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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 383

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 383 (sequence 393)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476278--4683-3480827
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Es ist von Warburg und Ruppin darüber Vieles gesagt worden. Die Palästinakommission hat Fehler gemacht, sie hat ihre Kompetenz überschritten. Sie mußte aber ihre zugesagte Zahlung leisten, das Direktorium und ich selbst konnten nicht zugeben, daß sie vor der ganzen Welt als wortbrüchig dastand. Selbst wenn wir solche Bedenken getragen hätten wie de Lieme wegen des Preises oder wegen der Möglichkeit, andere Erwerbungen zu machen, würde ich es für meine Pflicht gehalten haben, lieber diesen Kontrakt zu bestätigen, als es auf einen Konflikt mit der Palästinakommission ankommen zu lassen, wodurch die Palästinakommission und ihre Mitglieder für alle Zeiten unmöglich und der J. N. F. kreditunwürdig gemacht worden wären. Ich habe mich nicht für befugt gehalten, in eine solche Bewegung kurz vor dem Kongreß einzutreten. Ich war aber auch zu meiner Stellungnahme berechtigt, weil ich immer für Erwerbungen im Emek eingetreten bin und weil ich die Erwägungen de Liemes in diesem Punkte nicht teilen konnte. Gestatten Sie mir auch in dieser Hinsicht eine kleine historische Reminiszenz. Ich habe als blutjunger Mensch im Jahre 1891 eine kleine Schrift verfaßt: „Palästina eine Zufluchtsstätte für die russischen Juden." Es war dies im Anschluß und unmittelbar nach der großen Judenverfolgung in Rußland. Diese Schrift ist dem Baron Hirsch durch Dr. Plotke in Frankfurt zur Kenntnis gekommen. Herr Dr. Plotke in Frankfurt hat mich daraufhin gebeten, einen kleinen Kolonisationsplan in beschränktem Maße zu entwerfen und zu untersuchen, ob und in welcher Weise jüdische Massen in der Landwirtschaft in Palästina angesiedelt werden könnten. Diesen Entwurf habe ich gemacht, er existiert heute noch und es war für mich ein freudiges Ereignis, diese Karte hier zu sehen und mich zu überzeugen, daß der Kolonisationsplan, der damals von Haifa bis Tiberias eine Reihe von Kolonien durch den Emek Israel vorsah, heute, nach 30 Jahren der Verwirklichung entgegenreift. Als junger Mensch, da mir allerdings die Fachkenntnisse und die nähere Kenntnis der Dinge gefehlt haben, habe ich intuitiv den Gedanken gehabt: Hier ist das Herz des Landes, hier müssen wir festen Fuß fassen, von hier aus können wir das Land kolonisieren, hier müssen wir anfangen. Daß ich nach 30 jähriger Arbeit dann nicht anders konnte, als die erste Gelegenheit zu ergreifen, um diesen Plan zu verwirklichen, werden Sie verstehen. (Lebhafte Zustimmung.) Eine weitere Frage betrifft die städtische oder ländliche Siedlung. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, daß ich der Auffassung bin, so wichtig und wertvoll die ländliche Siedlung in Palästina ist, so notwendig es ist, alle Hebel anzusetzen, um festen Fuß im Lande zu fassen und das Land für den Ackerbau und die Bewirtschaftung in Besitz zu nehmen, so ist es andererseits doch klar, daß, wie die Dinge heute liegen, zur politischen Erwerbung des Landes die Basis der Kolonisation eine andere sein muß als die landwirtschaftliche. Die landwirtschaftliche Kolonisation erfordert Jahre, ja sogar Jahrzehnte von Versuchen und die Ausführung selbst wird nur eine ganz langsame Vermehrung der landwirtschaftlichen Bevölkerung gestatten. Wir haben keine Zeit, so lange zu warten, wir müssen auch die Städte bevölkern und städtische Massen aufnehmen. ' Der Jude ist durch die Geschichte Städter geworden. Es ist keine so gewaltige Umschichtungsarbeit erforderlich, um den Juden als Städter in die palästinensische Stadt zu bringen. Notwendig ist das, was Trietsch seit Jahren tauben Ohren predigt, vielleicht weil er mit nicht ganz zuverlässigen Zahlen gerechnet hat, weil ihm vielleicht die Erfahrung fehlt. (Mitgl. des A. C. Trietsch: Wollen Sie das vielleicht belegen?) Ich sage, vielleicht. Vielleicht sind Ihre Zahlen auch richtig. Die Prozente, die Sie ausgerechnet haben, sind mir auch gleichgültig, aber das Prinzip ist richtig und darauf kommt es an. Ich bin überzeugt, daß wir Städte gründen müssen, daß wir Industrien im Lande schaffen müssen. 383

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