Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 370 (sequence 380)
- Language
- German, English, Hebrew
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gartenstädtischeForm für nötig halte. Die Summe von 25 Millionen Pfund reicht in einem Falle für etwa 400 000, im anderen Falle für etwa 600000 Seelen. Und hierbei haben wir doch nur die unterstützte Kolonisation in Betracht gezogen. Je weiter wir aber die Kostenziffer der Kolonisation reduzieren können, einen umso größeren Kreis erreichen wir auch von jener zahlreichen Judenschaft, die zwar 1000 bis 2000 Pfund aus Eigenem nicht aufbringen kann, wohl aber Summen von 200 bis 300 Pfund. Und schließlich erweitern wir die Möglichkeiten sowohl des nationalen Hilfswerks wie auch der selbständigen Ansiedlung, wenn es uns gelingt, die in der intensiven Siedlung liegenden Kreditmöglichkeiten, vor allem hinsichtlich des Hausbaues, zu verwerten. Der Wohnungsbau ließe sich mit verhältnismäßig geringer Mühe durch einen großen Konzern auf rein geschäftsmäßige Weise durchführen, dergestalt etwa, daß die Einwanderer mit einer weit unter der jetzigen Jahresmiete liegenden Zahlung die Baukosten verzinsen und dennoch durch Amortisation nach wenigen Jahren in den freien Besitz ihres Hauses gelangen. Ueber gewisse Kombinationen von Hypothekar kr edit und Versicherung wird bei uns schon lange gesprochen. Auch genossenschaftliche oder kommunale Haftung ermöglichen sehr rasche Entwicklungen bei sehr günstigen Bedingungen für die Ansiedler. Auf diese Weise ließe sich in unser neues großes Siedlungswerk auch noch die geschäftlichrentable Grundlage einfügen, durch welche die Chancen des Ganzen sich wesentlich erhöhen. Bleibt noch ein Wort über die Fachleute. Wie jede rationelle Kolonisation, erfordert auch die gartenstädtische eine entsprechende Zahl von Fachleuten. In der bisherigen jüdischen Ansiedlungstätigkeit in Palästina war es einer der größten Fehler, daß man zu wenig auf Fachleute aus gewesen ist. Hauptsächlich lag dies daran, daß bei dem kleinen Umfang und dem zaghaften Tempo unserer Kolonisation die Fachleute zu teuer schienen. In Wirklichkeit aber ist es die a 11 e r k o s t s p i e 1 i g s t e Sache, ohne Fachleute auskommen zu wollen. Wenn wir für eine Gartenstadt von ca. 1000 Familien oder auch für eine Soskin'sche Kleinsiedlung von 500 Familien etwa 10 Fachleute vorsehen, so sind Arbeit und Erfolg der Siedlung aufs beste garantiert, ohne daß auf die einzelne Familie mehr als einige Pfund per Jahr für alle die entscheidenden DiensteundHilfen entfallen, die ihr daraus erwachsen. Die Fachleute ermöglichen es auch den Ansiedlern, viel schneller zu guten Resultaten zu gelangen, als wenn jeder einzelne sich erst selbst in die verschiedenen Gebiete der Wirtschaft hineinzufinden hat. Es wird alles gleich von Anfang an besser, billiger, schneller, sicherer und rentabler. Dabei wird es eine der wichtigsten Aufgaben unserer ersten gartenstädtischen Siedlungen sein, Ausbildungsmöglichkeiten für Fachleute im Lande selbst zu schaffen, um eine rasche und erfolgreiche Ausdehnung des gartenstädtischen Ansiedlungswesens zu ermöglichen. Und nun, geehrter Kongreß, machen Sie aus dem großen Neuen, das in dieser Intensivierung, Beschleunigung, Verbilligung und Vergrößerung unseres Ansiedlungswerkes liegt, — machen Sie aus dem großen Neuen, das Weizmann Ihnen in so starken Worten ans Herz gelegt hat, keine kleine, kleinliche, mutlose, halbe Sache. Schwächen Sie nicht, sondern stärken Sie Weizmann und seine Mitarbeiter in der Richtung, die zu den Resolutionen in London führte, wo es bezüglich der Gartenstadt heißt: „Die Exekutive ist der Ansicht, daß die Gartenstadt eine der wichtigsten Formen unserer Arbeit in Palästina sein wird. Sie errichtet für diese Ansiedlungsf orm ein besonderes Ressort, dem die 370