Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 369 (sequence 379)
- Language
- German, English, Hebrew
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gestiegene Reserveland der Gartenstadt zur Sicherung der Hypothekenkredite herangezogen werden. Hier wäre z. B. ein ungeheuer großes Feld für die Betätigung derjenigen zionistischen Kreise Amerikas, die in der Form des Investments, in der geschäftlichen Beteiligung am Aufbau Palästinas die beste Form der Mitwirkung sehen. Geht doch gerade bei intensiver Kolonisation und bei der Gartenstadt die volle Hälfte des gesamten Kapitalerfordernisses auf Wohnungsbau und noch weitere ca. 15% auf öffentliche Gebäude u. dergl,, die ebenfalls auf Grund von Hypothekenkredit gebaut werden können. Die außerordentliche Billigkeit der gartenstädtischen und der anderen hochintensiven Kolonisationsformen, wie Soskins Kleinsiedlung mit Bewässerung und seine Ackerbeetkultur, wie ferner die neue A c h u s a, die auch die Baumkulturen intensiviert, so daß pro Familie zwei Hektar unbewässerten Bodens genügen dürften, ferner der hochmaschinelle und hochintensive Großlandwirtschaftsbetrieb wie Prof. B a 11 o d sie vorschlägt — alle diese billigen Formen geben uns neben vielem Andern auch gänzlich neue Chancen großzügiger Geldbeschaffung. Soskin rechnet für seine immerhin hauptberuflichen Landwirtschaftsbetriebe mit etwa Lstr. 300 per Ansiedlerfamilie. De facto dürfte er mit sehr viel weniger auskommen, je mehr man auf eine billige Bauweise bedacht ist, und je mehr man durch die Größe der Gesamtsiedlung allerlei Ersparnisse herbeiführen kann. Aber hauptberufliche Landwirtschaft, bei welcher der Einzelbetrieb für die Versorgung von 8 bis 10 und mehr Familien ausreicht, braucht es — dementsprechend — ja nur bis zu etwa 10% zu geben und das Gros der Einwanderer würde demnach in einer nicht landwirtschaftlichen Weise angesiedelt werden müssen, was neben allen anderen Vorzügen auch wesentlich billiger zu stehen kommt. Schon bei Soskins Ziffer halten wir nicht so weit von den Lstr. 200 per Familie, die ich heute noch für das Durchschnittserfordernis einer großzügigen, alle vernünftigen Kolonisationsformen umfassenden Ansiedlungswerkes halte. Kommen wir aber erst auf derartige Ziffern gegenüber der bisherigen Annahme eines Kostenbetrages von 1000 bis 2000 Lstr. pro Ansiedlerfamilie — eine Annahme, in der Ruppin, Ussischkin und Julius Simon ziemlich übereinstimmen, — so bekommen alle unsere Finanzierungsaktionen sofort ein ganz anderes Gesicht. Wenn wir z. B. bei der Propaganda für den Keren Hajessod sagen können, daß die angeforderten 25 Millionen Pfund ausreichen, um uns die jüdische Majorität im Lande zu geben (was bei 200 Lstr. pro Familie bequem möglich ist), so ist das etwas derart Großes — so liegt darin in solchem Maße die Sicherung des jüdischen Palästina für alle Zeiten, daß unter solchen Gesichtspunkten die Bereitschaft der jüdischen Welt zur Hergabe dieser Summen ohne weiteres plausibel wird. In der Aufstellung eines solchen Planes liegt tatsächlich eine Rettung. Die Einwanderung einiger hunderttausend Juden nach Palästina — ermöglicht durch billige Ansiedlungsformen — wäre eine sehr merkbare Entlastung der furchtbaren Lage im Osten. Es wäre aber auch die Rettung unseres Palästinawerks, das auf die baldigste Schaffung der jüdischen Majorität im Lande angewiesen ist, und schließlich wäre es die Rettung der Zionistischen Organisation, die mit ihren bisherigen Methoden der Palästina-Arbeit zum Mißerfolg verdammt war, und der nur durch neue, große, schnelle und aussichtsvolle Tätigkeit frisches Leben eingeflößt werden kann. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, ob der Gesamtdurchschnitt der Kosten näher bei Lstr. 300 per Familie liegen wird, die für Soskins Kleinsiedlung angenommen werden, oder an den Lstr. 200, die ich für die 24 369