Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 381 (sequence 391)
- Language
- German, English, Hebrew
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Differenz war ich sehr erregt und sprach mich mit Herrn Julius Simon hierüber aus, der jetzt die Verwaltung des N. F. und die palästinensische Kommission so scharf angegriffen hat. Ich bin mit ihm in vielen Punkten seiner Politik einverstanden und habe es deutlich durch Zwischenrufe dem Kongresse kundgegeben. Man hat mich deshalb sogar der Simonie beschuldigt. (Heiterkeit.) Präsident Sokolow: Das ist unparlamentarisch. Delegierter Dr. Bodenheimer (fortfahrend): Ein unparlamentarischer Ausdruck wird sofort parlamentarisch, wenn er scherzhaft gemeint ist. Aber gerade Simon war es, der einer der Mitglieder der Revisionskommission für den N. F. war, und ich möchte Herrn Simon, der leider nicht hier ist, aber Herr de Lieme wird es ihm ja sagen, (Del. de Lieme: Ja!) daran erinnern, daß er, nachdem ich ihm erklärt habe, ich könne diesen Zustand nicht länger dulden und ich gehe lieber vom N. F. weg, obgleich er mir teuer ist, als daß ich länger zu diesen Zuständen schweige, mich beruhigt und gesagt hat: Warten Sie erst die Beantwortung Ruppins ab. Vielleicht liegt ein Mißverständnis vor. Jedenfalls wird er seine guten Gründe für sein Verhalten haben. Vor allem aber darf diese Differenz nicht in der Oeffentlichkeit breitgetreten werden. Ich verstehe heute Ruppin wohl und ich habe auch damals verstanden, daß er sich in einer Zwangslage befand: tout connaitre c'est tout pardonner. Die Sache war einfach so: Ruppin war durch die Notwendigkeit der Arbeit im Lande gezwungen, die Dinge zu fördern, er konnte die Arbeit nicht halbfertig liegen lassen. Die Konferenzen mit dem A. C, mit der Exekutive nehmen ungeheuere Zeit in Anspruch und dann war es unter Umständen nötig, Sitzungen des Direktoriums stattfinden zu lassen, und bis diese stattfanden, konnte nicht gewartet werden. So sind viele Mißstände zu erklären und sie können nur beseitigt werden, wenn die Ursache dieser Unstimmigkeiten weggeräumt wird und wenn die Körperschaft, die die Verantwortung für die Arbeit in Palästina zu tragen hat, dort ihren Sitz hat, wo sie imstande ist, die Dinge selbst zu übersehen und an Ort und Stelle ihre Beschlüsse zu fassen. (Beifall.) Es sind gegen den N. F. im Laufe des letzten Jahres verschiedene Vorwürfe erhoben worden. Teilweise sind es ganz alte Ladenhüter, über die ich ganz kurz hinweggehen kann. Es ist vor allem die Frage der landwirtschaftlichen Kredite an die P. L. D. C. und der Kredit für Tel Awiw, die in Frage stehen. Um diese Sache endlich klarzulegen, halte ich es für angezeigt, mit einem Worte auf die geschichtliche Ursache des Vorganges zurückzugehen, durch die der J. N. F. zur Gewährung dieser Anleihen genötigt worden ist. Das Direktorium war in der Verwendung seiner Gelder keineswegs frei. Es war gebunden erstens durch die Kongreßbeschlüsse, zweitens durch die elenden Zustände in der türkischen Gesetzgebung. Ein wichtiger Kongreßbeschluß, der jetzt leider der Vergessenheit anheimgefallen ist, war der, daß, bevor der N. F. die Höhe von 5 Millionen erreicht hat kein Land gekauft werden dürfe, ein anderer Umstand, der uns hinderlich war, war der, daß nach dem türkischen Gesetze der N. F. kein Land auf seinen Namen erwerben konnte. Ein dritter Umstand war die Bestimmung unseres Statutes — achten Sie wohl darauf, — daß Land nur mit Genehmigung der Generalversammlung gekauft werden konnte, wenn nicht die Generalversammlung ein für allemal einen Beschluß gefaßt hat, der feststellt, daß die nötige öffentliche Sicherheit für das Land des N. F. gewährleistet ist. Alle diese Umstände banden uns die Hände. Wenn wir genau nach diesen Prinzipien hätten vorgehen müssen, hätten wir weder Land kaufen können, noch hätten wir mit unserem Gelde etwas Vernünftiges anfangen können. Da war 381