Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 365 (sequence 375)
- Language
- German, English, Hebrew
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A.% ausmachen, während die nichtlandwirtschaftlichen Berufe 96% betragen, wenn Sie das auch nur einen Augenblick überlegen und bedenken, wie sehr wir für eine von Anfang an erfolgreiche Einwanderung und Kolonisation von den bestehenden Berufsschichtungen unseres Volkes ausgehen müssen, so sollte es klar sein, daß die städtische Kolonisationsform (oder jedenfalls eine andere als die rein landwirtschaftliche) in unserem neuen Siedelungswerk weitaus die Hauptrolle spielen muß. Wir streben einer möglichst selbständigen, abgerundeten, allseitigen Volkswirtschaft zu, in der die Landwirtschaft stärker vertreten sein wird als in unserer jetzigen Berufsschichtung. Dies ist gewiß unser aller Ziel, — aber nicht für den Anfang unserer Arbeit, sondern für ein viel späteres Stadium. Der Anfang muß von den jüdischen Berufen, wie sie heute vorliegen, und von den jetzigen beruflichen Möglichkeiten — und auch von den jetzigen Erfordernissen ausgehen. Denn Brot und Lebensmittel können wir ja zur Not auch importieren, so wie auch heute das Brot, das die Juden in Palästina essen, zu einem großen Teil aus importiertem australischem Mehl gebacken ist. Aber Häuser und Heimstätten müssen wir in Palästina selbst haben, und auf deren Schaffung muß die erste Phase unserer Ansiedlungstätigkeit gerichtet sein, und darauf müssen sich unsere Arbeitsmethoden in erster Linie erstrecken. Also Heimstätten für die jüdische Einwanderung nach Palästina. Zunächst Heimstätten von der Art, die wir jetzt brauchen. Dies zwingt uns zu einer weitaus überwiegenden Berücksichtigung städtischer Ansiedlungsformen. Aber andererseits denkt niemand an die bisherige städtische Form und niemand sollte an die bisherige ländliche Form denken, — sondern vielmehr an die Vereinigung der Vorzüge beider Formen, und das ist die Gartenstadt. Unter Gartenstadt verstehen wir nicht eine einzige, ganz bestimmte, streng und fest umrissene Form der Ansiedlung, sondern eigentlich jede Ansiedlungsform, in der städtische und ländliche Produktionen vereint die Existenzgrundlage der Ansiedler bilden. Je nach den Bedingungen des Einzelfalles werden wir Gartenstädte haben, die hauptsächlich auf Handwerk und Industrie — und andere, die hauptsächlich auf Landwirtschaft beruhen. In beiden Fällen aber muß es sich um eine Verbindung dieser beiden Produktionen handeln. Erst diese entspricht unserer Gartenstadt. Als „reiner" Typus der Gartenstadt ist die Siedlungsform zu betrachten, bei der zu jedem Haus ein Nutzgarten gehört, aus dem die Ansiedlerfamilie ihren eigenen Bedarf, wenigstens an Gemüse, möglichst auch an Obst und Geflügelzuchtprodukten ziehen kann. In einem Klima, wie in Palästina wäre mit diesen Produkten bereits der größere Teil des gesamten Nahrungsbedarfes zu decken. Dazu reicht bequem eine Fläche von 100 qm pro Kopf oder ein Dunam schon für eine sehr zahlreiche Familie. Seit Jahrzehnten haben sich solche Formen der Selbstversorgung immer mehr zu einem festen System durchgebildet, aber ganz besonders hat der Krieg diese Bestrebungen gefördert, und es liegen gegenwärtig die Erfahrungen vieler Länder über viele Millionen solcher kleinen Selbstversorgergärten vor. In England, wo die Zahl der „Allotment Gardens" etwa 1 400 000 erreicht, ist man zu der klaren Formulierung gelangt, daß eine Fläche von 250 qm pro Familie gerade ausreicht, daß sie noch bequem nebenberuflich und hochintensiv bearbeitet werden kann. „Jedes Mehr stellt den Erfolg in Zweife 1." In Deutschland hält man für 365