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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 380

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 380 (sequence 390)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Arbeit einstellte. Das größte Verbrechen wäre, still zu stehen und nicht voranzugehen. Wenn ich als einer der Aeltesten in der zionistischen Bewegung auf die Vergangenheit Rückschau halte, so muß ich sagen: Wenn wir ehrlich sind, wir haben trotz aller Fehler, die gemacht worden sind, gewaltige Schritte vorwärts gemacht, auch in der Arbeit in Palästina. (Lebhafter Beifall.) Man ist berechtigt, wenn man Kritik übt, die Lupe für die wissenschaftliche Forschung zur Hand zu nehmen. Aber bedenken Sie wohl, die Lupe ist nicht nur ein Mittel, um einen Gegenstand zu untersuchen, sie ist auch ein Brennspiegel und wenn man sie zu scharf auf einen Punkt konzentriert, dann ist es möglich, daß das zarte Gewebe unserer ersten Einrichtungen in Palästina, die zarte Pflanze der Kolonisation durch diesen Brennspiegel der Kritik zerstört wird. Gerade der N. F. ist eine solche Einrichtung, bei der die Gefahr einer allzu scharfen und manchmal unbegründeten Kritik sehr groß ist, denn der N. F. ist auf die Anerkennung und das Vertrauen der Massen zu der Uneigennützigkeit, Integrität und Tüchtigkeit seiner Leitung besonders angewiesen. Und nun komme ich zur Sache. Gestern noch hat eine mir sehr nahe stehende Dame von einer palästinensischen Freundin einen Brief erhalten. Darin steht ein Wort: Die Palästinenser, die nach Karlsbad zum Kongreß gefahren sind, haben alle vor ihrer Abreise den feierlichen Eid abgelegt, daß sie nicht „den Emes" sagen werden. (Lebhafte Heiterkeit.) Meine Verehrten! An dieses Scherzwort glaube ich nicht. Wenn man die Kritik hört, die von Palästina selbst kommt, kann man schon von vornherein feststellen, daß da etwas nicht stimmt. Denn der eine Palästinenser sagt dies und der andere das gerade Gegenteil. Ich bin der Meinung, wir müssen uns bezüglich der Berichte über Palästina an die Männer halten, die seit Jahrzehnten in der Abeit stehen und für das, was dort geschieht, verantwortlich sind. Ich bin überzeugt, daß Herr Dr. Ruppin den feierlichen Eid, „nicht den Emes zu sagen", nicht geleistet hat und daß wir uns auf die Zuverlässigkeit seiner Angaben verlassen können. Ich hatte in den langen Jahren, wo ich die Leitung des N. F. hatte, auch Gelegenheit, in Differenzen und Unstimmigkeiten mit Ruppin und mit der Leitung unserer Palästinaarbeit zu kommen. Diese Differenzen sind oft sehr scharf gewesen und es ist vorgekommen, daß wir in Köln über die Gewährung einer Summe zur Errichtung von Ställen, z. B. in Merchawia, ernstlich beraten und erst später durch Zufall festgestellt haben, daß die Ställe längst errichtet waren, bevor wir noch mit unseren Beratungen zu Ende gelangt waren. Das ist einer dieser Fälle. Ich hatte eine andere Schwierigkeit mit Ruppin, die zu einer erregten Auseinandersetzung über die landwirtschaftliche Genossenschaft, von der auch Levin-Epstein eben gesprochen hat, führte. Aber in Parenthese gesagt: Das Oppenheimersche Siedlungsprojekt hatte nichts mit dem Kommunismus zu tun, das werden mir die Herren von der Linken ohne weiteres zugeben. Das Scheitern dieser Siedlung ist auf Gründe zurückzuführen, die weder mit dem Kommunismus, noch mit dem Oppenheimerschen Siedlungsplan etwas zu tun haben, sondern mit den Umständen, die durch die Herrichtung eines für die Wirtschaft noch nicht vorbereiteten Bodens, anderseits durch den Krieg entstanden sind. Aber im Verlaufe dieser Arbeit trat Dr. Ruppin mit dem Verlangen an uns heran, das Geld für die Einrichtung der Genossenschaft zu geben. Wir in Köln waren der Meinung, daß es sich um die Oppenheimersche Genossenschaft handle, erst später hat sich die Sache aufgeklärt und es hat sich herausgestellt, daß das Geld nicht für die Oppenheimersche Siedlung bestimmt war, sondern für die „Kwuza", die Genossenschaft zur Vorbereitung der Oppenheimerschen Siedlung. So hatten wir einen großen Betrag, der für die Oppenheimersche Siedlung bestimmt war, ausgegeben, noch ehe diese begonnen war. Ueber diese 380

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