Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 406 (sequence 416)
- Language
- German, English, Hebrew
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die Anwesenden es den Abwesenden zu sagen, damit sie informiert sind. In sämtlichen Palästinaämtern gibt es keine Vertreter der Handwerker, ebenso nicht in den Arbeiterbüros. Die Küchen sind halb trefe. (Lebhafte Zwischenrufe.) Es ist ja richtig. Unsere Handwerker sind Kleinbourgeoisie und haben andere Anschauungen als die organisierte Arbeiterschaft. Es müssen also in solchen Palästinaämtern Vertreter des Handwerkerstandes sitzen. Sehen Sie sich doch unseren Kongreß an: Wieviele Vertreter des Handwerkerstandes sitzen denn hier? Schekelzahlende Handwerker gibt es genug. Aber Delegierte sind keine. In sämtlichen Palästinaämtern, in Palästina wie in der Diaspora, müssen Handwerker vertreten sein. In Jaffa ist die Handwerkerschaft organisiert und leistet gute Dienste. Sie helfen sich gegenseitig, sorgen für die Neuankömmlinge, obzwar diese ihnen Konkurrenz machen. Da sie aber ihre kostbare Zeit nicht gänzlich hergeben können, verlangten sie von der Zionistischen Organisation die Anstellung eines Beamten mit 25 Pfund monatlich. Dies wurde abgelehnt und sie müssen selbst arbeiten. Es sind dies einfache Juden, gelernte Handwerker, Maurer, Tischler usw., die 3 bis 4 sh. täglich verdienen. Viele von ihnen wurden erst in Palästina Handwerker. Im Budget für das nächste Jahr ist der Alijahposten mit 100 000 Pfund angegeben. Wollen wir 25 000 Personen ins Land bringen und rechnen wir mit 10 Pfund pro Person, so müssen wir 200 000 bis 250 000 Pfund dafür aufwenden. Es ist auch die Zeit gekommen, wo man von Palästina aus Schiffskarten schicken kann. Man erweist den Chaluzim keine Wohltat, wenn man von ihnen erzählt, daß sie dort Hunger leiden. Es gibt Chaluzim, die 10 Pfund und mehr nach Hause geschickt haben. Das sollte erzählt werden, das würde ihr Prestige heben. Hunderte von Personen in Palästina können ihren Angehörigen Schiffskarten zum Preise von 12 bis 15 Pfund schicken. Ich will mich in Einzelheiten nicht einlassen, aber ich möchte sagen: Für mich beginnt die Alijah in dem Augenblick, wo wir vom guten Willen des zur Einwanderung Entschlossenen überzeugt sind und sie dauert so lange, bis er auf eigenen Füßen steht. Wir müssen also das Budget vergrößern. Auch der Keren Hajessod müßte sich mit anderen Juden und nicht nur mit den Chaluzim befassen. Das würde die Privatinitiative der Einwanderer heben. Die Palästinaämter müßten den Einwanderern nicht nur Informationen geben, sondern auch den Zusammenhang mit den schon auf eigenen Füßen Stehenden ermöglichen. Und noch etwas: Das Uebel, wodurch das Leben in Palästina unmöglich wird, ist die Teuerung und die schlechte Valuta. Ich bin wohl kein Spezialist auf dem Finanzgebiet, aber ich glaube, daß in Erez Israel eine kleinere Währung eingeführt werden muß, und Finanzfachleute behaupten, daß dieser Uebergang zu einer kleineren Münze wohl möglich ist. Wir können mit dem englischen Pfund nicht leben. Es muß eine Währung von höchstens einem Franc geschaffen werden. Ich werde einen diesbezüglichen Antrag der Finanzkommission übergeben. Präsident Sokolow: Die nächste Sitzung beginnt um %10 Uhr. Die Sitzung ist geschlossen. Schluß der Sitzung: 8 Uhr 20 Min. abends. 406