Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 399 (sequence 409)
- Language
- German, English, Hebrew
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Man kann sich nicht darauf berufen, daß man bei den Juden wenig Gemüse ißt. Dafür braucht man Zeit. Dr. Soskin beruft sich auf China. Der Weg von Palästina nach China ist so unendlich weit. Es ist ein Weg von Jahrtausenden und es handelt sich dort um eine Bevölkerung von 1000 Menschen per Quadratkilometer, während in Palästina weniger als 20 Menschen auf den Quadratkilometer kommen. Wenn erst eine Bevölkerung von 100 per Quadratkilometer geschaffen ist, indem wir Gartenstädte und Industrien errichten, dann wird die Frage des Absatzes gelöst werden. Dr. Soskin wird in seinem Schlußworte auf die Absatzmöglichkeiten nach Aegypten und Damaskus hinweisen. Ich kann mich aber hier nicht darauf einlassen. Wie schnell wir diese gewinnen werden, wird sich ja zeigen. Wenn er sich als Maximalist bekennt und den Satz aufstellt, eine andere Wirtschaft empfehlen, heißt die bisherige palästinensische Wirtschaft verdammen, so vergißt er, daß das auch Leute verdammen heißt, die seit 15 Jahren dort in der Landwirtschaft als Arbeiter arbeiten. Es heißt, mit der Menschenkraft nicht rechnen. Es ist eine Verkennung nicht nur der Sonnen- und Bodenkraft, sondern auch der Menschenkraft, die sich dort angehäuft hat. Lassen Sie mich nun kurz meine eigenen Vorschläge resümieren. Nolens volens hat der N. F. in Palästina Farmen gegründet und Leute dort arbeiten lassen. Ich habe in meiner Schrift über die Methoden der Kolonisation in Palästina, aus der manche terminologische und methodologische Dinge Gemeingut sehr vieler Zionisten geworden sind, darauf hingewiesen, daß die kleinen Farmen in Kolonien umgewandelt werden müssen. Es war ein Fehler, kleine Flächen zu erwerben. Aber da solche bestehen, sollen sie ausgebaut werden. Wenn ich Zeit hätte, so würde ich auf diese Frage eingehen können. Ich werde das in der Kolonisations-Kommission tun und will mich daher hier nur auf das Positive beschränken und sagen: Ich schlage nicht eine einseitige Kultur, sondern eine mannigfaltige vor, wie sie die Vielfältigkeit von Palästina und des dortigen Menschenmaterials verlangt. Ich sage: Die früheren Anfänge müssen ausgebaut und konsolidiert werden, nicht abgebaut und zerstört. Der Boden, den die Zionistische Organisation durch den N. F. erworben hat, darf nicht verringert, sondern muß erweitert und ausgebaut werden. Die Flächen, die nach furchtbarem Kampf gekauft worden sind, müssen ausgenützt werden, im Anfange extensiv, und intensiv dort, wo es möglich ist. Keine Doktrin in dieser Beziehung und keine Dogmen! Man muß diesen Boden von den Arabern in Besitz nehmen, da er nach einem Vertrage, der existiert, uns sehr bald übergeben werden muß. Man wird dann nicht die Schwierigkeiten haben, die man in dem ersten Siedlungsorte des Emek Jesreel — in Merchawia — hatte. Man wird aber diesen Boden gegen die Einfälle der Beduinen schützen müssen und man wird daher viele Leute dort haben müssen. Die Böden sind ausgezeichnet, aber es gibt dort Sümpfe und man kann nicht ansiedeln, bevor sie drainiert sind. Man wird auch bewässern, und bevor die Irrigation nicht nach einem guten technischen Plan, den jetzt Rudenberg ausarbeiten wird, durchgeführt ist, wird man nicht zu einer intensiven Kultur schreiten können. Das gibt es nicht. Wir hatten solche Böden. Aber dadurch, daß man nicht planmäßig gearbeitet hat, erleben wir das traurige Beispiel, daß 4000 Dunam in Kinereth und Dagania durch den Mangel der Irrigationsvorarbeiten von der Möglichkeit intensiver Kulturen ausgeschlossen sind. Und so wird die Forderung nach höchst intensiven Kulturen immer Geschwätz bleiben; solange nicht die Vorbedingungen, wie Bewässerung usw. geschaffen sind. Das wird viel Zeit und viel Geld brauchen. Man wird aber nicht nur mit dem Boden zu rechnen haben, sondern auch mit den Menschen, mit Hunderten von Arbeitern und Familien, 399