischen Regierung bei der Post usw. gern angestellt, nur beim Waad Hazirim findet man keinen." — Ich bin zwar nicht dafür, daß derWaadHazirim nach Landsmannschaften zusammengesetzt werden sollte, bei solchen Stellen sollte man nur auf die Eignung bedacht sein, doch wundert es mich, daß Ussischkin oder S o k o 1 o w, der die Mitglieder des Waad Hazirim aufzählte, Aaronsohn nicht genannt hat, der, wenn ich mich nicht irre, ihm einige Monate angehörte. Und weiter heißt es in diesem Briefe (liest): „Die rumänische Gesellschaft H e b r o n i a kann keine Erde käuflich erwerben, obgleich wir bar zahlen. Ussischkin verlangte von uns 18 000 englische Pfund für den Hektar (städtischen Boden), also nach heutiger Valuta 3 340 000 Lei. Er verlangte so viel, damit wir nicht kaufen sollten. Schule? Nichts. Der Sohn von Sigmund Iskowitsch aus Braila war mit mir in Mikwa-Israel, man wollte ihn selbst gegen Bezahlung nicht aufnehmen, während andere alles bekommen. Finanziell wird viel Unfug getrieben. Was ist außer einem einzigen verunglückten Versuch in Bar- Schalom geschehen? Wo ist die Gartenstadt Nordau? V/o ist der Herzlwald? Was ist mit der rumänischen Achusa? Gibt man ihr Erde zum Häuserbau oder nicht? Warum das verbrecherische Ansinnen, ihnen das Tal B i s s o n anzubieten, das mit Malaria durchseucht ist? Die Sache muß geändert werden. Kein Centime darf aus Rumänien hinaus, bevor unsere Million rumänischer Juden ihren Vertreter im Waad Hazirim haben und als gleichwertige Bürger angesehen werden." Solche Klagen bekommen wir immer wieder von verschiedenen Seiten zu hören. So von Schalom Mayer in Jaffa und dem langjährigen Sekretär der rumänischen Federation L. Feuerstein. Dieser warnt davor, S c h e i n k i n, der nach Rumänien für Keren-Hajessod-Propaganda kommen sollte, zu unterstützen. Die Keren-Hajessodgelder, die in Rumänien gesammelt werden, sollten ausschließlich für rumänische Juden bereit gehalten werden. Zu welcher Mißwirtschaft solche Separatsammlungen führen könnten, darauf hat Professor Warburg in seinem Referate über den Nationalfonds hingewiesen. 408