Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 375 (sequence 385)
- Language
- German, English, Hebrew
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weshalb. Ich wurde aber überstimmt und in London wurden diese 12 000 Pfund bewilligt. Als Professor Franz Oppenheimer nach Amerika mit seinem Plan von Merchawiah kam, fragte ich ihn, ob er wirklich glaube, damit in Palästina Glück zu haben, wenn es ihm mit dem viel besser disziplinierten Element in Deutschland nicht gelungen ist. Wenn wir unseren Individualismus in Betracht ziehen, so wissen wir, daß bei uns kommunistische Gruppen nicht für lange Zeit existieren können. Was ist aus der Merchawiah geworden? Außer dem Boden und den Häusern ist nichts da. Ich habe mit einem Manne von dieser Gruppe, einem Ueberbleibsel der Gruppe Merchawiah von Oppenheimer, unlängst gesprochen. Sieben Jahre seines Lebens hat er dieser Idee mit Enthusiasmus gewidmet. Er bat mich: Sehen Sie doch, daß das Land, das ich jetzt in Merchawiah bearbeite, mir von dem N. F. übergeben werde, damit ich es für mich und meine Familie bearbeiten kann. Ich will keiner Gruppe angehören, aber die Leiter der Arbeit wollen mich dazu zwingen, in der Gruppe zu bleiben und nicht selbständig zu werden. Nach meiner Ansicht können wir bei dem jetzigen Zustand der Gesellschaft unmöglich kommunistische Gruppen in der Form bilden, wie sie in Palästina gebildet wurden, d. h. den Boden gemeinschaftlich zu bearbeiten und die Früchte gleichmäßig zu verteilen, ohne Unterschied, wie viel jeder gearbeitet hat. Die Triebfeder für die Entwicklung der menschlichen Energie ist seit Jahrtausenden die Selbsterhaltung. Beseitigen wir diese Triebfeder, dann hat der Mensch keine Energie mehr. Ich weiß, daß das Ideal im menschlichen Leben eine große Rolle spielt. Ideale verwirklichen manchmal unmöglich scheinende Dinge, aber sie halten nur für eine gewisse Zeit und nicht für die Ewigkeit vor. (Ruf: Und Daganjah?) Entschuldigen Sie, ich werde auch dazu kommen. Es ist keine Anhänglichkeit und keine Liebe des Menschen zum Boden, wenn er nicht weiß, daß der Boden sein Eigentum bleibt und daß ihn, wenn er alt wird, seine Kinder bearbeiten werden. Es liegt ein Trieb im Menschen, nicht nur für sich, sondern auch für seine Nachkommen zu sorgen. Bei diesem System aber wird dieser Trielr* nicht befriedigt. Dieser Mann, der von Merchawiah gekommen ist, sagte mir: Ich konnte nicht einmal heiraten, denn ich war mit der Kwuzah (Gruppe) verheiratet. (Lebhafte Heiterkeit.) Unsere alten Weisen haben gesagt, es sei viel leichter einmal den Feuertod zu erleiden, als jeden Tag unausgesetzt zu leiden. Es gibt in einer Gruppe kräftigere Menschen, die besser physisch arbeiten können und physisch schwache. Die Verteilung ist aber bei allen gleich. Der Kräftige wird auf den Schwachen nicht in dem Sinne wirken, daß dieser mehr arbeitet, denn das ist ihm physisch unmöglich, sondern der Schwache hat auf den Stärkeren die Wirkung, daß er mit der Zeit zu arbeiten aufhört, weil er sich überzeugt, daß er nicht allein die Früchte seiner Arbeit bekommt. Ich will nur ein Beispiel anführen. Als ich vor 31 Jahren nach Palästina kam, um die Kolonie Rechoboth zu gründen, waren dort schon andere Kolonien gegründet. Dort bekam jeder Arbeiter dasselbe Gehalt, und ein Dunam Land zu kultivieren kostete bei der Rothschild'schen Administration 500 Francs. Ich habe nach einem anderen System zu arbeiten angefangen. Ich habe 500 jüdische Arbeiter 2 Jahre lang beschäftigt und habe erklärt, ich zahle nur nach der Arbeit und dem Verdienst. Ich habe so die besten Arbeiter ausgebildet und es war die beste Empfehung für einen Arbeiter, wenn er sagen konnte, er komme aus Rechoboth. Ein Dunam Land hat mich so durchschnittlich nur 40 frcs. gekostet, obzwar jeder Arbeiter täglich mehr verdient hat als in anderen Kolonien. Ich sage nicht, daß die Kooperative unmöglich ist. In einem gewissen Sinne ist sie sehr nützlich, z. B. wenn wir alles für eine Gruppe Notwendige zusammen einkaufen, Arbeitswerkzeuge, Samen, 375