Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 398 (sequence 408)
- Language
- German, English, Hebrew
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die ist es, die es auch in Palästina gibt und die gewiß stark betont werden muß. Diese Tendenz ist eine allgemeine. Sie muß gefördert werden, aber von heute auf morgen können Sie nicht Methoden einführen, für die die nötigen Vorbereitungen nichf vorhanden sind. Ich habe Intensivierung nicht durch Worte gepredigt, sondern ich habe sie durch Taten geübt. Ich habe vor 24 Jahren schon einen Betrieb organisiert, wo auf 200 Dunam 200 Leute arbeiteten, also ein Mann pro Dunam. Ich habe noch im vorigen Jahre in Palästina Betriebe ins Leben gerufen, wo man überhaupt fast keinen Boden braucht, Baumschulbetriebe, wo die Leute ganz unbedeutende Flächen brauchen. Aber daraus folgt noch nicht, daß man überall ähnliche schaffen soll. Man kann nicht überall das Gleiche machen. Wir haben in Kinereth 9 Jemenitenfamilien, die Gemüsebau treiben und 40 bis 45 Pfund Bruttoertrag pro Dunam hatten. Wenn wir dort noch 9 Jemenitenfamilien mit denselben Kulturen sich beschäftigen lassen, kommen wir in die größte Klemme. Es handelt sich hier nicht um technische Momente. Man kann sehr leicht technische Methoden unter den verschiedensten Bedingungen einführen. Man kann nicht nur mit Bewässerung große Intensivität bewirken. Man kann z. B. im Gebirge, wie ich es in der letzten Zeit getan habe, Terrassen bauen. Man kann dort intensivste Kulturen einführen. Man kann so zu einer Einrichtung zurückkehren, die schon im Altertum existiert hat. Aber man darf nicht sagen, das ist eine Panacee. Jedes Allheilmittel erweckt den Verdacht der Kurpfuscherei. Dr. Soskin hat mit einer politischen Begründung angefangen. Er hat gemeint, wir werden, wenn wir uns auf wenig Boden beschränken, nicht in einen Konflikt mit unseren Nachbarn kommen. Dr. Soskin hat hier wenig davon erwähnt, aber in einer Schrift spricht er von der Ackerbeetkultur, welche Demtschinski vor Anfang der ersten Revolution in Rußland auf die Tagesordnung gestellt hat und welche die „Nowoje Wremja" mit großer Freude aufgenommen hat. Man wollte damals in Rußland die schwierige agrarische Frage damit lösen. Es ist nicht gelungen und kann nicht gelingen. Wie sich die europäische Wissenschaft dazu verhält, darüber hat man Bände geschrieben. Ich will aber bloß das französische Sprichwort zitieren: „II faut sept ans pour faire un potager". Man braucht 7 Jahre, um einen Gemüsegarten zu machen. Man kann aber auch nicht Menschen in der Eile zu Gemüsebauern und Gärtnern machen. Daß in Deutschland, England usw. Leute mit Erfolg im Nebenberuf Gärtnerei betreiben und sich selbst versorgen, darf keineswegs, wie es Trietsch und Soskin getan haben, als Grundlage für eine wirtschaftliche Entwicklung eines Landes genommen werden. Es darf nicht nur auf Gemüse allein ankommen, sondern auf eine Verbindung aller möglichen Kulturen. Wenn diese vorhanden ist, ist der Gedanke brauchbar. Aber in Soskins Vorschlägen ist dies nicht der Fall. Er berichtet nicht, daß man in Palästina noch keinen Markt hat und er noch nicht organisiert ist. Niemand hat so heiß den Gemüsebau gepredigt, wie ich es in meinen „Methoden der jüdischen Kolonisation" getan habe. Dr. Soskin schreibt einfach von dort ab. Ich meinte dort: Ebenso wie es gelungen ist, in Palästina den Absatz von Wein und Orangen zu organisieren, so werde es gelingen, den Absatz von Gemüse zu organisieren. Aber man braucht viele Jahre dazu, und was wird es kosten? Es hat Millionen gekostet, den Absatz des Weines zu organisieren, und es wird auch wieder Millionen kosten, den Absatz von Gemüse im ganzen zu organisieren. Die Kolonisation der alten Kolonien hat hundert Millionen Francs gekostet und man schätzt, daß jetzt nur 60 Millionen Francs an Vermögen in den Kolonien sind. So kann man allerdings eine Bilanz nicht machen. Außer den Materialwerten gibt es noch vieles andere einzuschätzen. In dem Defizit stecken aber sehr viele Ausgaben für die Gewinnung der Märkte für Wein und Orangen und noch mehr wird der Absatz von Gemüse erfordern. 398