Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 403 (sequence 413)
- Language
- German, English, Hebrew
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2. man in Holland es nicht nötig hat, die Gemüsefelder zu hüten, und wir sind heute gezwungen, Geld für das Hüten der Felder auszugeben, denn die Sicherheit unter der englischen Herrschaft ist geringer, als sie es unter der türkischen war; 3. die Türkische Regierung vor dem Kriege den Gemüsebauern und überhaupt der Landwirtschaft mehr geholfen hat, ihre Erzeugnisse schnell auszuführen, als die heutige anglo-arabische. Vielleicht werden Sie sagen, daß wir das Gemüse nicht nach den Nachbarländern, sondern nach Europa schicken sollen, oder vielleicht denken Sie, daß uns mit Konservenfabriken geholfen wäre? Sie sollen wissen, daß der Markt in Europa nicht frei, sondern schon seit langer Zeit besetzt ist. Auch im Winter kann Holland den europäischen Markt mit den in Wärmeanlagen gezüchteten Gemüsen bestreiten, und das noch viel billiger, als wir es könnten wegen der 1—2 Wochen langen Schiffahrt; die Ausgaben für den Versand wären viel zu groß. Wenn wir trotzdem im Winter Gemüse nach Europa schicken werden, so wird auch hier Aegypten die Oberhand gewinnen und dies in jeder Hinsicht, auch was die Konservenfabrikaktion anlangt; denn vor allem ist es eine Tatsache, daß die Konservenfabriken in der ganzen Welt nur ein Viertel oder noch weniger des Preises, den frisches Gemüse am Markt erzielt, zahlen. Daraus folgt, daß die für Konserven produzierenden Gemüsebauern 4—5 mal mehr Mühe haben müssen, als diejenigen, die frisches Gemüse liefern. Die Intensität muß also dadurch von selbst kleiner werden und die Ausbeute würde noch kleiner sein; als Folge davon müßte man wiederum die Anbaufläche vergrößern in einem Maße, daß statt 5—7 Dunam Gemüseboden pro Familie, die Dr. Soskin vorschlägt, der Gemüsebauer 30 Dunam bebauen müßte, um die Fabrik zu beliefern. Und dies würde er nicht mehr mit seinen Händen bebauen können, sondern mit Hilfe einer Maschine, die Hunderte Pfund kosten kann; er würde auch Brennstoff und Maschinenzubehör brauchen, oder ein Arbeitstier und Futter für dieses. Und nach all diesem glauben Sie, daß die Konserven, die aus den Gemüsen von hunderten und tausenden Familien (denn es wird hier von einem Kolonisationssystem gesprochen) gemacht werden, sofort ein Absatzgebiet finden? Ich versichere, daß die Konserven in den Lagern liegen bleiben würden, wie auch der Wein in den Kellern von Rischon-le-Zion liegen blieb, der bestimmt kein schlechterer Artikel ist, als Gemüsekonserven. Die Weirtpreise in Europa decken nicht einmal die Kosten der Herstellung und des Versandes. Und jetzt, was ist eine „billige Kolonisation"? Es ist ein System, das ermöglicht, Menschen für wenig Geld anzusiedeln und sie zu stützen, bis sie sich und ihre Familie von ihrer Wirtschaft ernähren können. Und dieses System ist nur im Prinzip der gemischten Wirtschaft enthalten, die den Familien der Arbeitenden vorerst Brot und Gemüse, Milch und Eier für ihren Lebensunterhalt geben wird; nur der, welcher einen Ueberfluß an Produkten aller Wirtschaftszweige besitzen wird, an Brot und Gemüse, Milch und Eiern, wird damit auf den Markt gehen, der innerhalb des Landes sich befinden wird. Nach allen diesen Sachen gibt es Nachfrage im Lande, und diese wird wachsen zusammen mit dem Wachstum einer Kolonisation von dieser Art. Aber eine landwirtschaftliche Kolonisation, wo der Bauer nur eine Art erzeugen wird, sagen wir Gemüse, und dieses zuerst verkaufen muß, um Brot für sein Haus zu kaufen, eine solche Kolonisation würde uns sehr teuer kommen, denn das Gemüse würde nicht verkauft werden, und die Bauern müßten jedes Jahr zum „Waad hazirim" nach Jerusalem fahren, um ein „Budget44 zum Ankauf von Brot u, dergl. bei den Fellachen zu fordern. Es ist ersichtlich, daß das Geld, das in diese Kolonisation hereingesteckt werden würde, keine Früchte tragen und nur einen „Jischub" von ewigen Schnorrern in unserem Lande 265 403