Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 384 (sequence 394)
- Language
- German, English, Hebrew
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Dafür müssen auch die Vorbereitungen getroffen werden. Es ist möglich, daß die Soskin'schen Kleinsiedlungen uns auch in der Landwirtschaft weiterbringen. Es ist ein Kapital von 500 000 Pfund für den ersten Versuch erforderlich. (Deleg. Dr. S o s k i n: Aber wo!) Oder 200 000 Pfund. (Deleg. Dr. Soskin: 150 000 Pfund.) Also 150 000 Pfund. Ich sage, mit einem fünften Teil dieser Summe ist es möglich, die notwendigen Vorbereitungen zu treffen, um Industrien im Lande zu schaffen, die Tausende von Arbeitern beschäftigen können. Herr Soskin, Sie werden keine Konkurrenz darin erblicken, wenn ich diesen Standpunkt vertrete. Denn eben die Schaffung dieser Städte macht die Schnellkolonisation Soskins erst erfolgreich. Erst durch diese Städte ist der Absatzmarkt für Gemüse und Produkte geschaffen, die in diesen Kleinsiedelungen hergestellt werden. Darum dürfen wir diesen Gesichtspunkt nicht außer Acht lassen, er muß für die nächsten Jahre in die erste Reihe gestellt werden, denn wir haben nicht viel Zeit, in fünf Jahren müssen wir die Majorität im Lande haben. (Lebhafter Beifall.) Das ist die längste Frist. Wir können dieses Ziel erreichen, wenn wir so vorgehen, daß wir Städte gründen und in den jetzt bestehenden Städten durch Schaffung von Industrien die Mehrheit im Lande erlangen. Es kommen da eine Menge von Industrien in Betracht, auf die ich nicht näher eingehen will. Herr Jean Fischer kennt auch eine Industrie, die möglicherweise Tausende Arbeiter im Lande beschäftigen könnte. Dann sind die Konfektionsindustrien, die man als spezifisch jüdische bezeichnen kann, Silber- und Goldschmiedekunst, die Bürstenindustrie, die Erzeugung von kleinen Gebrauchsgegenständen aus Zellulose, wie sie in Russischpolen in großem Maße betrieben wird, Webereien und Spinnereien wie in Lodz. Es sind Versuche im Gange, die Sache zu machen, aber sie müssen durch Kredite und dadurch unterstützt werden, daß man Fachmänner ins Land ruft, die in alle diese Gebiete, wo jüdische Industrien sind, sich begeben und feststellen, ob und in welcher Weise ihre Ueberführung nach Palästina möglich ist. Von Herrn Dr. Ruppin wurde eine Sache erwähnt, die von sehr großer Bedeutung ist und die, wie ich meine, von uns ins Auge gefaßt werden kann, um auch die Häuser für diese Menschenmassen in Kürze zu schaffen. Es ist der Aufmerksamkeit des Kongresses bei der Fülle der Gegenstände vielleicht entgangen, daß er von der Hypothekenversicherung gesprochen hat. Gestatten Sie mir, diese Sache mit einem Worte zu erklären. Wenn jemand ein Haus erwerben will und nicht die nötigen Mittel hat, um das erforderliche Kapital aufzuwenden, er hat z. B. nur die 40 %, von denen Ruppin gesprochen hat, dann gibt es Versicherungsgesellschaften, die eine Hypothek auf das Grundstück geben, wenn der Betreffende gleichzeitig mit dieser Gesellschaft eine Lebensversicherung eingeht. Er hat dann anstatt der Zinsen die Lebensversicherungsprämie zu zahlen. Er hat aber dann die Sicherheit, wenn er erwerbslos wird, in absehbarer Zeit von dieser Hypothek befreit zu werden und wenn er stirbt seiner Familie ein hypothekenfreies Grundstück zu hinterlassen. Das ist eine Sache, die sich für alle jene eignet und als zweckmäßig herausstellt, die mit eigenem Kapital nach Palästina gehen. Dies ermöglicht es, daß der Häuserbau in kürzerer Zeit zustande kommt als durch die bisher übliche Art der Hypothekenbeleihung. Derartige Hypothekenlebensversicherungsgesellschaften und Beleihungsformen existieren mit Erfolg in vielen Ländern. Ich glaube, daß auch Palästina dafür eine große Zukunft bietet. Ich komme nun zu einem Punkte, der es auch verdient, hier hervorgehoben zu werden. Er betrifft unsere künftige Bodenpolitik in Palästina. Da muß ich sagen, wir können jetzt über die Vorwürfe, die bisher gegen den N. F. erhoben wurden, hinweggehen. Der N. F. ist heute in der Lage, 384