Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 402 (sequence 412)
- Language
- German, English, Hebrew
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niedrigen Gemüsepreisen und vergrößern sie, wenn im vorigen Jahre hohe Preise waren. Die Folge dessen ist, daß in einem Jahre das Angebot kleiner als die Nachfrage ist und die Preise steigen und im nächsten Jahre ist es umgekehrt: die Preise sinken so, daß es sich nicht lohnt, das Gemüse aus dem Garten zu schaffen. So gab es in den Jahren 1918, 1920 viel Verlust, dagegen in den Jahren 1917, 1919—21 gute Konjunkturen in Gemüse. Daraus folgt schon, daß es keinen ausreichenden Absatz für Gemüse in Palästina gibt, trotzdem die Landbewohner mehr Gemüse essen, als das in anderen Ländern der Fall ist. Und Dr. Soskin schlägt Ihnen vor, noch Hunderte und Tausende von Menschen und das ganze Land für die intensive Gemüsezucht in Anspruch zu nehmen. Oder meinen Sie vielleicht, daß die Zeit nahe ist, wo die Stadtbevölkerung so wachsen wird, daß nicht nur die Gemüsebauer, die schon im Lande sind (denn auch der Fellache ist ein intensiver Gemüsezüchter), ein Absatzgebiet finden, sondern auch, daß wir eine konzentrierte Gemüsebausiedlung gründen können? Seien Sie überzeugt, daß noch viele Jahrzehnte vergehen werden, bis wir das erreicht haben! Denken Sie vielleicht, daß in Aegypten und Syrien ein Markt für Gemüse geschaffen werden kann, wie er für Holland in den europäischen Ländern besteht? Sie müssen sich die Tatsache vergegenwärtigen, daß auch der Markt in Damaskus, den wir vor dem Kriege für Frühlingsgemüsen besaßen, uns jetzt wegen der politischen Ereignisse entrissen wurde (die englische Okkupation und die antijüdische Bewegung, die dort erregt wird); und der Markt von Damaskus kehrt nicht mehr zu uns wieder, denn er wird von dem Gemüse aus Aegypten beherrscht. Aegypten schickt schon jetzt seine Gemüse nach Jaffa, Jerusalem, Haifa und Tiberias und konkurriert nicht nur mit unseren Gemüsezüchtern, sondern auch mit den fellachischen in unserem Lande. Dieser Zustand wird sich nicht mehr ändern. Denn nur vor der Eroberung gab es eine Grenze zwischen dem englischen Aegypten und dem türkischen Palästina und Syrien. Jetzt wurden Syrien und Aegypten über Palästina verbunden und auch eine Eisenbahn verbindet das Delta des Nils mit den Flüssen Syriens. Die Frage des Gemüsebaues in Palästina und das Problem der Märkte für unser Gemüse ist meiner Meinung nach wichtiger als die ganze Politik, mit der Sie sich seit einigen Tagen beschäftigen. Denn der Zionismus wird mehr Erfolg haben, wenn Sie mehr wissen werden von der Politik des Gemüsebaues und des Weizens in Palästina. Herr Dr. Soskin hat von der Sonne Palästinas gesprochen; und trotzdem in Palästina die Sonne das ganze Jahr scheint und im Sommer brennt, und in Holland dagegen nur 7 Monate lang die Pflanzen erwärmt, kann doch der holländische Gemüsebauer von seinem Felde 6 Ernten im Jahre machen, der palästinensische dagegen nur dreimal und das nur in gut bewässerten Gegenden. Die Ursache ist ganz einfach. In Zentraleuropa gibt es Absatzmöglichkeiten für leichte Gemüsearten, die nur 3-^4 Wochen von dem Einsäen bis zum Ernten brauchen, sie werden im allgemeinen als Blattgemüse gebraucht, während in Palästina und in den Nachbarländern überhaupt kein Absatz für derlei Gemüse existiert, sondern nur für Gemüse mit Frucht- und Wurzelausnutzung, die viele Monate zu ihrem Gedeihen brauchen. Sie müssen auch wissen, daß das Gewicht der Ernte von einem Felde in leichten Gemüsen immer und in jedem Lande 4—5 mal größer ist, als das Gewicht von Gemüsen, die mit Frucht und Wurzeln konsumiert werden. Die Ernte von jedem Dunam Gemüseboden in Palästina ist sehr klein im Verhältnis zu der in Holland und Sie dürfen auch nicht vergessen, daß: 1. in Holland die Gemüsezüchter einen Boden haben, der dazu seit Jahrhunderten verwendet wurde; wir müssen erst den Boden in den Jahrhunderten, die kommen werden, dazu geeignet machen; 402